Crossover-Kunst
Literatur und Musik im Einklang

Kreis Warendorf -

Gattungen, Strömungen oder Genres waren einmal – längst zerfließen festgefahrene Grenzen. Herauskommt bei Können und Kreativität eine spannende weil sich gegenseitig befruchtende Melange der Künste. Jüngstes Beispiel: das Double-Face-Festival in Stromberg.

Dienstag, 30.10.2018, 07:00 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 30.10.2018, 07:00 Uhr
Begeisterten die Zuhörer am zweiten Festivalabend. die Kult-Pop-Gruppe „Erdmölbel“ mit Leadsänger Markus Berges.   
Begeisterten die Zuhörer am zweiten Festivalabend. die Kult-Pop-Gruppe „Erdmölbel“ mit Leadsänger Markus Berges.   

Literatur und Musik sind nicht erst seit heute eine gute Kombination. Dass literarisch Tätige auch gute Musiker sein können beziehungsweise Musiker auch literarisch etwas zu sagen haben, ist zwar bekannt, aber weniger erprobt. Insofern war das Double-Face-Festival am Freitag und Samstag auf dem Kulturgut Haus Nottbeck ein weiteres Experiment, beide Kunstformen zusammenzuführen – mit vollem Erfolg.

Die ersten Pflöcke fürs Gelingen schlug am ersten Festivalabend ein gebürtiger Herforder ein. Frank Spilker , Sänger und Gitarrist der legendären Gruppe „Die Sterne“, die m,it ihrer Fusion aus Neuer Deutscher Welle, Indie-Pop und Grunge die Musikszene der 90er Jahre mitprägte, las Auszüge aus seinen literarischen Veröffentlichungen. Die auf der gegenüberliegenden Seite des Torhaussaals mit diversen alten Lampen

schön biedermeierlich dekorierte Lesebühne bildete die Kulisse für stimmungsvolle Auftritte. So für Thorsten Nagelschmidt, aus dem münsterländischen Rheine stammender Sänger, Gitarrist und Songschreiber der Angry-Pop-Band „Muff Potter“, der sich hintergründig-ironisch mit den Cover-Motiven des DB-Journals „Mobil“ beschäftigte, Frank Spilker und Bernd Begemann gesellten sich später zu „Nagel“ auf die Bühne und ließen den Saal toben.

Die Clubatmosphäre im Torhaussaal machte sich anschließend Bernd Begemann zunutze. Im vornehmen Satin-Anzug machte der Entertainer und „Dauerironiker“, wie ihn das Feuilleton gerne bezeichnet, eine ausgesprochen gute Figur und sorgte, begleitet von Kai Dorenkamp am Klavier, für ausgelassene Heiterkeit. Das Hamburger Duo, dass auch schon bei „Inas Nacht“ und in der Elbphilharmonie aufgetreten war, spielte Auszüge aus „Die Befreiung“ und erfüllte Publikumswünsche.

Am zweiten Festivaltag gab es das von vielen erwartete Wiederhören mit der Gruppe „Erdmöbel“, und ihrem Kult-Leadsänger Markus Berges. Der lieferte zunächst Kostproben aus seinem Roman „Die Köchin von Bob Dylan“, der literarisch in die Ukraine und ans Schwarze Meer gefolgt war, weil er dort selbst genealogische Vorfahren hat, und bekannte dann allerdings auf Nachfragen, dass er dort dem Literaturnobelpreisträger 2016 selbst nicht begegnet ist und der Amerikaner nur eine Romanfigur ist – fiktiv eben.

Eine Sternstunde bereiteten dann Jörg Albrecht, neuer künstlerischer Leiter des Center of Literature auf Burg hülshoff sowie und Sängerin und Multiinstrumentalistin Laura Landergott den Zuschauern mit ihrer musikalischen Lese-Performance, bei der Albrecht dem Publikum drei Protagonisten eines geplanten Romans vorstellte: Silvana Trans, einen jungen Türken und den rumänischen Wanderarbeiter Vadim, der sich nach dem Mauerfall im neuen Berlin wiederfindet. Das Werk ist allerdings bislang unveröffentlicht. Mit den deutschen und englischen Songs Landergotts bildeten die skurril anmutenden Episoden eine kongeniale Einheit – wie das Festival insgesamt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6093146?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F1808486%2F
Nachrichten-Ticker