Landwirtschafliche Investition
Kirchenland in Bäuerinnenhand

Kreis Warendorf -

Ökologie trifft Kirche: Die bischöfliche „Stiftung zur Ausbildung katholischer Geistlicher“ hat in Enniger landwirtschaftliche Flächen zu moderaten Preisen an den vier Kilometer entfernten Laakenhof verpachtet – eine ungewöhnliche Aktion mit großem Nachhaltigkeitseffekt.

Mittwoch, 10.10.2018, 18:15 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 09.10.2018, 05:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 10.10.2018, 18:15 Uhr
Thomas Kamp-Deister, Referent Schöpfungsbewahrung (links), und Biobäuerin Hannah-Theresa Wappler sind glücklich über die Rettung des Laakenhofs.
Thomas Kamp-Deister, Referent Schöpfungsbewahrung (links), und Biobäuerin Hannah-Theresa Wappler sind glücklich über die Rettung des Laakenhofs. Foto: Karola Wiedemann

Die Deutsche Bischofskonferenz hat bei ihrer Herbstversammlung Handlungsempfehlungen zu Ökologie und nachhaltiger Entwicklung für die deutschen (Erz-)Diözesen verabschiedet. Was die deutschen Bischöfe ihren Bistümern darin ans Herz legen, setzt die Initiative „Zukunft Einkaufen – Glaubwürdig wirtschaften im Bistum Münster“ bereits um.

Katholische Priester, kirchliche Mitarbeiter und Aktivitäten aus dem Bistum, die die Initiative unterstützen, zeigen, wie Taten gemäß den Handlungsempfehlungen aussehen können:

2015 hat Papst Franziskus eine Umweltenzyklika veröffentlicht. 2016 haben die deutschen Bischöfe den Expertentext „Der bedrohte Boden“ herausgegeben. Die Initiative „Zukunft einkaufen – Glaubwürdig wirtschaften im Bistum Münster“ fördert innerkirchlich eine öko-faire Beschaffung. Seit Montag (8. Oktober) empfiehlt die Deutsche Bischofskonferenz kirchlichen Einrichtungen „bevorzugt Lebensmittel aus heimischer und möglichst nachhaltiger Erzeugung“ einzukaufen. Kirchlichen Rechtsträgern legt sie nahe, bei der Landverpachtung „eine nachhaltige, einschließlich ökologische Landwirtschaft“ zu fördern.

Die bischöfliche „Stiftung zur Ausbildung katholischer Geistlicher“ hat das im münsterländischen Ennigerloh im Ortsteil Enniger bereits umgesetzt. Sie hat landwirtschaftliche Flächen nach ökologischen Kriterien zu moderaten Preisen an den derzeit vier Kilometer entfernten Laakenhof für zunächst 13 Jahre verpachtet, obwohl es genug Angebote von Betrieben mit Biogasanlagen gab, weit über 1 000 Euro Pacht pro Hektar zu bezahlen.

Die Beweggründe der Stiftung: Der biologisch wirtschaftende Pachtbetrieb stand vor dem Aus, nachdem die Verpächterin, die Heidelberger Zementwerke, nach 25 Jahren den Pachtvertrag gekündigt hat. Was die Heidelberger Zementwerke mit dem Hof vor haben, ist nicht bekannt.

Aber mit dem neuen Pachtvertrag kann der Biohof an neuer Stelle weiter machen. Eine fünfköpfige Hofgemeinschaft, zwei Auszubildende und fünf Teilzeitkräfte bewirtschaften den Hof. Die Rinderherde der vom Aussterben bedrohten Nutztierrasse „Altdeutsches Niederungsrind“ ist dort ganztags auf der Weide. Die neun Bentheimer Schweine, ebenfalls eine vom Aussterben bedrohte Nutztierrasse, wohnen in einer DraußenHütte auf der Obstwiese.

Die 250 Hühner laufen auf der Hofstelle frei herum. Auf rund drei Hektar wachsen Gemüse und Kartoffeln. Die Milch wird in der hofeigenen Käserei verarbeitet. Alle erzeugten Lebensmittel werden über Abo-Kisten, Hofladen und den ökologischen Bauernmarkt in Münster direkt vermarktet. Damit trägt sich der Biobetrieb wirtschaftlich.

„Die Kirche will biologisch wirtschaftende Betriebe, die ihre Produkte in der Region vermarkten, fördern. Wir streben eine transparente Vergabe kirchlicher Pachtflächen nach sozialen und ökologischen Kriterien an“, erklärt Thomas Kamp-Deister, Referent „Schöpfungsbewahrung“ beim Bistum.

Er hat sich mit Weihbischof Dr. Stefan Zekorn, Maria Kleingräber von der Fachstelle Umweltschutz am Bischöflichen Generalvikariat und dem Bürgermeister von Ennigerloh, Berthold Lülf, dafür eingesetzt, dass die Flächen an den Laakenhof gingen.

„Wir sind glücklich über die gesicherte Situation auf dem neuen Hof, auch wenn wir gerne auf der alten Hofstelle geblieben wären“, sagt Hannah-Theresa Wappler von der Hofgemeinschaft. „Eventuell können wir einige der bisherigen Grünlandflächen behalten“, hofft sie.

„Es ist toll, wertvolle alte Rassen zu erhalten, die Flächen artenreich zu bewirtschaften und dabei hochwertige Lebensmittel zu erzeugen“, benennt die 27-jährige Biobäuerin ihre Motivation, biologisch zu wirtschaften. „Das ist jetzt ein großer Umbruch, aber wir hoffen, dass es am neuen Ort gut weitergeht.“                                

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