WLE-Kritiker zweifeln Gutachten an
Elektro-Bus statt Diesel-Lok

Kreis Warendorf -

Die Reaktivierung der WLE soll wirtschaftlich sein. Das behauptet ein Gutachten, das diejenigen in Auftrag gegeben haben, die die Strecke reaktivieren wollen. Kritik daran lässt nicht lange auf sich warten.

Dienstag, 11.12.2018, 06:01 Uhr aktualisiert: 11.12.2018, 06:10 Uhr
Die Westfälische Landeseisenbahn soll auf der Strecke zwischen Sendenhorst und Münster für den Personenverkehr reaktiviert werden. Kritiker dieses Plans zweifeln ein Gutachten an, das in Anspruch nimmt, die Wirtschaftlichkeit dieses Projektes belegen zu können.
Die Westfälische Landeseisenbahn soll auf der Strecke zwischen Sendenhorst und Münster für den Personenverkehr reaktiviert werden. Kritiker dieses Plans zweifeln ein Gutachten an, das in Anspruch nimmt, die Wirtschaftlichkeit dieses Projektes belegen zu können. Foto: Oliver Werner

Markus Diekhoff kann nur den Kopf schütteln. „Gutachten sind meistens gut für denjenigen, der sie in Auftrag gegeben hat“, sagt der Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der FDP im Kreis Warendorf und bezieht sich damit auf das in der vergangenen Woche vorgelegte Gutachten zur WLE. Es kam zum Ergebnis, dass die geplante Reaktivierung der Westfälischen Landeseisenbahn auf der Strecke Münster-Sendenhorst wirtschaftlich sein soll. Die Liberalen, die das Projekt seit Jahren ablehnen, sehen das anders.

Eine Diesel-Lok nach Münster fahren zu lassen, macht weder wirtschaftlich noch umweltpolitisch Sinn.

Markus Diekhoff

„Eine Diesel-Lok nach Münster fahren zu lassen, macht weder wirtschaftlich noch umweltpolitisch Sinn“, hält Diekhoff fest. „Viel besser wäre es, auf dieser Strecke Elektrobusse einzusetzen. Die Busse müssten dann auch nicht zwangsläufig alle am Bahnhof enden.“ Das Modell mit den Elektrobussen ist aus Sicht von Diekhoff „günstiger, intelligenter und wirtschaftlicher“.

Markus Diekhoff

Markus Diekhoff

Bislang konnte die FDP aber keine der anderen im Kreistag vertretenen Fraktionen von diesem Konzept überzeugen. Allerdings hat sie die Bürgerinitiative „Pro Bus und Rad – Gegen die Bahn“ aus Münster auf ihrer Seite. Deren Vorsitzender Dr. Lars Ostermeyer kann viele Aussagen des Gutachtens nicht nachvollziehen. So sollen die Fahrgastzahlen um 60 Prozent gestiegen sein, obwohl die Bevölkerung nur um zwölf Prozent gewachsen sei. Auch ihm stößt sauer auf, dass man immer noch von Diesel-Loks ausgeht. Bei der Berechnung der Wirtschaftlichkeit würde das Vorteile bringen – aber man wolle ja weg von der Diesel-Technologie.

„Grundsätzlich ist natürlich auch die Vergabe des Gutachtens fragwürdig. Die Gutachterfirma wird direkt vom Zweckverband NWL bezahlt.“ Ein neutrales Gutachten sei da kaum zu erwarten.

Ähnlich wie Diekhoff kann sich auch Ostermeyer vorstellen, die Trasse asphaltieren und dann Elektrobusse dort rollen zu lassen. „Ein wirklich hohes Verkehrsaufkommen auf der Strecke besteht ja nur während der Stoßzeiten im Berufsverkehr. Dafür können wir doch nicht den ganzen Tag Züge fahren lassen.“

Weil die WLE den Kommunen gehört, setzen diese aber weiterhin auf Reaktivierung der Strecke für den Personenverkehr, vermutet Diekhoff. „Dafür gibt es das meiste Geld vom Staat.“ Andernfalls müsste die Trasse aufgegeben werden.

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