78. Krippenausstellung im Religio
Einmal kurz am Rad drehen

Telgte -

Freie Kunst wird in der Krippenausstellung im Religio immer wichtiger. Aber den Liebhabern der traditionellen Krippen sei gesagt: Auch diese gibt es noch.

Freitag, 21.12.2018, 06:01 Uhr
Auch Museumsdirektorin Dr. Anja Schöne kann der Versuchung nicht widerstehen und betätigt gerne mal die Radkurbel an der Arbeit von Christian Nachtigäller aus Telgte. Anfassen ausdrücklich erlaubt.
Auch Museumsdirektorin Dr. Anja Schöne kann der Versuchung nicht widerstehen und betätigt gerne mal die Radkurbel an der Arbeit von Christian Nachtigäller aus Telgte. Anfassen ausdrücklich erlaubt. Foto: Dierk Hartleb

Bei Christian Nachtigäller ist Handarbeit gefragt. Auch Museumsdirektorin Dr. Anja Schöne kann beim Rundgang durch die 78. Krippenausstellung im Westfälischen Museum für religiöse Kultur, kurz Religio, der Versuchung nicht widerstehen, einmal die Kurbel zu betätigen, die Nachtigäller so einladend an der Narbe eines Fahrradreifens befestigt hat, um damit einen Dynamo anzutreiben, der seinerseits eine Lampe zum Leuchten bringt. Und weil der Raumausstatter aus Telgte dieses Objekt zur 78. Krippenausstellung beisteuert, ist das Motiv, das im Licht sichtbar wird, natürlich die Heilige Familie.

Auch wenn das Objekt nicht ganz zum Motto der diesjährigen Krippenausstellung „Zur Krippe kommet in Bethlehems Stall“ passt, und noch weniger das Bild einer traditionellen Krippe erfüllt, erfreut es sich bei den Besuchern größter Beliebtheit.

so stellen sich Kinder und Jugendliche aus Dülmen heute die Verkündigung der frohen Botschaft vor: mit Handy und Tablet.

so stellen sich Kinder und Jugendliche aus Dülmen heute die Verkündigung der frohen Botschaft vor: mit Handy und Tablet. Foto: Dierk Hartleb

„Christian Nachtigäller arbeitet gerne mit Technik“, weiß Schöne von früheren Ausstellungen. Viele Krippenkünstler sind schon seit Jahren dabei – so wie die 78-jährige Anni Schulte aus Rheine, die ihrem Motiv die Gestalt eines Tempels gegeben hat. Auch Stefan Lutterbeck aus Everswinkel, gelernter Steinbildhauermeister, ist kein Unbekannter. Zur aktuellen Ausstellung steuert er zwei Arbeiten bei: eine Holzarbeit in Eiche, die in abstrahierter Form Maria und Joseph mit dem im Korpus mit Blattgold angedeutete Kind und eine Arbeit aus Ibbenbürener Sandstein, bestehend aus Kapitell und Basis, auf einer Säule aus grün-braunem Stahl im Religio-Neubau, die die Weihnachtsgeschichte zum Thema hat.

Hans Rotfeld aus Wadersloh schuf aus einer Baumscheibe, Eichen- und Buchenholz die Stadt Bethlehem mit einer Krippe aus Eiche.

Hans Rotfeld aus Wadersloh schuf aus einer Baumscheibe, Eichen- und Buchenholz die Stadt Bethlehem mit einer Krippe aus Eiche.

„Die Arbeiten sind in den zurückliegenden Jahren immer freier und künstlerischer geworden“, stellt Schöne fest. Das gilt auch für die Krippe, die Kinder und Jugendliche in einem Kreativ-Workshop der Pfarrei St. Viktor in Dülmen gemacht haben. Sie hat den Titel: „So geht Verkündigung heute“: Wir kommen zur Krippe!“, in der Maria gleich ein Selfie mit dem Neugeborenen macht und alle drum herum mit Smartphone, Tablet und I-Pad hantieren, um die frohe Botschaft in alle Welt herauszutragen. Als künstlerische Arbeit ragen die Textilarbeiten von Mechtild Jülicher aus Senden heraus, die aus Pralinenschachteln und mit Wachs verbundenen Fäden ein goldenes Tränenkleid mit dem davor liegenden Jesuskind unter dem Titel „Rettung durch Flucht“ fertigte­. Ihre zweite Arbeit, die die Verbundenheit von Maria mit dem Kind thematisiert, ist nicht so prägnant.

Den Liebhabern traditioneller Krippen sei gesagt: Es gibt sie noch – etwa aus der Werkstatt von Claudia und Willi Potthoff aus Herzebrock. Und auf keinen Fall verpassen sollte der Besucher die Sonderausstellung mit Figuren des polnischen Krippenkünstlers Roman Sledz.

 

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