Klinik für Kinder und Jugendpsychiatrie in Walstedde
„Wir bieten so viel Hilfe wie nötig“

WALSTEDDE -

Die hellbunte Farbstruktur der modernen Gebäude im Einklang mit dem alten Fachwerk-Bauernhaus von 1821 und viel Natur sorgen beim ersten Besuch von Haus Walstedde für entspannte Stimmung. Und das ist ein wichtiger Baustein der Erfolgsgeschichte der Klinik für Kinder und Jugendpsychiatrie in NRW – sie behandelt Psychosen, Bipolare Störungen, Magersucht, Borderline, Depressionen und Zwangsstörungen.

Samstag, 29.12.2018, 09:02 Uhr aktualisiert: 29.12.2018, 09:20 Uhr
„Der Walstedder Geist“ prägt für Zentrumsleiter Stefan Kamp die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie „Haus Walstedde“: Flache Hierarchien, eng vernetzte, fachübergreifende Mitarbeiter „voller Herzblut“ und der individuelle Fokus auf den jeweiligen Patienten und dessen bestmögliche Heilung.
„Der Walstedder Geist“ prägt für Zentrumsleiter Stefan Kamp die Klinik für Kinder und Jugendpsychiatrie „Haus Walstedde“: Flache Hierarchien, eng vernetzte, fachübergreifende Mitarbeiter „voller Herzblut“ und der individuelle Fokus auf den jeweiligen Patienten und dessen bestmögliche Heilung.

Alles begann 2003 mit dem ambulanten Gesundheitszentrum im Bauernhaus, in dem sich niedergelassene Ärzte angesiedelt hatten. „Die Nachfrage war so groß“, erinnert sich Zentrumsmanager Stefan Kamp . „Viele Kinder sind unterversorgt. Durch enorm lange Wartezeiten verlieren Kinder und Jugendliche kostbare Zeit.“ Zeit zu handeln, dachten sich die Mitarbeiter. „Dann machen wir es halt selbst und bauen unser eigenes vollstationäres Klinikzentrum auf.“

2011 war Eröffnung der ersten Tagesklinik. Ohne kirchlichen, staatlichen oder privaten Träger, als reiner Gesellschafterbetrieb bestehend aus den Köpfen des Hauses. Das Konzept war von Anfang an klar, so Kamp: „Wir bieten so viel Hilfe wie nötig, so wenig Entwurzelung wie möglich – wir begleiten Patienten auf ihrem kompletten Betreuungsweg.“ Prozessorientiert und auf Augenhöhe wird gearbeitet, stets mit offenem Blick über den eigenen Tellerrand hinaus.

Wir begleiten Patienten auf ihrem kompletten Betreuungsweg.

Stefan Kamp

„So haben wir bei laufender Arbeit festgestellt, das mindestens ein Elternteil eine Erkrankung hat“, sagt Stefan Kamp, „eine depressive Mutter oder ein bipolarer Vater sind nicht förderlich für die Gesundheit des Kindes.“ Haus Walstedde handelte und seitdem kommen Eltern mit ihrem Kind zur Behandlung in die Tagesklinik. Kitas, Schulen, Kinderarbeit, Jugendämter stellen Kontakt zum Kind her. Die Spezialsprechstunde „Fetaler Alkoholkonsum“ ist bundesweit einmalig.

Aufgrund des großen Bedarfs entsteht bis April 2019 eine neue Tagesklinik mit dann 18 Plätzen für Jugendliche plus sechs Plätze für Erwachsene. Um das zu bewerkstelligen, werden neben den Kindertherapeuten und Psychologen auch Erwachsenentherapeuten eingestellt. „Die Familienklinik wird Teil des Krankenhausbedarfsplanes des Landes NRW sein und damit auch gesetzlich versicherten Patienten offen stehen“, kündigt Kamp an.

Nachgefragt bei Patienten und Kassen

Mittlerweile zählt die Klinik für Kinder und Jugendpsychiatrie 10 000 Patienten im Jahr, 5500 davon in der Klinik und Tagesklinik und 4500 im ambulanten Gesundheitszentrum Haus Walstedde. Es gibt eine offizielle Kostenzulassung; die Klinik ist im Krankenkassenbedarfsplan gelistet, es gelten normale Pflegesätze. Der Anteil gesetzlich Versicherter liegt in der Privatklinik bei 40 Prozent und in der Tagesklinik bei 85 Prozent.

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Weil es 1000 Schulverweigerer im Regierungsbezirk Münster gibt, hat Haus Walstedde eine Privatschule in der Klinik eingerichtet, deren Neubau bis Februar 2019 fertiggestellt sein soll. Zukünftig werden zehn Lehrer an der Schule arbeiten, die von außen bewusst wie ein Einfamilienhaus aussieht und in einer benachbarten Wohnsiedlung liegt. 39 Schulverweigerer wurden bisher in Walstedde betreut. 36 von ihnen besuchen nach erfolgter Therapie und Nachbetreuung wieder regulär den Schulunterricht. Es gibt auch Schülerspezialverkehr: „Das Problem ist ja, den Schüler frühmorgens aus dem Bett zu holen, wir schicken ihnen einen geschulten Fahrer ins Haus und dann heiß es: „Da unten steht der Jürgen und der wartet auf Dich!“

Im Frühjahr beginnt der Bau des Klinikhotels mit öffentlichem Restaurant. 14 Hotelzimmer stehen in erster Linie den Eltern der Patienten zur Verfügung.

Stefan Kamp freut sich, dass die Klinik für Kinder und Jugendpsychiatrie in Walstedde angekommen ist: „Am Anfang waren die Vorbehalte groß. Der anfängliche Argwohn im Dorf ist aber inzwischen verflogen.“ Auch weil Haus Walstedde vorzugsweise Menschen aus dem Ort und der Umgebung einstellt und auch die dortigen Handwerker und Zulieferer beauftragt. „Wir haben bewusst einen offenen Campus und keine Zäune. Walstedder nutzen unser Bistro und viele Kinder unseren Spielplatz, der noch wachsen wird.“

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