Gesundheit
Fälle von Krätze nehmen zu

Kreis Warendorf -

Nicht umsonst wählte der Volksmund den Ausdruck „Ich glaub, ich krieg die Krätze“ dafür, dass etwas nicht mehr auszuhalten ist. Kurz: Diese Krankheit will man nicht haben oder so schnell wie möglich wieder loswerden. Doch jetzt ist Krätze wieder auf dem Vormarsch, nicht nur in NRW, sondern auch im Kreis Warendorf.

Mittwoch, 09.01.2019, 16:40 Uhr aktualisiert: 10.01.2019, 19:04 Uhr
Krätze macht sich durch unerträglichen Juckreiz bemerkbar. Es empfiehlt sich, sofort zum Arzt zu gehen.
Krätze macht sich durch unerträglichen Juckreiz bemerkbar. Es empfiehlt sich, sofort zum Arzt zu gehen. Foto: dpa

Unaufhörlicher Juckreiz ist das auffälligste Symptom der Krätze, die in der Fachsprache als Skabies bezeichnet wird. Die Erkrankung ist bereits seit der Antike bekannt. Auch Napoléon Bonaparte litt unter der durch Milben hervorgerufenen Krankheit. Obwohl sich Krätze am häufigsten in Kriegs- und Notzeiten ausbreitet, ist sie - bei allem medizinischen Fortschritt - auch aktuell wieder eine nicht zu vernachlässigende Krankheit. Gerade auch im Kreis Warendorf.

Das Gesundheitsamt des Kreises stellte bereits im November eine Zunahme der Krätze zwischen Telgte und Wadersloh fest. Die Krankheit galt in Deutschland als ausgerottet – doch jetzt ist sie wieder auf dem Vormarsch.

Dr. Thomas König vom Gesundheitsamt des Kreises (zuständig für Infektionsschutz) bestätigte im Gespräch mit dieser Zeitung, dass Krätze in den vergangenen Jahren meistens beim Wechsel von der wärmeren zur kühleren Jahreszeit vorgekommen sei, doch besonders im November 2018 im Kreis Warendorf deutlich mehr Fälle als sonst gezählt wurden: „Wir können das zahlenmäßig nicht ganz genau nachhalten, weil es eine hohe Dunkelziffer gibt.“

Wohl aber ist klar, wo Krätze am häufigsten anzutreffen ist. „In Kindergärten, Schulen, Pflegeheimen, also ganz allgemein in Gemeinschaftseinrichtungen, kommt Krätze auf häufigsten vor.“ Denn an Orten, an denen Menschen auf engem Raum viel Zeit miteinander verbringen, kommt es oft zu viel Hautkontakt. Aktuell gab es in den Seniorenheimen nur wenige Fälle. „Die jüngste Zunahme an Krätze gab es in Kitas und Schulen.“

Dr. Thomas König vom Kreisgesundheitsamt setzt verstärkt auf Aufklärung: „Wir haben einen Flyer erstellt und führen Beratungen durch.“ Die gute Nachricht: Die Zahl der Krätze-Fälle im Kreis ging im Dezember bereits wieder zurück, wie Dr. König betonte.

Gleichzeitig räumte der Experte für Infektionsschutz mit falschen Informationen auf: „Durch bloßes Händeschütteln wird Krätze nicht übertragen.“ Dr. Thomas König macht klar: „Für eine Ansteckung muss der Hautkontakt über mehrere Minuten bestehen, zum Beispiel beim Kuscheln oder im Rahmen pflegerischer Tätigkeiten.“

Erst dann kann die Skabiesmilbe, die für die Krätze verantwortlich ist, sich in die oberflächliche Haut eingraben und dort ihre Eier ablegen. Der charakteristische und sehr unangenehme Juckreiz entsteht durch ihre Stoffwechselprodukte. Betroffene verspüren ihn häufig so stark, dass sie sich blutig kratzen – was wiederum das Risiko einer bakteriellen Infektion steigert.

Auch die Nacht bringt keine Erleichterung: Wenn der Betroffene unter der warmen Bettdecke liegt, geht es den Milben erst richtig gut.

Was sollte man also tun, wenn man mit Betroffenen in Kontakt gekommen ist? Das Kreisgesundheitsamt empfiehlt, sofort einen Arzt aufzusuchen. Aufgrund des Anstiegs sollten die Menschen im Kreis aktuell besonders auf juckende Hautveränderungen achten. Über einen längeren Zeitraum. Denn der Juckreiz zeigt sich meist erst nach rund fünf Wochen. Häufig befallen werden die Hautfalten zwischen den Fingern und den Zehen. Aber auch die „Streckseiten der Handgelenke und Unterarme“ sind laut Gesundheitsamt oft betroffen.

Wer an der Krätze erkrankt ist, bekommt beim Arzt entweder eine Salbe oder ein Medikament zum Einnehmen. Ganz wichtig: Um eine Wiederansteckung zu verhindern, müssen nach dem Arztbesuch einige Vorkehrungen getroffen werden: Die Bettwäsche muss bei 60 Grad gewaschen, Fingernägel geschnitten und der Boden gesaugt werden. Bereits getragene Kleidung sollte für zwei Wochen luftdicht verpackt weggestellt werden, empfiehlt das Gesundheitsamt Warendorf.

In den letzten Jahren hat sich das klinische Erscheinungsbild verändert – so das Kreisgesundheitsamt Warendorf. Demnach kann Krätze heutzutage einem allgemeinen Hautekzem sehr ähneln. Die Folge ist, dass es bis zur Diagnosestellung länger dauert und unbehandelte Betroffene demzufolge andere Menschen länger infizieren können.

Wo tritt Krätze am häufigsten am Körper auf: Besonders die Räume beziehungsweise Falten zwischen den Fingern und Zehen sowie die Streckseiten der Handgelenke und Unterarme sind bei den Eier legenden Milben beliebt, bei Kindern oft auch die Kopfregion. Letzte Gewissheit über die Erkrankung liefert erst eine spezifische Untersuchung durch den Hautarzt.

Die klassische Behandlung erfolgt über eine Permethrin-haltige Creme, die den Erreger abtötet. Das Kreisgesundheitsamt Warendorf weist darauf hin, das der Erfolg der Creme von der Sorgfalt abhängt, die beim Einreiben aufgewendet wird. Alternativ dazu ist in Deutschland seit 2016 für Erwachsene ein Medikament in Tablettenform mit dem Wirkstoff Ivermectin zugelassen, das den Stoffwechsel der Milbe blockiert. Es tötet im Regelfall binnen 24 Stunden alle Parasiten ab. Wichtig: Der Juckreiz kann auch nach korrekt durchgeführter Behandlung noch für einige Tage bis zu zwei Wochen anhalten.

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