Unternehmer lassen bei Diskussion mächtig Dampf ab
Inklusion ist Herzenssache

Warendorf -

Das Wort Inklusion ist in aller Munde, aber bei der Umsetzung hapert es. Das zeigte sich bei einer Diskussionsveranstaltung, zu der die SPD-Kreistagsfraktion eingeladen hatte. Dabei ging es hoch her.

Donnerstag, 04.04.2019, 06:02 Uhr aktualisiert: 04.04.2019, 13:12 Uhr
Marion Schmelter, Brigitte Klausmeier, Dagmar Arnkens-Homann, Michael Wedershover, Ulrich Schlösser und Klaus Roland standen bei der Veranstaltung der SPD-Kreistagsfraktion zum Thema Inklusion in Arbeit Rede und Antwort
Marion Schmelter, Brigitte Klausmeier, Dagmar Arnkens-Homann, Michael Wedershover, Ulrich Schlösser und Klaus Roland standen bei der Veranstaltung der SPD-Kreistagsfraktion zum Thema Inklusion in Arbeit Rede und Antwort Foto: Rebecca Lek

Fraktionsvorsitzende Dagmar Arnkens-Homann gab eine kurze Einführung zu den gesetzlichen Rahmenbedingungen. Danach stellen die Fachreferenten ihre Institutionen vor. Marion Schmelter , Inklusionsbeauftragte in Ennigerloh, kam als letzte zu Wort. Sie beschrieb die Schwierigkeiten, die auch sie bei der Hilfe von schwerbehinderten Menschen hat. „Das Thema muss mehr in die Öffentlichkeit. Die Betriebe haben Ängste und es ist einfach mühsam. Man muss wirklich dicke Bretter bohren“, sagte Schmelter.

Aus dem Publikum ergab sich darauf direkt die erste Frage, um welche Ängste es sich handeln würde. Michael Wedershoven vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) sprang der Inklusionsbeauftragten bei. „Mit mehr als 20 Mitarbeitern ist ein Unternehmen verpflichtet, mindestens fünf Prozent der Arbeitsplätze an Menschen mit Behinderung zu vergeben. Viele nehmen lieber die zu leistende Ausgleichszahlung in Kauf“, erklärte Wedershover. Gründe hierfür seien vielfältig. Oftmals sei es jedoch die „Unwissenheit über die Behinderung“.

Der Kreis Warendorf steht jedoch nicht schlecht dar, wie Klaus Roland von der Arbeitsagentur berichtete. „Wir haben 2400 Menschen mit Schwerbehinderung in einem Beschäftigungsverhältnis. Nur 547 standen ohne da“. Zu unterscheiden sind dabei „erwerbs- und vermittlungsfähige“ Behinderte und welche, die als „erwerbsunfähig“ eingestuft wurden. Für beide Bereiche werden unterschiedliche Ansätze geboten.

Die Regelungen von 2015 wurden gar nicht kommuniziert. Eine partnerschaftliche Zusammenarbeit hat sich für mich erledigt.

Rainer Woltering

Brigitte Klausmeier von der Kreisverwaltung berichtete, dass von 400 Erwerbsfähigen im vergangenen Jahr 42 vermittelt werden konnten. Auf der anderen Seite zog Ulrich Schlösser von den Freckenhorster Werkstätten eine Bilanz. „Wir haben kein „Rein-raus-Prinzip. Wir versuchen langfristig den Übergang in ein normales Beschäftigungsverhältnis zu schaffen“.

In der anschließenden Diskussion ging es hoch her. Rainer Woltering vom Pflanzenhof Woltering in Telgte ließ mächtig Dampf ab. „Seit über 20 Jahren habe ich mit unterschiedlichen Fachstellen zusammengearbeitet. Die neuen Regelungen von 2015 wurden gar nicht kommuniziert. Eine partnerschaftliche Zusammenarbeit hat sich für mich erledigt.“

Eine Förderschul-Lehrerin fasste die Problematik so zusammen: „Inklusion ist Herzenssache. Es ist alles viel zu kompliziert und mit zu vielen unterschiedlichen Anlaufstellen“. Auch die Fachreferenten würden eine Lösung „aus einer Hand“ bevorzugen. Diese müsste jedoch bundesweit beschlossen werden – kurzfristig also keine Lösung.

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