Parteien starten in den Europa-Wahlkampf
Unerwartet viel Interesse

Kreis Warendorf -

Auf der Nachrichten-Seite der CDU-Ahlen tickt die Uhr. Noch 25 Tage, 19 Stunden und 51 Minuten bis zur Europawahl. Eine arbeitsreiche Zeit für Parteimitglieder im Kreis:

Mittwoch, 01.05.2019, 10:02 Uhr aktualisiert: 07.05.2019, 11:14 Uhr
Seit dem Osterwochenende machen – wie hier in Freckenhorst – Werbetafeln, im Branchenjargon wegen der marktführenden Firma „Wesselmänner“ genannt, und ungezählte Laternenplakate auf die anstehende Europawahl aufmerksam.
Seit dem Osterwochenende machen – wie hier in Freckenhorst – Werbetafeln, im Branchenjargon wegen der marktführenden Firma „Wesselmänner“ genannt, und ungezählte Laternenplakate auf die anstehende Europawahl aufmerksam. Foto: Ulrike von Brevern

Auf der Nachrichten-Seite der CDU-Ahlen tickt die Uhr. Noch 24 Tage, 19 Stunden und 51 Minuten bis zur Europawahl . Eine arbeitsreiche Zeit für Parteimitglieder im Kreis: Es sind die Ehrenamtlichen auf Orts- und Kreisebene, die Plakate kleben, Infostände bestücken und versuchen, den einen oder anderen Promi in heimische Gefilde zu locken. Sie motivieren für eine Wahl, die von der eigenen politischen Ebene weit weg zu sein scheint, und treffen dabei in diesem Jahr – so ergab die Anfrage bei den sechs stärksten Parteien im Kreis – sogar auf größeres Interesse als erwartet.

Das Hingehen ist die größte Hürde.

Jessica Wessels (Grüne)

Beinah über Nacht begannen ab dem Osterwochenende Plakate um den Platz an Laternenpfählen zu rangeln. Sie aufzuhängen ist Sache der Parteimitglieder vor Ort. „Zu zweit haben wir zwölf Stunden gebraucht, um in Sendenhorst, Ennigerloh und Wadersloh zu plakatieren“, sagt Grünen-Kreisgeschäftsführerin Jessica Wessels zum Zeitaufwand. Sie hatte in den drei Orten ohne eigenen Ortsverband selbst mit Hand angelegt.

Das Thema ist zäh!

Martin Arnst (CDU)

Auch die Kreis-AfD war bereits am Osterwochenende unterwegs, berichtet deren stellvertretende Sprecher Dennis Dinter. Manche Plakate hätten allerdings nicht einmal 24 Stunden gehangen, ehe sie von Unbekannten abgehängt wurden. Ein bis zwei Infostände pro Wochenende und eine Saalveranstaltung mit EU-Kandidaten nennt er als Wahlkampfpläne. Hinzu komme der elektronische Wahlkampf: „Da sind wir gut aufgestellt.“

Wahlbeteiligung

Eins eint die Parteien im Kreis. Sie alle streben eine hohe Wahlbeteiligung an und erwarten sogar meist einen Zuwachs im Vergleich zu 2014. Mit 57,4 Prozent lag der Kreis Warendorf damals über dem NRW-Schnitt von 52,3 Prozent und weit über dem bundesweiten von 48,1 Prozent. Erna Trojahn (FDP) prognostiziert, dass die Beteiligung im Kreis knapp über die 60 Prozent-Marke klettern werde. Stephan Schulte (Die Linke) tippt auf 65 bis 70 Prozent. Jessica Wessels (Grüne) hofft sogar auf 70 bis 80 Prozent. CDU und AfD gaben keine Schätzungen ab. Thomas Dahlmann (SPD) hofft auf über 60 Prozent Wahlbeteiligung bundesweit. Kreisweit über 70 Prozent zu kommen, bezeichnete er als „sportlich aber ein gutes Zeichen für die Demokratie.“ 2014 begünstigte die parallel verlaufende Kommunalwahl die Wahlbeteiligung.

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Die Mobilisierung ist schon gut.

Thomas Dahlmann (SPD)

Gerade für den fehlt den Mitbewerbern dagegen nach eigenen Angaben das Personal. Sie überlassen ihn weitgehend anderen Parteiebenen und konzentrieren sich auf den persönlichen Kontakt. Einzig bei der CDU pflegt Kreisgeschäftsführer Martin Arnst systematisch den Social-Media-Auftritt. Das wichtigste Pfund, mit dem seine Partei wuchern könne, sieht er dennoch in ihrer „großen Kampagnefähigkeit als größte Volkspartei im Kreis“.

Gerade Gurken sind kein Thema.

Erna Trojahn (FDP)

„Der Zusammenhalt in Europa, gegen einen Rechtsruck, ist für mich das alles überstrahlendes Thema in diesem Wahlkampf“, hält der CDU-Mann fest und geht in diesem Punkt mit seinem SPD-Kollegen Thomas Dahlmann konform. Auch der sieht in der anstehenden Wahl eine Richtungswahl. Das stelle die Wahlkämpfer vor die schwierige Aufgabe, dennoch Unterschiede deutlich zu machen.

Die Menschen sind wacher.

Stephan Schulte (Die Linke)

Allerdings, so ist Dahlmann überzeugt, sei Europa „in den Köpfen der Menschen viel präsenter als noch vor fünf oder zehn Jahren.“ Das beobachtet auch Stephan Schulte („Die Linke“): „Viele Infostände“, auch unter der Woche, bilden das Hauptaugenmerk seiner Partei im Wahlkampf. „Die Menschen sind wacher“, sagt er. „Am Stand erlebe ich viel Zustimmung zu Europa“.

Wir sind voll im Wahlkampfmodus.“

Dennis Dinter (AfD)

Dass mehr Menschen Europa wichtig finden als vor der letzten Wahl, ist auch der Eindruck von Erna Trojahn, Kreisgeschäftsführerin der FDP. Positiv überrascht habe sie, dass die sprichwörtlichen „geraden Gurken“ bislang kein Thema mehr gewesen seien. Doch ob das gewachsene Interesse am Ende reicht, ist eine andere Frage. „Das Hingehen zur Wahl ist die größte Hürde“, ist sich Jessica Wessels sicher. Sie persönlich freut sich auf den Stand-Wahlkampf davor: „Politik ist Dialog und ich bin gespannt in welche Richtung der geht.“

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