Freckenhorster Forum diskutiert über die Zukunft Europas
Eine Schicksalsgemeinschaft

Freckenhorst -

Ein Manager, ein Weihbischof und ein Politiker denken über die Zukunft Europas nach. Allen Europaskeptikern zum Trotz überwiegt die positive Einschätzung. Von einer großartigen Zukunft ist die Rede. Und Lob für die Kanzlerin gibt‘s obendrein.

Samstag, 22.06.2019, 08:01 Uhr aktualisiert: 22.06.2019, 08:10 Uhr
LVHS-Direktor Michael Gennert (r.) begrüßte zum 5. Freckenhorster Forum (v.l.) Elmar Brok, Martin Richenhagen und Weihbischof Stefan Zekorn.
LVHS-Direktor Michael Gennert (r.) begrüßte zum 5. Freckenhorster Forum (v.l.) Elmar Brok, Martin Richenhagen und Weihbischof Stefan Zekorn.

Eine gute Zukunft für Europa wurde beim 5. Freckenhorster Forum zum Thema „Europa nach der Wahl – Herausforderungen für Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Kirche“ prognostiziert. Vor rund 150 Besuchern rief Weihbischof Dr. Stefan Zekorn eindringlich zum Dialog auf. Als Gäste auf dem Podium sprachen ferner der CDU-Politiker Elmar Brok , der von 1980 bis 2019 Mitglied des EU-Parlaments war, sowie Professor Martin Richenhagen . Der deutsch-amerikanische Manager ist Chef des global tätigen Traktorenherstellers AGCO.

Aus Sicht von Zekorn stehen Deutschland und Europa vor Herausforderungen, wenn es darum geht, die Gesellschaft auf Dauer zusammenzuhalten. „Starke Emotionen stehen der komplexen Realität gegenüber“, verdeutlichte er am Klimawandel. „Wir müssen uns radikal gegen den Klimawandel einsetzen, aber das ist eine komplex zu verhandelnde Geschichte. Viele Menschen erwarten aber von der Politik, dass es bis Herbst eine Lösung gibt.“

Die Unruhe ist ein gutes Zeichen – dafür, dass die Bürger mündiger geworden sind.

Martin Richenhagen

„Ich bin überzeugter Europäer“, stellte Richenhagen klar. Europa werde eine großartige Zukunft haben. Die Unruhe halte er für ein gutes Zeichen: „Es ist ein Zeichen dafür, dass die Bürger mündiger geworden sind.“ Richenhagen ermutigte dazu, ein Europa zu entwickeln, das – ähnlich den USA – zu den Vereinigten Staaten von Europa werden könne. Dafür müssten sich Vertreter von Politik, Kirchen und Wirtschaft zusammensetzen und sich zu ethischen Grundsätzen bekennen.

Die EU kostet uns ein Viertel von dem, was die Bundeswehr kostet.

Elmar Brok

Der gebürtige Kölner, der in Amerika lebt, lobte Bundeskanzlerin Angela Merkel: Die Flüchtlingsthematik habe zwar zu einer Destabilisierung geführt, jedoch habe Merkel „genau das Richtige“ gesagt. „Wir sind einmal das Land gewesen, das großzügig die Türen geöffnet und gesagt hat: Kommt her, wir helfen euch. Das ist anerkennenswert.“ Das Flüchtlingsproblem aber müsse nicht in Europa, sondern in den Heimatländern der Flüchtlinge gelöst werden. Anhand seiner eigenen Firma gab er ein Beispiel, wie die Wirtschaft dazu beitragen kann. So habe AGCO eine Future Farm in Sambia gegründet. „Afrika hat im Landmaschinensektor ein enormes Wachstumspotenzial, und für den afrikanischen Kontinent haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, allen Landwirten Lösungskonzepte für ihre Arbeit zu bieten“, betonte der Manager.

Starke Emotionen stehen der komplexen Realität gegenüber

Weihbischof Dr. Stefan Zekorn

Für Elmar Brok ist Europa „eine riesige Erfolgsstory“. Vieles sei in den vergangenen 30 Jahren erreicht worden, unter anderem ein gemeinsamer Binnenmarkt, der „die größte Handelsmacht der Welt“ sei. Die Kosten für den Binnenmarkt würden außerdem regelmäßig überschätzt: „Die Europäische Union kostet uns insgesamt ein Viertel von dem, was uns die Bundeswehr kostet.“

Für den früheren Abgeordneten steht fest, dass es in der Europäischen Union immer stärkere und schwächere Regionen geben werde. „Doch diese Unterschiede müssen wir in einer Gemeinschaft mittragen. Wir müssen begreifen, dass wir eine Schicksalsgemeinschaft sind.“ Auf die Frage, wo er die EU in zehn Jahren sieht, antwortete Brok: „Europa wird bestehen bleiben. Und Großbritannien wird einen Antrag gestellt haben, wieder Mitglied werden zu dürfen.“

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