Verbraucher gegen höhere Fleischpreise
Markt soll Kosten für Tierwohl tragen

Sendenhorst -

Eine Info-Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) in Sendenhorst zum Thema Tierwohl in der Schweinehaltung verdeutlicht das Dilemma: Der Verbraucher fordert das Tierwohl, will aber keine höheren Fleischpreise zahlen.

Donnerstag, 27.06.2019, 06:02 Uhr aktualisiert: 27.06.2019, 12:04 Uhr
Bernhard Kühnle (Bundeslandwirtschaftsministerium) will, dass die erhöhten Erzeugerkosten vom Markt getragen werden.
Bernhard Kühnle (Bundeslandwirtschaftsministerium) will, dass die erhöhten Erzeugerkosten vom Markt getragen werden. Foto: Ralf Steinhorst

Bernhard Kühnle , im Bundeslandwirtschaftsministerium für die Entwicklung des geplanten Tierwohlkennzeichens zuständig, Stefan Leuer von der Landwirtschaftskammer NRW, Schweinemäster Carl Ahrens-Westerlage, Dr. Wilhelm Jäger von Schlachtbetrieb Tönnies sowie Martin Hofstetter von Greenpeace beleuchteten das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln.

„Der Erfolg des staatlichen Tierwohl-Labels hängt von allen Marktbeteiligten ab“, sah Kühnle das Projekt als Win-Win-Situation für Verbraucher, Erzeuger und das Tierwohl. Gleichzeitig schloss er eine Verpflichtung der Schweinezüchter auf das Projekt aus: „Die Teilnahme am Projekt wird immer freiwillig sein“. Schließlich gebe es gesetzliche Grundlagen für den Regelbetrieb.

Das Label soll einen dreistufigen Aufbau haben und 13 Kriterien umfassen, darunter die Erhöhung des Platzbedarfs, die Verlängerung von Säugephasen, den Ausstieg und Verzicht des Schwanzkupierens, das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration, kurze Transportwege sowie nur kurzer Aufenthalt im Schlachthof. „Durch die Staatlichkeit des Siegels erhoffen wir uns eine erhöhte Glaubwürdigkeit“, betonte Kühnle. Die Kosten für das Tierwohl soll der Markt tragen, wobei Förderungen für Landwirte für den Zeitraum der Umstellung nicht ausgeschlossen sind. Im Moment läuft das Gesetzgebungsverfahren, das bis Ende 2019 abgeschlossen sein soll. Ende 2020 könnten dann erste Produkte mit dem neuen Siegel auf dem Markt sein.

Dass die Umstellung mit Kosten verbunden sein wird, verdeutlichte Stefan Leuer an einem Beispiel: In Stufe eins stehen 17 Prozent weniger Schweine im Stall, in Stufe zwei 32 Prozent und in der höchsten Stufe 50 Prozent. Mäster Carl Ahrens-Westerlage, der das Tierwohl schon optimiert hat, brachte es auf den Punkt: „Wir müssen uns entscheiden: Wollen wir Masse oder Klasse“.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6724719?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F1808486%2F
Erster Stammtisch für Wilsberg-Fans
Für Münster fast schon Routine
Nachrichten-Ticker