Nach Mobbing-Vorwürfen Elternforum geplant
„Müssen das Thema aufarbeiten“

Ennigerloh -

Die Diskussion darüber, ob Mobbing an der Gesamtschule Ennigerloh-Neubeckum dazu geführt hat, dass sich ein 15-Jähriger kurz vor den Ferien das Leben nahm, geht weiter. Klar ist: Direkt zum Schulbeginn soll es ein Elternforum geben. In welcher Form – das ist noch unklar.

Freitag, 19.07.2019, 00:00 Uhr aktualisiert: 19.07.2019, 18:59 Uhr
Nach Mobbing-Vorwürfen Elternforum geplant: „Müssen das Thema aufarbeiten“
War Mobbing der Auslöser für die Tragödie in Ennigerloh? Die Diskussion darüber geht weiter. (Symbolbild) Foto: dpa

„Ennigerloh wird mich so schnell nicht wieder los!“ Die Diskussion darüber, ob Mobbing an der Gesamtschule Ennigerloh-Neubeckum dazu geführt hat, dass ein Schüler sich das Leben genommen hat, beschäftigt den Gewaltpräventions-Coach Carsten Stahl weiter. Sein Angebot an Schulleitung und Stadt: direkt nach den Ferien ein Diskussionsforum in Ennigerloh auf die Beine stellen.

„Dass man das aufarbeiten muss, ist überhaupt keine Frage“, ist Ulla Lütkehermölle von der Pressestelle der Bezirksregierung überzeugt. In welcher Form das stattfinden könne – daran arbeite man gerade intensiv.

Der Ennigerloher Bürgermeister Berthold Lülf betont, dass man die Eltern in dieser Situation nicht allein lassen dürfe: „Wir müssen den Eltern unserer Stadt einen Rahmen bieten, ihre Sorgen und Ängste loszuwerden“, sagte er aus dem Urlaub heraus auf WN-Anfrage. Die Zeit bis zum Ferienende wolle man nutzen, „das weitere Vorgehen mit der nötigen Professionalität zu planen“. Ob Carsten Stahl an diesem Prozess beteiligt sein werde, hänge „allein vom Elternwillen ab“. „Das Ergebnis sollte sein, dass man sich dem Thema offen stellt“, so Lülf.

Stahl selbst würde sich das wünschen, denn sein Kampf gegen Diskriminierung ist für ihn eine Herzensangelegenheit: „Wir dürfen das Thema Mobbing nicht unter den Tisch kehren!“, betont der Berliner, der über seine Bekanntheit und starke Präsenz in den Sozialen Medien dafür verantwortlich war, dass der Fall schnell weite Kreise zog. Die vielen Hilferufe, die ihn aus Ennigerloh erreicht hätten, könne er nicht ignorieren. „Wenn jemand behauptet, an dieser Schule gibt es kein Mobbing, dann ist das eine Lüge“, ist Stahl überzeugt. Sein Appell: „Wenn wir etwas ändern wollen, müssen wir zunächst einmal hinschauen.“

Allerdings gehe es dabei längst nicht nur um Ennigerloh. „Es ist wichtig, generell ein Bewusstsein für das Thema Mobbing zu schaffen. Ich will, dass das System in Deutschland sich verändert, die Lehrer besser ausbildet, die Sozialarbeiter stärkt, den Schülern klar macht, wie gefährlich Mobbing ist. Da muss viel passieren – aber das funktioniert nur, wenn wir uns offen und ehrlich dem Problem stellen.“

Wie Carsten Stahl gegenüber unserer Zeitung berichtete, soll die Schulpflegschaftssprecherin, die den Stein ins Rollen gebracht hatte, indem sie sich an den Aktivisten wandte, unterdessen von ihrem Amt zurückgetreten sein. Außerdem hat sich eine geschlossene Facebook-Gruppe „Stoppt Mobbing Initiative Ennigerloh“ gebildet, in der das Thema weiter diskutiert wird.


Hinweis:

Der Pressekodex sieht vor, dass über Suizide zurückhaltend berichtet wird. Dies gilt insbesondere für die Nennung von Namen und die Schilderung näherer Begleitumstände. Grund für die Zurückhaltung ist die hohe Nachahmerquote nach jeder Berichterstattung über Selbsttötungen. Daher werden wir nicht im Detail über den Vorfall berichten.

Wenn Sie sich selbst betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten. Ergänzend können Sie das Angebot der Krisenhilfe Münster (0251-519005) in Anspruch nehmen und dort bis zu zehn kostenlose persönliche Beratungstermine vereinbaren. 

www.telefonseelsorge.de  

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