Abschaffung der Meisterpflicht
Tischner: Längst überfällige Korrektur

Kreis Warendorf -

„Es ist eine längst überfällige Korrektur der vor 15 Jahren getroffenen Entscheidung, die Meisterpflicht abzuerkennen.“ Hauptgeschäftsführer Frank Tischner von der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf (KH) zeigt sich zufrieden mit der Entscheidung der Koalition in Berlin, für zwölf Handwerksberufe ab Anfang 2020 wieder die Meisterpflicht einzuführen.

Mittwoch, 11.09.2019, 06:01 Uhr aktualisiert: 11.09.2019, 06:10 Uhr
Frank Tischner ist Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft.
Frank Tischner ist Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft.

Zu diesen Berufen gehören auch einige, die im Bereich der KH betreut werden, wie zum Beispiel die Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Estrichleger oder Raumausstatter.

Die in 2004 durchgeführte Novellierung der Handwerksordnung, wonach für 53 Gewerke nicht mehr die Meisterprüfung als Voraussetzung zur Selbstständigkeit galt, hat nach Meinung Tischners mehr Schaden als Nutzen gebracht. „Die Absicht war, dass sich mehr Menschen im Handwerk selbstständig machen, ohne eine Qualifikation wie die Meisterprüfung vorweisen zu müssen, um die Arbeitslosenstatistik zu verbessern. Tatsächlich ist die Zahl der Eintragungen in die Handwerksrolle für die zulassungsfreien Handwerksberufe gerade am Anfang drastisch gestiegen. Doch in der Mehrzahl handelte es sich um Solo-Betriebe, die schlecht bezahlt und prekär arbeiteten und die in der Regel keine sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze schufen. Oft verschwanden sie schnell vom Markt – zum Nachteil der Auftraggeber von Handwerksleistungen, die mit ihren Gewährleistungsansprüchen ins Leere liefen.“

  Meisterbetriebe mit ein anderer Kostenstruktur gerieten hingegen angesichts der Billig-Konkurrenz dieser Ein-Personen-Betriebe in Bedrängnis, Arbeitsplätze und vor allem auch Ausbildungsplätze gingen dauerhaft verloren. Die 15 Jahre der Zulassungsfreiheit hat bei den betroffenen Handwerksberufen gravierende Folgen gehabt: Dringend benötigter Berufsnachwuchs und gut ausgebildete Fachkräfte gibt es viel zu wenig.

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