Schüler klagen über negative Publicity der Gesamtschule Ennigerloh
„Unsere ganze Schule wird gemobbt“

Ennigerloh -

Die Gesamtschule Ennigerloh ist in aller Munde – leider negativ. Gründe dafür sind angebliche Mobbingfälle, die von der Schule nicht richtig behandelt worden sein sollen. Insbesondere der Tod eines Schülers, der sich vor den Sommerferien das Leben nahm, wird stark diskutiert.

Donnerstag, 03.10.2019, 08:01 Uhr aktualisiert: 03.10.2019, 08:10 Uhr
Wollen die Gesamtschule wieder in ein gutes Licht rücken (v. l.): Sarina Langhans (Schülerin), Berhold Lülf (Bürgermeister), Elias Wiebe (Schüler), Stephan Meyer (stellvertretender Schulleiter), Nicole Frischgesell (Schulsozialarbeiterin), Urich Vornholt (Schulfachlicher Dezernent), Janina Schulte (Schülersprecherin), Maike Ostrop (Schulpsychologin), Lion Rettkowski (Schülersprecher) und Bettina Hagen (Lehrerin).
Wollen die Gesamtschule wieder in ein gutes Licht rücken (v. l.): Sarina Langhans (Schülerin), Berhold Lülf (Bürgermeister), Elias Wiebe (Schüler), Stephan Meyer (stellvertretender Schulleiter), Nicole Frischgesell (Schulsozialarbeiterin), Urich Vornholt (Schulfachlicher Dezernent), Janina Schulte (Schülersprecherin), Maike Ostrop (Schulpsychologin), Lion Rettkowski (Schülersprecher) und Bettina Hagen (Lehrerin). Foto: Rebekka Lek

Nachdem – laut Bürgermeister Berthold Lülf – im „Internet alle Dämme brachen“ und „bei den Eltern große Verunsicherung herrschte“, habe er entschieden, eine Möglichkeit des Austausches zu schaffen. Dieser erfolgte am Dienstagabend in der Olympiahalle in Ennigerloh im Rahmen eines „Schulgemeinschaftsforums“. Zu Beginn stellte Lülf einiges klar. „Der Tod des Schülers hatte nichts mit Mobbing zu tun. Hierbei handelt es sich um einen konstruierten Zusammenhang“.

Der Tod des Schülers hatte nichts mit Mobbing zu tun.

Bürgermeister Berthold Lülf

Die Moderation des Abends übernahm der Pressesprecher der Bezirksregierung Ulrich Tückmantel. Nach einer Begrüßung durch den stellvertretenden Schuldirektor Stephan Meyer übernahm Maike Ostrop das Mikrofon. Die Schulpsychologin brachte das knapp 200 Mann-starke Publikum auf den gleichen Wissensstand und gab eine Definition, was Mobbing überhaupt ist. „Es handelt sich um eine systematische Drangsalierung über mehrere Wochen“. Im Anschluss erklärte Schulsozialarbeiterin Nicole Frischgesell die bereits etablierten Präventivmaßnahmen an der Gesamtschule und erläuterte das genauere Vorgehen des Kollegiums.

Wir fühlen uns hier sehr wohl. Es wird an jeder Schule gemobbt, natürlich auch an unserer. Aber es wird etwas dagegen getan. Und zu Hause sollten die Eltern damit anfangen.

Sarina Langhans und Elias Wiebe (sprachen für die Jahrgangsstufe 9)

Tückmantel gab nun den Eltern die Möglichkeit, sich zu Wort zu melden. Er bat allerdings darum, keine expliziten Einzelfälle zu schildern, sondern dafür das Einzelgespräch zu suchen. Trotz dieser Bitte eskalierte die Diskussion mit einem Vater. Er schilderte einen Vorfall, bei dem sein Sohn von dem Lehrer gefragt wurde, weshalb er in der Schule eine Jogginghose trägt. Für den Vater die Steilvorlage für Mobbing, für die meisten anderen Eltern nicht. Hierzu meldete sich sogar die Schülersprecherin Janina Schulte zu Wort, die betonte, dass es zwar keine Kleiderordnung gebe – „man vom Elternhaus aber wissen sollte, was angemessene Kleidung ist“.

Auf die Frage, was getan werden soll, wenn sich das Kind von einem Lehrer gemobbt fühlt, antwortete Schülersprecher Lion Rettkowski. „In jeder großen Pause kann man mit jemanden aus der Schülervertretung sprechen!“ Ebenfalls äußerte sich die Schulpflegschaft. Ihre klare Ansage: „Weder Facebook noch Carsten Stahl sind die richtigen Lösungen“ – dafür gab es großen Beifall.

Weder Facebook noch Carsten Stahl sind die richtigen Lösungen.

Schulpflegschaft

Schüler, Eltern und Lehrer nutzten das Forum jedoch auch, um Positives über den Schulalltag zu sagen. Die beiden Schüler Sarina Langhans und Elias Wiebe bewiesen viel Mut, als sie den Moderator darum baten, auf der großen Bühne etwas sagen zu dürfen. Die beiden beschwerten sich im Namen der gesamten neunten Stufe über die negative Publicity. „Wir fühlen uns hier sehr wohl und wollen das auch zeigen. Es wird an jeder Schule gemobbt, natürlich auch an unserer. Aber es wird etwas dagegen getan. Und zu Hause sollten die Eltern damit anfangen“.

Es folgten stehende Ovationen, nicht nur für den Mut auf die Bühne zu gehen, sondern auch für den Inhalt der Rede. Eine Mutter aus dem Publikum brachte es auf den Punkt: „Gerade sind wir Eltern nicht besser als Schulvertreter, denen einige Vorwürfe machen. Im Prinzip wird unsere Schule öffentlich gemobbt. Wir sollten gemeinsam etwas dagegen unternehmen“.

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