Flüchtling wird Kommissar
Syrer geht weiten Weg zum Traumberuf in der neuen Heimat

Kreis War -

Vom Flüchtling zum Kommissaranwärter: diesen Weg schaffte der Syrer Hazem Basha, der jetzt an der Hochschule der Polizei studiert.

Freitag, 27.12.2019, 07:03 Uhr aktualisiert: 27.12.2019, 07:20 Uhr
Seit September ist Hazem Basha Kommissaranwärter bei der Polizei. „Das habe ich auch dem Kommunalen Integrationszentrum (KI) und dem Jobcenter des Kreises Warendorf zu verdanken“, sagt der junge Syrer im Gespräch mit KI-Mitarbeiterin Vivienne Münstermann und Jobcenter-Leiter Dr. Ansgar Seidel.
Seit September ist Hazem Basha Kommissaranwärter bei der Polizei. „Das habe ich auch dem Kommunalen Integrationszentrum (KI) und dem Jobcenter des Kreises Warendorf zu verdanken“, sagt der junge Syrer im Gespräch mit KI-Mitarbeiterin Vivienne Münstermann und Jobcenter-Leiter Dr. Ansgar Seidel. Foto: Kreis Warendorf

Als Hazem Basha 2014 mit seiner Familie aus Syrien nach Everswinkel kam, besuchte er die 8. Klasse der Verbundschule. Doch das änderte sich schnell. „Dieser Schüler gehört aufs Gymnasium“, stellte die Schulleitung mit Blick auf seine syrischen Zeugnisse fest. „Ich wollte weiter mit meinen Freunden zur Schule gehen – aber ich sollte nach Warendorf.“ Doch natürlich nahm der junge Syrer von da an den Schulbus und besuchte das Augustin-Wibbelt-Gymnasium in Warendorf. Er überwand die zunächst sehr hohen Sprachhürden und machte in diesem Jahr das Abitur.

Doch damit endet die Erfolgsgeschichte nicht: Schon vor dem Schulabschluss bewarb Hazem Basha sich bei der Polizei NRW als Kommissaranwärter. Das Auswahlverfahren fand teilweise parallel zu den Abi-Prüfungen statt. Ein Assessment-Center mit Rollenspielen, komplizierte Aufgaben, Computertests, Interviews – und alles am Ende streng nach Punkten ausgewertet. Es gehört viel dazu, sich unter etwa 10 000 Bewerbern durchzusetzen und zu den 2500 Ausgewählten zu gehören. Doch im Juni erhielt der 19-Jährige die Nachricht, dass für ihn im September das Studium in Münster beginnt. „Darüber bin ich sehr froh. Schon als Kind wollte ich Polizist werden.“ Jetzt geht dieser Traum in Erfüllung – wenn auch unter ganz anderen Umständen. „Bis jetzt gefällt es mir sehr gut. Polizei steht hier in Deutschland für den Rechtsstaat – anders als in Syrien.“   

Mir gefällt es hier sehr gut. Polizei steht in Deutschland für Rechtsstaat – anders als in Syrien.

Hazem Basha

Drei Jahre dauert das Bachelor-Studium für den gehobenen Polizeidienst. Die Kommissaranwärter sind während des Studiums Beamte auf Widerruf.

Mit seinen Eltern und zwei jüngeren Brüdern war der junge Syrer aus dem Bürgerkriegsland über den Libanon nach Deutschland gekommen. „Die Truppen waren unserem Wohnort Aleppo immer näher gekommen. Mein Vater hat geweint. Ich habe erst später begriffen, dass das eine Flucht war – und was das bedeutet: Heimweh – und Verwandte und Freunde vielleicht nie wiederzusehen.“

Ausländische Polizisten

In NRW können unter bestimmten Umständen Nicht-EU-Ausländer Polizisten werden – entsprechend des Anteils ihrer Nationalität an der Bevölkerung. Die Bewerber müssen muttersprachliche Kenntnisse, die bei der Polizeiarbeit wertvoll sein können, nachweisen. Zudem müssen die ausländerrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sein.

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Durch das Jobcenter Kreis Warendorf fühlt sich Hazem Basha auf seinem Weg sehr gut gefördert. Schon früh habe man mit ihm über seine beruflichen Perspektiven gesprochen und ihn auch in der Schule unterstützt. „Im Bio-Leistungskurs hatte ich Schwierigkeiten. Das Job-center hat mir einen Nachhilfelehrer bezahlt – und das hat mir fürs Abitur geholfen.“ Trotz der tollen Hilfestellung habe ich natürlich gejubelt, als mein erstes Gehalt auf dem Konto war und ich damit nicht mehr vom Jobcenter abhängig war“, ergänzt er. Auch dessen Leiter Dr. Ansgar Seidel freut sich und weist auf Fördermöglichkeiten hin: „Viele wissen nicht, dass wir Nachhilfeunterricht nicht nur bezahlen, wenn akut eine Fünf auf dem Zeugnis droht, sondern auch, wenn es ihre Perspektiven für den Arbeitsmarkt verbessert.“

„Es war für mich ein weiter Weg zum Abitur in Warendorf und zum Traumberuf. Ohne die Unterstützung durch das Kommunale Integrationszentrum des Kreises hätte es nie geklappt. Bis zum 11. Schuljahr habe ich Mercator-Förderunterricht bekommen, in kleinen Gruppen und zu Beginn sogar Einzelunterricht“, erinnert sich Hazem Basha. „Dazu kam die Hilfe eines ehrenamtlichen Paten, der mir zur Seite stand“, erinnert er sich. Anderen jungen Einwanderern rät der angehende Polizeikommissar: „Man kann hier viel erreichen, wenn man die guten Unterstützungsangebote nutzt und sich auf die Schule konzentriert.“ Neben einem erfolgreichen Studium bei der Polizei hat er ein weiteres Ziel: „Ich möchte gerne Deutscher werden.“

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