Diskussion über Fachkräftemangel
Unternehmen fehlt „neue Denke“

Oelde -

Klagen, dass die Jugend nicht ausbildungsreif ist, helfen nicht weiter. Vor allem die Firmen müssen sich neu orientieren, fordert Albrecht Pförtner, Wirtschaftsförderer aus dem Kreis Steinfurt.

Samstag, 25.01.2020, 10:03 Uhr aktualisiert: 27.01.2020, 13:50 Uhr
Albrecht Pförtner (r., Geschäftsführer der „pro Wirtschaft GT“ GmbH des Kreises Gütersloh: „Ich freue mich über jeden Gas- und Wasserinstallateur, der nach Deutschland kommt – egal, wie umfangreich wir ihn nachqualifizieren müssen.“ Das Bild zeigt ferner (v. l.) Moderator Ralf Bosse und Dr. Günter Krings (MdB und Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium)
Albrecht Pförtner (r., Geschäftsführer der „pro Wirtschaft GT“ GmbH des Kreises Gütersloh: „Ich freue mich über jeden Gas- und Wasserinstallateur, der nach Deutschland kommt – egal, wie umfangreich wir ihn nachqualifizieren müssen.“ Das Bild zeigt ferner (v. l.) Moderator Ralf Bosse und Dr. Günter Krings (MdB und Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium) Foto: Beate Kopmann

Leicht genervt reagierte Albrecht Pförtner bei der Diskussion über den Fachkräftemangel. Die Jugendlichen zu schelten, weil sie angeblich nicht ausbildungsreif sind, helfe niemandem weiter, betonte der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Gütersloh.

Vertreter aus Politik und Wirtschaft diskutierten in der Pott‘s Brauerei auf Einladung der MIT-Kreisverbände Warendorf und Gütersloh über das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das im März in Kraft treten soll.

„Die Kids sind in der Regel gut drauf. Sie können vielleicht keinen Dreisatz mehr, aber sie können andere Dinge, die wir früher nicht beherrscht haben.“ Leider hätten das viele Unternehmen nicht kapiert, kritisierte Pförtner. „Die Firmen müssen sich darauf einstellen, dass sie sich bei den Jugendlichen bewerben müssen und nicht umgekehrt.“

Die Digitalisierung im Kreis Gütersloh scheitert im Moment daran, dass wir keine Elektriker finden.

Albrecht Pförtner

Grundsätzlich käme der Arbeitsmarkt in Deutschland ohne Unterstützung aus dem Ausland nicht klar. Denn nicht nur in der Pflege zeichneten sich dramatische Engpässe ab. „Die Digitalisierung im Kreis Gütersloh scheitert im Moment daran, dass wir keine Elektriker finden“, sagte Pförtner.

Einig waren sich alle Diskussionsteilnehmer, dass das Fachkräfteeinwanderungsgesetz die Situation verbessern wird. „Allerdings nicht im Handwerk“, schränkte Maurermeister Ralf Büscher aus Oelde ein.

Auch Dr. Günter Krings , Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium, betonte, dass die Unternehmen eine „neue Denke“ brauchten. Krings machte aber auch deutlich, dass die Anwerbung von Arbeitskräften aus Ländern außerhalb der EU nur die dritte Säule sei, die Entlastung auf dem Arbeitsmarkt schaffen werde. „Wir müssen vor allem auf das Potenzial im Inland setzen“, so Krings. „Mehr als fünf Millionen Menschen in Deutschland suchen Arbeit oder würden gerne mehr arbeiten.“ Das sei die erste Säule, bei der man ansetzen sollte – die zweite Säule sei die Anwerbung von Arbeitskräften aus EU-Ländern und erst an dritter Stelle stehe die Suche von Fachkräften in Ländern außerhalb der EU.

„Viele Migranten arbeiten außerdem unterhalb ihrer Qualifikation. Hier müssen wir nachbessern“, so Krings, der die Vereinfachung von Verfahren forderte. Ferner fehlten Strukturen, um die Fachkräfte im Ausland und deutsche Unternehmen zusammenbringen.

Heinz-Josef Westbomke, ehemaliger Ausbildungsleiter bei GEA, wies darauf hin, dass Oelder Betriebe gute Erfahrungen mit Azubis aus dem Kosovo gemacht haben. Das Projekt sei aber kein Selbstläufer – andererseits hätten nämlich Jugendliche aus Spanien ihre Ausbildung in Deutschland abgebrochen. Unternehmen und Gesellschaft müssten sich daher für Integration stark machen. Schließlich dürften die Fehler der 60-er-Jahre im Umgang mit Gastarbeitern sich nicht wiederholen.

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