Junge Union zeigt Faible für klare Positionen
„Wir brauchen mehr Polarisierung“

Kreis Warendorf -

Der JU-Kreisvorsitzende Frederik Büscher macht sich im Interview für Friedrich Merz als neuen Parteivorsitzenden stark. Weil dieser Klartext spricht. Klare Worte findet auch Büscher zum Zustand der Bundespartei.

Freitag, 28.02.2020, 06:00 Uhr
JU-Kreisvorsitzender Frederik Büscher:
JU-Kreisvorsitzender Frederik Büscher: Foto: Beate Kopmann

Die Junge Union im Kreis Warendorf ist konservativer als weite Teile der CDU . Der Kreisvorsitzende Frederik Büscher führt das darauf zurück, dass junge Leute einen Faible für klare Positionen haben. Mit Büscher sprach Redakteurin Beate Kopmann.

 

Wir erleben spannende Zeiten in der CDU. Drei Männer konkurrieren um den Parteivorsitz. Wer ist Ihr Favorit?

 

Büscher: Die klaren Worte von Friedrich Merz sprechen mich an. Deswegen habe ich für Merz eine größere Präferenz. Und ich gehe davon aus, dass ein großer Teil unserer 500 Mitglieder im Kreis das ähnlich sieht. Aber ich könnte mit dem Duo Laschet-Spahn ebenfalls gut leben. Laschet hat in NRW gezeigt, dass er die Flügel der Partei vereinen kann. Dort sind sowohl Herbert Reul als auch Karl-Josef Laumann im Kabinett. Diese Breite der Partei in der Regierung abzubilden – genau das hat im Bund gefehlt.

Immer wieder heißt es, die CDU sei zu weit nach links gerutscht. Teilen Sie diese Einschätzung?

 

Büscher: Ja, wir haben nicht klar genug kommuniziert, wofür wir stehen und wichtige Positionen aufgegeben. Es war ein Fehler, den Mindestlohn als Erfolg der Union zu verkaufen. Auch bei der Grundrente hatten wir im Koalitionsvertrag andere Absprachen. Diese wurden für den Koalitionsfrieden preisgegeben. Wir hatten vorher gesagt, dass wir Spekulanten besteuern wollen – und jetzt besteuern wir den kleinen Sparer. Das ist das Gegenteil von dem, was wir wollten. Aber mir geht es noch um einen anderen Aspekt. Wenn die Polarisierung nicht mehr zwischen SPD und CDU stattfindet, stärken wir die Ränder. Nur so konnte die AfD an Einfluss gewinnen. Deswegen: Wir brauchen mehr Polarisierung und in der Groko muss klar sein, welche Partei für was steht.

Sie haben gesagt, die CDU habe wichtige Positionen aufgegeben. Welche?

 

Büscher: Wir haben ex­trem hohe Steuersätze und müssten mehr für Steuergerechtigkeit tun; ferner die Wirtschaft stärken – etwa durch Unterstützung von Start-up-Unternehmen. Auch die Abschaffung der Wehrpflicht war ein Fehler. Die Bundeswehr muss wieder gestärkt werden.

Sie haben gefordert, dass die Kreispartei weg vom Delegiertensystem kommt. Was ist daraus geworden?

 

Büscher: Ich hoffe, dass das schon bei der Kandidatenaufstellung für den Bundestag im nächsten Jahr greifen wird. Auch bei den Wahlen von Landtag, Kreistag und Landrat sollten die Parteimitglieder direkt entscheiden können. Nur bei den Kreisparteitagen wollen wir am Delegiertensystem festhalten. Diese Parteitage finden relativ oft statt. Das ist sonst schwer zu planen, weil man nie weiß, wie viele Mitglieder kommen. Ich erhoffe mir, dass wir durch diese direkte Form von Demokratie auch wieder mehr Leute mobilisieren können.

500 Mitglieder sind aber kein schlechter Wert.

 

Büscher: Stimmt, zumal die Tendenz stark steigend ist. Junge Menschen spricht an, dass wir einen Faible für klare Positionen haben. Wir wollen die Konfrontation und uns nicht anpassen. Insofern sehen wir uns als Stachel im Fleisch der CDU.

Sie selbst sind inzwischen auch stellvertretender CDU-Kreisvorsitzender. Die JU will ferner in mehr Räten mitarbeiten. Wo geschieht das bereits?

 

Büscher: Mir ist die Kommunalpolitik und die Mitarbeit junger Menschen in den Räten besonders wichtig. Mit zwei weiteren JU-Kollegen bin ich im Stadtrat von Warendorf. Weiterhin sind in Oelde, Telgte und Sassenberg aktuell schon junge CDUler aktiv. Das werden wir im Herbst noch ausweiten. Mehr Einfluss als auf die Entscheidungen in den Städten und Gemeinden haben wir als Kreisverband allerdings auf Kreisebene. Ich halte es für junge Menschen besonders schwierig, dass die Sitzungen des Kreistags vormittags stattfinden. Wir fordern daher eine Verschiebung in den frühen Abend..

 

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