Lesereise mit Timo Schüsseler zur Prävention
Wenn das gute Gefühl süchtig macht

Kreis Warendorf -

„Ich bin süchtig nach dem guten Gefühl, der Stoff ist komplett austauschbar.“ So erklärt Timo Schüsseler seinen Weg in die Sucht.

Dienstag, 10.03.2020, 17:59 Uhr aktualisiert: 11.03.2020, 12:36 Uhr
Hoffen auf einen nachhaltigen Eindruck der Suchtprävention: Ariane Schulze Bövingloh, Schulsozialarbeiter Ole Wrzesinski, Timo Schüsseler, Andreas Wienker (Sparkasse), und Manfred Gesch.
Hoffen auf einen nachhaltigen Eindruck der Suchtprävention: Ariane Schulze Bövingloh, Schulsozialarbeiter Ole Wrzesinski, Timo Schüsseler, Andreas Wienker (Sparkasse), und Manfred Gesch. Foto: Ulrike von Brevern

Die Mine wie versteinert, in der Tonlage kaum Varianz; Timo Schüsseler braucht keinen theatralischen Auftritt, um die Jahrgangsstufe elf der Warendorfer Gesamtschule betroffen zu machen. Die Geschichte seines Lebens reicht. Im Rahmen einer „Lesereise“ tourt der trockene Alkoholiker und Buchautor gemeinsam mit Manfred Gesch von der Fachstelle Suchtvorbeugung des Arbeitskreises Jugend und Drogenberatung Drobs, durch den Kreis. Warendorf bildete den Auftakt.

„Sucht hat ungefähr zu fünf Prozent mit Denken zu tun. Der Rest ist Gefühl.“ Oder: „Wer sich nicht weiterentwickelt, der bleibt zurück.“ Solche Sätze sind es, die hängen bleiben. Aber auch „Mir passiert das nicht, ich bin ja schlau.“ Immer wieder. Bis er schließlich erkennen muss: „Ich war nicht mehr der König der Welt.“

Timo Schüsseler ist kein Dummer, kein Assi, von dem man sich abwendet. Er hat eine Karriere als Pflegekraft und OP-Assistent hinter sich, ehe ihn die Sucht nach Alkohol gründlich in die Knie zwingt. Die körperlichen Folgen machen ihn zum Rentner. Er ist 43 Jahre und „Alles was Spaß macht, ist für mich schwierig.“ Denn, so ist er sich sicher: „Ich bin süchtig nach dem guten Gefühl, der Stoff ist komplett austauschbar.“

Genau diese Erkenntnis will er bei den Schülern rüberbringen. Ob Alkohol, Cannabis, Essstörung, Smartphone oder Gaming. Alles kann zur Sucht werden. „Die Frage ist nicht wie viel oder was, viel wichtiger ist die Frage: Warum?“

Acht Stationen, vornehmlich in Schulen stehen auf dem Tourplan der Lesereise, die von der Sparkasse Münsterland Ost finanziell unterstützt wird. Dafür ist Gesch dankbar, denn Mittel für Präventionsprojekte wie dieses stünden im Haushalt der Drobs nicht zur Verfügung. Zum Konzept gehört, den Schülern die Arbeit von Drogenberatungsstellen kurz zu erläutern. Gesch betont die Anonymität und stellt das Hilfsangebot „Realize it“ vor, ein Programm mit dem Gefährdete ihre Sucht über zwölf Wochen selbst beobachten. Dritte Säule der Lesereise ist für die Schüler die Selbsterkenntnis, dass Sucht viel früher beginnen kann, als gedacht, und was das Thema eigentlich mit ihnen ganz persönlich zu tun hat. Das alles in 90 Minuten. Das überfordere nicht, und sei nicht zu lang ausgedehnt, sagt Gesch. „Ich glaube, da bleibt was hängen.“

Bei der Gesamtschule Warendorf gehört Suchtprävention wie bei den meisten Schulen in verschiedenen Jahrgangsstufen zum Standardprogramm. Doch Oberstufenleiterin Ariane Schulze Bövingloh hofft gerade in der Oberstufe noch einmal auf einen nachhaltigen Eindruck. Es kämen große Herausforderungen auf die jungen Erwachsenen zu. „Als Gesamtschule nehmen wir die Aufgabe besonders ernst, unsere Schüler auch in dieser Hinsicht vorzubereiten“, hält sie fest.

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