Kreis schließt Schulen und Museen – Kreistag abgesagt
Corona-Abstrichstelle in Beckum

Kreis Warendorf -

Am Freitagvormittag wurden insgesamt 27 bestätigte Coronavirus-Fälle im Kreis Warendorf gemeldet. Alle Infizierten sind in häuslicher Quarantäne. Am Samstag wird eine Corona-Abstrichstelle in Beckum eingerichtet. Auch in vielen anderen Bereichen trifft der Kreis Vorsorge. Das öffentliche Leben kommt dabei allerdings fast zum Erliegen.

Freitag, 13.03.2020, 18:48 Uhr
Ab Samstag wird eine Corona-Abstrichstelle vor einem Nebengebäude des Berufskollegs Beckum eingerichtet. Um dort einen Abstrich entnehmen lassen zu können, braucht man aber eine ärztliche Indikation.
Ab Samstag wird eine Corona-Abstrichstelle vor einem Nebengebäude des Berufskollegs Beckum eingerichtet. Um dort einen Abstrich entnehmen lassen zu können, braucht man aber eine ärztliche Indikation. Foto: Kreis Warendorf

„Zeit gewinnen ist jetzt das Wichtigste“, sagte Landrat Dr. Olaf Gericke im Kreisausschuss. Schließlich gelte es, parallel zur Corona-Krise auch noch die Grippewelle in den Griff zu kriegen.

Die Zahl der Coronavirus-Fälle ist am Freitagnachmittag auf 27 angestiegen. Am Vortag waren noch elf Fälle gemeldet. Die meisten der neu Erkrankten waren aus Italien- beziehungsweise Südtirol-Urlauben zurückgekommen. Sie wurden positiv getestet, nachdem sie Symptome aufwiesen. Die Infizierten kommen aus Sendenhorst (5), Warendorf und Wadersloh (jeweils 3), Beckum und Oelde (je 2) sowie aus Beelen und Everswinkel (je 1). Die Betroffenen sind zum größten Teil nur leicht erkrankt und ebenso wie die Kontaktpersonen in häuslicher Quarantäne. Einer der am Donnerstag gemeldeten Fälle aus Ahlen hat sich nicht bestätigt, so dass die Zahl der Infizierten aus Ahlen weiter bei vier liegt.

Öffentliches Leben kommt zum Erliegen

„Das öffentliche Leben wird zum Erliegen kommen“, prognostizierte Gericke. Der Kreisausschuss ging mit gutem Beispiel voran und sagte die für nächste Woche geplante Sitzung des Kreistages ab. Wichtige Entscheidungen – etwa über die Freigabe von Geldern – wurden vorgezogen und im Kreisausschuss getroffen. Anfang nächster Woche wollen sich die Bürgermeister mit dem Kreis abstimmen, ob alle öffentlichen Veranstaltungen abgesagt werden. Einige Kommunen – etwa Ahlen, Beckum und Oelde – sind diesen Schritt schon gegangen. Der Schutz der Gesundheit habe jedenfalls absoluten Vorrang, so Gericke.

Krisenstab früh eingerichtet

Ordnungsdezernentin Petra Schreier , die den Krisenstab beim Kreis leitet, informierte, dass man bereits am 7. Februar eine Gruppe bei der Kreisverwaltung eingerichtet habe, die sich mit der Gefahr durch das Coronavirus beschäftigt. „Wir hatten längst einen Krisenstab, bevor es einen Corona-Fall im Kreis Warendorf gab.“

Dr. Wolfgang Hückelheim:„Es gibt keinen Abstrich-Notfall. Im Gegenteil: Der Abstrich macht nur Sinn, wenn jemand schon schwere Krankheitssymptome hat. Wird der Abstrich zu früh entnommen, sagt der Test nichts aus.“

Dr. Wolfgang Hückelheim:„Es gibt keinen Abstrich-Notfall. Im Gegenteil: Der Abstrich macht nur Sinn, wenn jemand schon schwere Krankheitssymptome hat. Wird der Abstrich zu früh entnommen, sagt der Test nichts aus.“

Das ist keine Anlaufstelle für jedermann. Voraussetzung ist eine Indikation durch den Hausarzt.

Dr. Wolfgang Hückelheim

Im Moment gehe es darum, Ärzte und Krankenhäuser zu entlasten. Deshalb wird Samstag eine Corona-Abstrichstelle vor einem Nebengebäude des Berufskollegs in Beckum eingerichtet. In Kooperation mit der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe werden dort pensionierte Ärzte tätig sein, um Abstriche zu nehmen. „Das ist aber keine Anlaufstelle für jedermann. Voraussetzung ist die Indikation durch den Hausarzt“, betonte Dr. Wolfgang Hückelheim, Leiter des Kreisgesundheitsamtes. Zusätzlich hat der Kreis ein mobiles Abstrichteam eingerichtet, dass in Notfällen rausfährt.

Im Gebäude neben der Corona-Abstrichstelle werden außerdem Quarantänebetten aufgestellt – beispielsweise zur Betreuung von Alleinstehenden, die gebrechlich sind und nicht alleine in häuslicher Quarantäne bleiben können.

Entlastung von Ärzten und Krankenhäusern

Wie viele Intensivbetten im Kreis zur Verfügung stehen, konnte Petra Schreier nicht sagen. Eine entsprechende Anfrage laufe noch. Bislang verliefen die Infektionen harmlos. Sollte sich das ändern und viele Intensivbetten benötigt werden, sei die Kooperation im Regierungsbezirk notwendig.

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