Kreishandwerkerschaft vermisst Regelungen
Gesellenprüfung in Corona-Zeiten – eine Herausforderung

Kreis Warendorf -

Wenn für Lehrlinge die Gesellenprüfung ansteht, ist das ein aufregender Moment. In diesen Krisen-Tagen ist das noch aufregender: Viele Kurse, die Bestandteil der Prüfung sind, werden wegen des Corona-Virus zurzeit gar nicht angeboten. Und jetzt?

Dienstag, 21.04.2020, 07:09 Uhr aktualisiert: 21.04.2020, 07:46 Uhr
Wie die angehenden Anlagenmechaniker im SHK-Handwerk müssen die Auszubildenden verschiedene praktische Lehrgänge absolvieren, um an der Gesellenprüfung teilzunehmen zu dürfen. Doch noch ruht der Lehrgangsbetrieb bei der Kreishandwerkerschaft.
Wie die angehenden Anlagenmechaniker im SHK-Handwerk müssen die Auszubildenden verschiedene praktische Lehrgänge absolvieren, um an der Gesellenprüfung teilzunehmen zu dürfen. Doch noch ruht der Lehrgangsbetrieb bei der Kreishandwerkerschaft. Foto: Katharina Tenberge

Der Schulbetrieb nimmt so langsam wieder Fahrt auf – zumindest für die Schülerinnen und Schüler der Abiturjahrgänge und der 10. Klassen, die zentrale Prüfungen ablegen sollen. Doch kaum oder gar nicht wird von den Auszubildenden in den Handwerksunternehmen gesprochen, für die im Juni zum Abschluss der Lehre die Gesellenprüfungen anstehen.

„Hier ist weder der Berufsschulunterricht noch das Verfahren der eigentlichen Abschlussprüfung bislang geregelt“, bemängelt Frank Tischner , Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf. „Die Krux dabei ist, dass Auszubildende eben keine Schüler sind, sondern in der dualen Berufsausbildung zwei Lernorte haben: den Betrieb und die Berufsschule. Und so besteht die Gesellenprüfung auch aus einem theoretischen und einem praktischen Prüfungsteil, die beide abgelegt und bestanden werden müssen, damit die Berufsausbildung erfolg-reich abgeschlossen werden kann“, erläutert Tischner.

Verbindliche Lehrgänge

Bei der Handwerksausbildung kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu. Zu Ergänzung der betrieblichen Ausbildung gibt es hier nämlich noch die „Überbetrieblichen Lehrlingsunterweisungen“ (ÜLU), die für eine Vielzahl von Handwerksberufen in den Bildungscentern der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf in Beckum und Rheine angeboten werden.

Diese Lehrgänge seien für die Berufsausbildung verbindlich vorgeschrieben, informiert die Kreishandwerkerschaft. Zur Gesellenprüfung werde nur zugelassen, wer nachweisen könne, dass alle Lehrgänge besucht wurden.

„Nur ruht bei uns der komplette Lehrgangsbetrieb seit dem 16. März und von der Landesregierung gibt es derzeit trotz Intervention durch die Handwerksorganisationen noch keine klare Aussage, wie es weitergehen wird“, bedauert der KH-Hauptgeschäftsführer die Ungewissheit, mit der die Auszubildenden, die Ausbildungsbetriebe und auch die Kreishandwerkerschaft immer noch leben müssen.

Gewissheit bekommen

Sowohl bei den ÜLU-Lehrgängen wie auch bei den Prüfungen sei die Kreishandwerkerschaft in engen Kontakt mit den Berufsschulen und habe bereits Pläne auf dem Tisch, wie man die Ausbildung und Prüfungen in Zeiten von Corona unter Beachtung hoher Hygiene- und Sicherheitsstandards realisieren kann. Dabei werde man, so Tischner, flexibel und kreativ handeln. Er hofft, dass auch die anderen an der Berufsausbildung Beteiligten in diesen besonderen Zeiten mitziehen werden.

Er verspricht: „Sobald wir von Düsseldorf eine verbindliche Richtlinie haben, werden wir die Ausbildungsbetriebe und die Auszubildenden informieren, denn nicht nur Schüler, sondern auch Lehrlinge sollten Gewissheit bekommen, wann und wie es mit der Ausbildung und den Prüfungen weitergeht.“

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