Massive Folgen für den Kreis Warendorf
Landrat wegen Corona-Ausbruchs richtig sauer auf Tönnies

Kreis Warendorf -

Der Tönnies-Fall macht alles zunichte. Bislang war der Kreis Warendorf gut durch die Corona-Krise gekommen. Jetzt zählt er zum größten Corona-Hotspot in ganz Europa.

Freitag, 19.06.2020, 14:36 Uhr aktualisiert: 19.06.2020, 15:13 Uhr
In der Sporthalle de ehemaligen Augustin-Wibbelt-Gymnasiums in Warendorf tagte am Freitag der Kreistag.
In der Sporthalle de ehemaligen Augustin-Wibbelt-Gymnasiums in Warendorf tagte am Freitag der Kreistag. Foto: Beate Kopmann

„Wir werden alles unternehmen, um einen Lockdown zu verhindern“, sicherte Landrat Dr. Olaf Gericke dem Kreistag zu. Dabei machte er keinen Hehl daraus, dass er richtig sauer auf das Unternehmen Tönnies ist.

Schließlich treffen Hunderte von Corona-Fällen im Fleisch-Konzern in Rheda-Wiedenbrück den Kreis Warendorf massiv. „Bis gestern Abend hatten wir nicht einmal Listen, wo die Tönnies-Mitarbeiter bei uns im Kreis überhaupt wohnen.“ Inzwischen sei immerhin klar, dass die meisten in Oelde leben. „Wir müssen schnellstens diese Listen überprüfen, die teilweise nicht aktuell sind“, so Gericke. Sollte die Lage sich weiter zuspitzen, werde er zusätzliches Personal beim Land beantragen. Denn jetzt gelte es, die Kontakte der infizierten Tönnies-Mitarbeiter schnellstmöglich nachzuverfolgen.

Zusätzliches Personal beantragen

Auch für die Polizei wird voraussichtlich zusätzliches Personal angefordert. „Wir müssen ja überwachen, dass die Quarantäne-Auflagen auch eingehalten werden. Mit unserem eigenem Personal ist das nicht zu leisten.“

Sozialdezernentin Brigitte Klausmeier informierte den Kreistag, dass auch alle Kontaktpersonen getestet würden. Die Kosten dafür übernehmen die Krankenkassen. „Finanziell geht das also nicht auf Kosten des Kreises, personell natürlich schon.“

Alles, was der Fahrlässigkeit von Tönnies zugeordnet werden kann, soll auch von dort bezahlt werden.

Markus Diekhoff

Markus Diekhoff (FDP) schlussfolgerte: „Alles, was der Fahrlässigkeit von Tönnies zugeordnet werden kann, soll auch von dort bezahlt werden.“ Unter anderem kann der Kreis Warendorf jetzt nicht – wie geplant – Testungen bei den Werkstatt-Beschäftigten durchführen, weil man sich auf die Mitarbeiter von Tönnies und anderer Fleisch-verarbeitender Unternehmen konzentrieren muss.

Größter Corona-Hotspot in ganz Europa

Landrat Gericke hob hervor, dass die Bevölkerung im Kreis Warendorf sich in der Corona-Krise vorbildlich verhalten habe. „Deswegen ist es umso ärgerlicher, dass wir jetzt zum größten Corona-Hotspot in ganz Europa zählen.“

Valeska Grap von den Grünen kritisierte die „Verantwortungslosigkeit von Tönnies“. Die Informationen über den Corona-Ausbruch seien verschleppt worden. „Auch die „unhaltbaren Arbeitsbedingungen“ des Unternehmens waren Thema. Guido Gutsche (CDU) sprach von „Sklavenlöhnen“. Allerdings sah Diekhoff (FDP) einen Zusammenhang mit den vielen Auflagen für die Fleischindustrie, die „auch ein Ergebnis grüner Politik“ seien.

 Von reiner „Panikmache“ in Sachen Corona ist Dr. Christian Blex überzeugt. „Das ist kein Todesvirus, aber Ihre Politik hat die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt.“ Landrat Dr. Olaf Gericke konterte: „Ihr größtes Trauma ist, dass Sie in der Krise jetzt nicht mehr wahrgenommen werden.“ Und an Blex persönlich richtet Gericke den Appell, nicht so bevormundend aufzutreten. Offensichtlich hat der Landrat in der Corona-Krise die Unterstützung des Kreistages. Dorothea Nienkemper (FWG) forderte, ein Zeichen zu setzen – worauf sich die Mitglieder der anderen Fraktionen erhoben und symbolisch ihren Mundschutz aufsetzten.

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 Bereits am Mittwoch hatte die Stadt Oelde Schulen und Kitas vorsorglich geschlossen. Am Montag soll der Betrieb wieder aufgenommen werden. Laut Mitteilung der Stadt liegen jetzt Informationen zu rund 40 Tönnies-Mitarbeitern vor, die in Oelde wohnen. Die Kinder dieser Familien sollen vom Schul- und Kitabesuch ab Montag befreit werden.

Auch die Kassenärztliche Vereinigung reagierte prompt. „Wir reaktivieren am Samstag das Corona-Behandlungszentrum in Warendorf“, sagte Dr. Hendrik Oem. Allerdings dürfen hier nur Patienten vorstellig werden, die bereits Symptome haben.

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