Entwarnung nach Kontrolle
Tönnies-Arbeiter doch nicht verschwunden

Beckum -

Rund 20 unter Quarantäne stehende Tönnies-Mitarbeiter sollten aus einer Unterkunft in Beckum verschwunden sein, hieß es zunächst. Die Polizei hatte später aber in eben dieser Unterkunft doch 22 Bewohner angetroffen. Nach Kontrollen am Freitagnachmittag gab es aber schließlich Entwarnung.

Freitag, 26.06.2020, 17:00 Uhr aktualisiert: 26.06.2020, 18:27 Uhr
Entwarnung nach Kontrolle: Tönnies-Arbeiter doch nicht verschwunden
Foto: dpa

Erst Verwirrung und schließlich Entwarnung um rund 20 angeblich verschwundene Tönnies-Mitarbeiter in Beckum (Kreis Warendorf). Medienberichten zufolge waren die Bewohner eines Gebäudes an der Wilhelmstraße, in dem Mitarbeiter des Schlachtbetriebs untergebracht sind, am Donnerstagmorgen trotz verhängter Quarantäne nicht anzutreffen. Später am Donnerstag meldete dagegen die Polizei, dass in besagtem Gebäude doch rund 20 Personen anwesend seien und es von geplanten Auszügen keine Spur gebe.

Am Freitagnachmittag schließlich die Bestätigung: Bei einer neuerlichen Kontrolle von Stadt und Polizei, die endgültig Klarheit bringen sollte, waren wieder 20 Personen angetroffen worden. Davon standen 17 auch auf den Mitarbeiterlisten, die das Unternehmen Tönnies und ein Subunternehmer eingereicht hatte.

„Wir können also davon ausgehen, dass die Leute, die wir angetroffen haben, auch die sind, die dort hingehören. Das ist zunächst mal eine gute Nachricht“, sagte Beckums Bürgermeister, Dr. Karl-Uwe Strothmann ( CDU ). Dass es immer noch Differenzen zwischen den von Tönnies gemeldeten Personen und den tatsächlichen Bewohnern gibt, liegt laut Strothmann an den zum Teil veralteten Listen des Unternehmens, die schon mehrfach kritisiert wurden. „Teilweise stehen da Personen drauf, die schon längst weg sind, auch schon ein halbes Jahr.“

Lage zunächst unklar

Nach jetzigem Stand sieht es also nicht danach aus, als habe eine größere Zahl an unter Quarantäne stehenden Mitarbeitern das Haus fluchtartig verlassen. Das war zunächst befürchtet worden. Nachbarn hatten der Verwaltung nämlich rege Abreisetätigkeit gemeldet. Ein Verdacht, der sich bei der ersten Inaugenscheinnahme durch die Stadt am Donnerstag zu bestätigen schien. Strothmanns Allgemeine Vertreterin hatte das Gebäude aufgesucht, aber ohne Unterstützung und Schutzausrüstung natürlich nicht betreten. „Sie hat außer Gärtnern und Reinigungskräften niemanden angetroffen. Jedenfalls niemanden, der da wohnt. Deshalb lag zunächst die Vermutung nahe, dass an den Berichten von Anwohnern etwas dran ist“, sagte Strothmann. Auch durch die Fenster sei niemand zu sehen gewesen.

Ein paar Stunden später hatte dann die Polizei gemeldet, dass sie 20 Personen angetroffen habe. „Das hat uns schon sehr überrascht“, gestand Beckums Bürgermeister. Ein Abgleich mit den Meldelisten war bei dieser Kontrolle aber noch nicht erfolgt, weshalb am Freitag endgültig Klarheit geschaffen werden sollte – und zwar in allen 39 Unterkünften in Beckum, in denen Mitarbeiter des Unternehmens Tönnies wohnen.

Überprüfung der Wohnungen

Fünf Teams mit jeweils drei Polizisten und einem Beschäftigten der Stadt überprüften die Wohnungen und glichen die von den Subunternehmern und Tönnies übermittelten Listen mit den tatsächlich vorgefundenen Personen ab. „Eine erste Bilanz zeigt, dass die Listen weiterhin nur in Teilen mit den Tatsachen übereinstimmen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt von Freitagnachmittag.

Immerhin: Die Situation an der Wilhelmstraße hat sich wohl aufgeklärt. „Und ich bin zuversichtlich, dass wir nun eine verlässlichere Grundlage an Daten für weitere Kontrollen haben“, so Strothmann. Auch die vermeintlich beobachtete Abreisetätigkeit hat sich geklärt. „Der Verwalter des Gebäudes hat uns bestätigt, dass die Bullis, die sonst an dieser Stelle parken, umgesetzt wurden, weil sie dort ja zurzeit nicht gebraucht werden“, sagt Beckums Bürgermeister.

Versorgung gesichert

Bei den Kontrollen am Freitag war außerdem abgefragt worden, ob den unter Quarantäne stehenden Bewohnern Versorgungsgüter fehlen. Denn auch bei der zugesagten Versorgung hat es offenbar Probleme gegeben. „Zunächst hat das geklappt. Probleme gab es, als die dafür vorgesehenen Fahrer des Unternehmens in Quarantäne gestellt wurden. Wir haben nun aber für negativ getestete Fahrer eine Ausnahmegenehmigung erteilt“, sagte Strothmann bereits am Freitagmittag.

Bei den bis dahin besuchten Unterkünften habe es allerdings nur sehr wenige, nämlich fünf oder sechs, Anfragen gegeben. „Alle anderen Bewohner waren offenbar versorgt“, so der Beckumer Bürgermeister.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7469179?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F1808486%2F
Nachrichten-Ticker