Kevin Kühnert in Neubeckum
Das Aufstiegsversprechen erneuern

Neubeckum -

Kevin Kühnert beim Wahlkampf in Neubeckum: Der Bundesvorsitzende der Jusos sorgt sich um die Demokratie und mahnt die Genossen, die SPD müsse das alte Aufstiegsversprechen erneuern.

Sonntag, 09.08.2020, 17:42 Uhr
Kevin
Kevin Foto: Beate Kopmann

„Die SPD steht nicht im Schatten“, sagte Ralf Högemann, SPD-Ortsvorsitzender in Neubeckum. Etliche Besucher, die gekommen waren, um Kevin Kühnert zu hören, waren allerdings wohl froh, dass es auf dem Marktplatz genau das gab: Plätze im Schatten.

Der Bundesvorsitzende der Jusos betonte, es sei wichtig jetzt festzuhalten, was aus der Corona-Zeit zu lernen sei. „Vorsorge ist besser als Nachsorge“, lautet sein Fazit. Denn acht Milliarden Euro habe der Bund ausgeben müssen, nur um Schutzkleidung und medizinische Artikel zu kaufen – einfach, weil man nicht auf eine Pandemie vorbereitet war.

Stellten sich der Diskussion (v. l.): SPD-Landratskandidat Dennis Kocker, Bürgermeisterkandidat Michael Gerdhenrich (parteilos) und der SPD-Kreisvorsitzende Bernhard Daldrup (MdB).

Stellten sich der Diskussion (v. l.): SPD-Landratskandidat Dennis Kocker, Bürgermeisterkandidat Michael Gerdhenrich (parteilos) und der SPD-Kreisvorsitzende Bernhard Daldrup (MdB).

Dies komme die Bürger teuer zu stehen und wiederhole sich leider in anderen Bereichen, etwa in der Wohnungsbaupolitik. Viele Wohnung seien aus der öffentlichen Förderung herausgefallen. Die Folgen: enorm steigende Mietpreise. Und das vor allem, weil die Kommunen damals eine schnelle Mark machen wollten.

Mit Blick auf Menschen, die bei der Demo in Berlin gegen Corona-Schutzmaßnahmen protestiert hatten, sage Kühnert: „Widerspruch ist total in Ordnung. Aber wir müssen uns fragen, wo die Skepsis dieser Menschen herkommt und wie wir viele für die Demokratie zurückgewinnen können.“ Die – auch mediale – Aufmerksamkeit sollte dabei nicht denen gehören, die mit immer verwirrteren Thesen von sich reden machten, sondern „den Menschen, die auf dem Zahnfleisch gehen“.

Wir müssen uns fragen, wie wir diese Menschen für die Demokratie zurückgewinnen können.

Kevin Kühnert

Schließlich sie die SPD sei angetreten, um ein altes Aufstiegsversprechen umzusetzen: dass Kinder und Enkelkinder es einmal besser haben sollen. „Deswegen ist nach 16 Jahren nun auch ein Farbtapetenwechsel im Bundeskanzleramt notwendig“, unterstrich der bekennende GroKo-Kritiker. Es gelte, das alte Aufstiegsversprechen der SPD zu erneuern. Gleichzeitig müsse man Populisten die Stirn bieten, die einfache und falsche Gleichungen aufstellten wie: „Unser Schwimmbad wird geschlossen, das Geld geht stattdessen an die Flüchtlinge.“

SPD-Landratskandidat Dennis Kocker nutzte die Veranstaltung, um ebenfalls auf die Coronakrise einzugehen. Dass der amtierende Landrat behaupte „CDU kann Pandemie“ sei schlicht eine Unverschämtheit, so Kocker. „Zunächst hatten wir ja den Lockdown bei Westfleisch im Kreis Coesfeld. Da muss man sich schon fragen, was von April bis Juni passiert ist. Die Unterkünfte von Mitarbeitern der Fleisch-Industrie wurden jedenfalls nicht kontrolliert.“

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