Fragebogen
Interview mit Dennis Kocker

Herausforderer Dennis Kocker ist SPD-Mitglied. Er kann zusätzlich auf die Unterstützung von Grünen und Linken zählen.

Samstag, 29.08.2020, 08:00 Uhr
Fragebogen: Interview mit Dennis Kocker
Dennis Kocker Foto: SPD

Für ein Drittel aller Beschäftigten im Kreis Warendorf wurde Kurzarbeit angemeldet. Was wollen Sie als Landrat tun, um einer schweren Wirtschaftskrise entgegenzuwirken?

Als Kreis müssen wir mit unseren Mitteln schnell und unkompliziert helfen. Das gilt insbesondere für eine Unterstützung durch das Jobcenter und das Sozialamt. Aber auch durch die Wirtschaftsförderung des Kreises. Unnötige Bürokratie gehört verhindert. Schnelle Hilfen, kurze Wege und direkte Ansprechpartner – das gilt es jetzt umzusetzen.

Der Kreis Warendorf ist Maschinenbau-Standort. Viele heimische Unternehmen sind exportorientiert. Mit welchen Folgen durch eine weltweite Rezession rechnen Sie?

Ich fürchte, dass wir die Krise noch nicht überstanden haben. Viele wirtschaftliche Folgen werden sich erst im nächsten Jahr zeigen. Gerade für diejenigen, die auch stark in den ausländischen Märkten aktiv sind. Ich bin froh, dass das Kurzarbeitergeld verlängert wurde. Die Betriebe dürfen jetzt nicht alleine gelassen werden. Der Markt regelt eben nicht alles.

Eine moderne Verkehrspolitik für den Kreis Warendorf zu schaffen, bedeutet . . .

...definitiv nicht, noch weiter an den längst in die Jahre gekommenen Plänen für die B 64 n festzuhalten. Wir brauchen neue Ortsumgehungen, aber nicht in der überdimensionierten Planung. Lieber den ÖPNV stärken und ausbauen – Busse müssen häufiger und günstiger fahren, am besten elektrisch. Wir brauchen eine Reaktivierung der WLE-Strecke nicht nur von Münster bis Sendenhorst, sondern bis nach Lippstadt, also einmal quer durch den Kreis.

Viele Menschen klagen über hohe Mieten und Grundstückspreise. In welche Richtung wollen Sie den Wohnungsbau steuern?

Wir brauchen stabile und bezahlbare Mieten. Daher kämpfe ich für mehr Wohnraum und Grundstücke, die von der öffentlichen Hand gefördert werden! Jeder Mensch im Kreis Warendorf soll sich Wohnen leisten können, egal ob jung oder alt, alleine oder gemeinsam.

160 Millionen Euro Fördermittel erhält der Kreis Warendorf für den Glasfaserausbau. Jetzt kommt es darauf an, dass . . .

...der Ausbau da ankommt, wo er gebraucht wird. Es kann nicht sein, dass der Kreis sich mit Fördermitteln und dem Ausbau brüstet und dann teilweise Kabel wenige Meter vor einer großen Schule enden, so geschehen in Beckum. Gerade unsere Bildungseinrichtungen müssen doch dringend für die Digitalisierung aufgerüstet werden.

Der Kreis Warendorf ist landesweit einen Sonderweg gegangen und hat neue Förderschul-Standorte eröffnet. Dieser Weg ist . . .

...gut und entspricht dem Elternwillen im Kreis. Sie sind eine Ergänzung zu den Schulen im Kreis Warendorf, die gemeinsamen Unterricht und inklusive Lerngruppen beziehungsweise inklusive Beschulung anbieten. Die Förderschulen bilden eine Übergangsphase in der Schullaufbahn der Schüler. Das Ziel muss immer die Rückkehr in den Regelbetrieb sein. An diesen Schulen arbeiten multiprofessionelle Teams, die eine Betreuung über das Schulische hinaus bieten und in enger Abstimmung mit der Heimatschule und den Ansprechpartnern im Kreis stehen. Wünschenswert wären solche Teams an allen Schulen im Kreis.

Durch die Corona-Krise brechen Steuereinnahmen weg. Sollte der Kreis deswegen Leistungen abbauen oder lieber Schulden machen?

Wir dürfen in der Krise keine Leistungen abbauen, sondern müssen diese weiter ausbauen. Die Krise zeigt, dass ein starker Staat jetzt helfen muss. Dies muss notfalls auch über eine kurzfristige Schuldenaufnahme erfolgen. Wir dürfen die Bürger mit den Belastungen nicht alleine lassen.

Die Bauern haben zuletzt auf Protest gesetzt. Viele fühlen sich von der Gesellschaft zu Unrecht an den Pranger gestellt. Welche Schwerpunkte wollen Sie in der Naturschutz- und- Landwirtschaftspolitik setzen?

Wir brauchen auch auf Seiten der Landwirtschaft Maßnahmen, um den Klimawandel noch so gut wie möglich einzudämmen. Ich möchte den Bauern dabei zur Seite stehen, statt gegen sie zu arbeiten. Für mich sind wichtig: Herstellung und Produktion so regional wie möglich, Förderung von erneuerbaren Energien und mehr Tierwohl. Das hat natürlich seinen Preis. Da müssen die Verbraucher zum Umdenken angeregt werden und wir müssen seitens der Politik unterstützen – auch finanziell. Beim Thema Naturschutz stehen der Erhalt der Artenvielfalt und die Waldrettung ganz oben auf der Agenda.

Erläutern Sie kurz Ihr Wahlkampfmotto. Wofür steht „Ein neuer Kurs“?

Ich stehe für mehr Bürgerbeteiligung und eine offene Gesprächskultur. Mein Eindruck ist, dass aktuell Politik gemacht wird, als sei der Kreis das Eigentum von einigen Wenigen. Der Landrat und die Politik müssen dem Bürger zuhören und nicht umgekehrt. Nur so kann Politik Vertrauen zurückgewinnen.

Das wichtigste politische Ziel in der nächsten Amtszeit ist . . .

...die Herbeiführung der Verkehrswende, das Schaffen von mehr bezahlbarem Wohnraum und die Gestaltung von einem zukunftsfähigen Kreis.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7555129?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F1808486%2F7555094%2F
Nachrichten-Ticker