Online-Vortrag mit Prof. Rudolf Korte
Laschet hat die besten Karten

Oelde -

„Auch die Bundestagswahl wird unter Corona-Bedingungen stattfinden.“ Das sagte Politikwissenschaftler Prof. Rudolf Korte bei einem Online-Vortrag vor Zuschauern im Oelder Rathaus. Corona werde auch bei der Auswahl des CDU-Kandidaten für das Amt des Bundeskanzlers eine entscheidende Rolle spielen.

Freitag, 18.09.2020, 11:28 Uhr
In der Corona-Krise ist das Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit gestiegen. Zugleich, so Professor Korte,
In der Corona-Krise ist das Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit gestiegen. Zugleich, so Professor Korte, Foto: imago images

Als die Leinwand auch nach 19 Uhr noch dunkel blieb, breitete sich eine leichte Nervosität im Ratsaal des Oelder Rathaus aus. „Es dauert noch einen Moment“, bat VHS-Leiterin Heike Ewers die wenigen Anwesenden und Zuschauer an ihren Endgeräten um Geduld.

Um 19.05 Uhr aber stand das Bild mit Prof. Rudolf Korte und nach einigen Versuchen auch der Ton. „Es ist unser erster Online-Vortrag“, bat Ewers für die gelegentlich Bild- und Tonstörungen um Verständnis.

Politikwissenschaftler im Homeoffice

Davon ließ sich der Politikwissenschaftler im Homeoffice jedoch nicht irritieren, sondern kommentierte als erstes den Ausgang der NRW-Kommunalwahlen, die die Mitte der Gesellschaft gestärkt hätte und die Extreme geschwächt. In der Corona-Krise sei das Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit deutlich gestiegen. Zugleich habe jeder einzelne die Erfahrung machen können, dass er Leben retten könne, wenn er in der Pandemie eine Maske trage. Diese Erkenntnis unterscheide sich fundamental von anderen Erfahrungen beim Klimaschutz, bei dem das Ergebnis des eigenen umweltbewussten Handelns nicht unmittelbar feststellbar sei.

Korte, der an der Universität Duisburg-Essen Politikwissenschaft lehrt, prognostizierte: „Auch die Bundestagswahl wird unter Corona-Bedingungen stattfinden.“

Armin Laschet hat die größten Chancen

Corona werde auch bei der Auswahl des CDU-Kandidaten für das Amt des Bundeskanzlers eine entscheidende Rolle spielen. Die größten Chancen, sich bei der im Dezember anstehenden Wahl für den Vorsitz der Bundes CDU durchzusetzen, räumte der Politikwissenschaftler, der Direktor der NRW School of Governance ist, NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet ein. Zum einen empfehle sich Laschet mit Gesundheitsminister Jens Spahn an der Seite als Teamplayer und spreche mit der Tandemlösung auch junge Leute an. Zum anderen verfüge er im Unterschied zu seinem Widersacher Friedrich Merz über Regierungserfahrung und als Krisenmanager. Dem Außenpolitiker Norbert Röttgen sprach Korte in diesem Dreikampf nur Außenseiterchancen zu.

Was gegen Merz spricht

Gegen Merz spreche, dass der Neoliberalismus für die Mehrheit der Bürger keine erstrebenswerte politische Wirtschaftsordnung mehr sei, sondern die Mehrheit wünsche sich einen starken, vorsorgenden Staat. Zu dem Bedürfnis nach wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Sicherheit sei auch die Gesundheit und ihr Schutz getreten.

Die Corona-Krise und der damit verbundene Lockdown hätten darüber hinaus gezeigt, dass ein Satz „Das geht nicht“ seine Gültigkeit verloren habe. Corona habe die Resilienz jedes einzelnen gestärkt, wobei Korte zugestand, dass die psychologischen Folgen der Shutdowns noch nicht genügend untersucht worden seien. Die Krise habe zudem deutlich gemacht, dass die Medienkompetenz und der Umgang mit den Möglichkeiten der Digitalisierung in Deutschland noch in den Anfängen steckten. Abschließend versicherte Korte, der die Online-Übertragung für einen schlechten Ersatz für einen Präsenz-Vortrag hält: „Für Oelde tue ich alles.“

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