Katholische Kirche und CDU im Gespräch
„Suizid-Beihilfe darf nicht zur Normalität werden“

Kreis Warendorf -

Die Corona-Pandemie und ihre Folgen standen im Mittelpunkt des Gesprächs zwischen Vertretern des CDU-Kreisverbandes um den Bundestagsabgeordneten Reinhold Sendker sowie Weihbischof Dr. Stefan Zekorn und den Dechanten im Kreis Warendorf. In der LVHS Freckenhorst diskutierten sie außerdem über das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Sterbehilfe.

Freitag, 18.09.2020, 11:28 Uhr aktualisiert: 22.09.2020, 17:26 Uhr
Über die Corona-Pandemie und das Urteil zur Sterbehilfe diskutierten (v. l.) Kreisdechant Peter Lenfers, Bundestagsabgeordneter Reinhold Sendker, Weihbischof Dr. Stefan Zekorn, stellvertretende Kreisvorsitzende Astrid Birkhahn und Landtagsabgeordneter Daniel Hagemeier.
Über die Corona-Pandemie und das Urteil zur Sterbehilfe diskutierten (v. l.) Kreisdechant Peter Lenfers, Bundestagsabgeordneter Reinhold Sendker, Weihbischof Dr. Stefan Zekorn, stellvertretende Kreisvorsitzende Astrid Birkhahn und Landtagsabgeordneter Daniel Hagemeier. Foto: Bischöfliche Pressestelle

„Die Pandemie ist eine historische Marke und Zäsur in unserer Gesellschaft“, betonte Weihbischof Zekorn . Wie mit einer Lupe lege sie die Missstände in der Gesellschaft offen. So sei beispielsweise die deutlich gewordene Einsamkeit der Menschen in Pflegeeinrichtungen während des Lockdowns ein Hinweis auf die verbreitete Einsamkeit älterer Menschen insgesamt. „Ich sehe es als gesellschaftliche Aufgabe, dieser Entwicklung entgegenzuwirken.“

Sendker lenkte den Blick auf den medizinischen Bereich und appellierte, sich mit Blick auf den Herbst nicht nur an den täglichen Infektionszahlen zu orientieren, sondern Voraussetzungen für den Fall einer erneuten Zuspitzung der Lage zu schaffen.

Abschied von der schwarzen Null

Mit Blick auf die wirtschaftliche Situation habe sich der Staat verschuldet und musste sich von der schwarzen Null verabschieden, um die Hilfsgelder bereitzustellen. Der Bundestagsabgeordnete zeigte sich überzeugt, dass dies die richtige Entscheidung war. „Wir müssen regional denken: Für den Kreis Warendorf gilt es, den Mittelstand zu stützen, der hier sehr stark ist.“

Heftig kritisierten Vertreter der CDU und der katholischen Kirche das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidbeihilfe. Danach, so stellten die Karlsruher Richter Ende Februar fest, habe jeder das Recht, selbstbestimmt zu sterben – auch mit Hilfe Dritter. Das gelte nicht nur für Kranke.

Bischöfe befürchten Zunahme

Die deutschen Bischöfe befürchten, dass die Suizidbeihilfe insbesondere durch die bereits in Deutschland agierenden Vereine nunmehr stark zunehmen werde. Dechant Andreas Rösner unterstrich diese Befürchtung aufgrund seiner Erfahrungen als Krankenhausseelsorger. Immer wieder habe er erlebt, dass sich Menschen, die krank sind und anderen dadurch zur Last fallen, nicht mehr wertvoll fühlen. „Den Menschen das Gegenteil zu vermitteln, das ist auch Aufgabe der Kirche“, erklärte Rösner.

Dass die CDU mit der neuen Rechtsgrundlage ganz und gar nicht einverstanden ist, machte Sendker deutlich. „Damit werden wir als Gesetzgeber degradiert zu einer Regelungsbehörde.“ Das Urteil führe eine sich verändernde Gesellschaft vor Augen, in der „Krankheit und Schwäche vom Leben ausgeschlossen werden“. Es gelte nun Wege zu finden, damit die organisierte Beihilfe zur Selbsttötung nicht zu einer Normalisierung des Suizids führe.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7590121?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F1808486%2F
Nachrichten-Ticker