Konzept für speziellen Lernort
Bewusst anders als Schule

Ahlen -

Die ehemalige Förderschule Im Pattenmeicheln in Ahlen heißt jetzt „Regenbogen-Schulhaus“. Das Konzept will Schülern mit Anpassungsproblemen die Eingewöhnung in die Regelschule erleichtern.

Donnerstag, 01.10.2020, 06:30 Uhr aktualisiert: 01.10.2020, 20:50 Uhr
Wie ein eigener kleiner Wald wirken die Ficus-Bäume im Foyer. Das Regenbogen-Schulhaus will bewusst eine andere Atmosphäre schaffen, um Schülern mit Problemen im Schulsystem den Weg zurück dorthin zu ebnen.
Wie ein eigener kleiner Wald wirken die Ficus-Bäume im Foyer. Das Regenbogen-Schulhaus will bewusst eine andere Atmosphäre schaffen, um Schülern mit Problemen im Schulsystem den Weg zurück dorthin zu ebnen. Foto: Peter Schniederjürgen

Kindern und Jugendlichen mit zeitweiligen Schwierigkeiten in der Beschulung bietet der Kreis Warendorf das Regenbogenschulhaus an. „Seit dem Beginn des neuen Schuljahres sind wir ein Schulischer Lernort“, sagt Leiterin Nicola Haas . Hier bekommen Schüler, die sich im Regelschulbetrieb schwertun, die Fertigkeiten, sich wieder in das Gefüge einzubringen.

Das ermöglicht die intensivpädagogische Unterstützung. Praktisch heißt es, dass hier nötigenfalls der normale schulische Rahmen verlassen wird. „Es ist das Ziel, wertschätzend den jungen Menschen die sozialen wie auch die lernstoffbezogenen Fähigkeiten zu vermitteln“, erklärt Leiterin Haas.

So unterscheidet sich schon der Eingangsbereich von Schulen im Allgemeinen. Hier begrüßt seit einigen Tagen ein regelrechter Wald aus riesigen Ficus-Benjamini-Bäumen die Schüler – eine Spende zweier Sponsoren.

Wir setzen sehr auf die Kooperation unserer Schüler miteinander.

Leiterin Nicola Haas

Im Lernort sucht man Schultypisches wie Klassenräume vergebens, denn das System vermeidet gezielt die Anmutung von Schule. „Wir setzen sehr auf die Kooperation unserer Schüler miteinander“, zeigt Nicola Haas. Hier steht nicht die Wissensvermittlung an erster Stelle, es ist das friedliche und vor allem kooperative Zusammenleben, das erlernt werden soll. Denn die Regenbogenschüler kommen mit unterschiedlichen und nicht gerade einfachen Vorgeschichten in den Pattenmeicheln. Dazu sind eben auch andere Wege nötig.

So bietet dieser Lernort die Möglichkeit einer zeitweiligen Beschulung. „Je nach individuellen Notwendigkeiten können die Schüler auch in ihren Herkunftsklassen zeitweilig am Unterricht oder in speziellen Fächern teilnehmen“, erläutert sie. Die Kinder und Jugendlichen bleiben also weiterhin Schüler ihrer Stammschule. Die Rückführung dahin ist das Ziel des Prozesses.

Weiter Schüler ihrer Stammschule

Im Gebäudekomplex gibt es in den ehemaligen Klassenräumen zahlreiche Rückzugsräume. Zwar existiert auch ein Stundenplan. „Doch der ist ganz auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestellt“, weiß Nicola Haas. So ist zunächst einen Zeitraum für das Ankommen im Haus vorgesehen. Erst nach einem ruhigen und gemeinsamen Frühstück geht es für die Schüler dann an die (Lern-)Aufgaben. Das dauert bis 14 Uhr.

Doch ist der Aufenthalt nicht für jeden, der hier herkommt, auch belastend? „Wir haben einen Grundschüler, der schickt seinen Klassenkameraden an der Stammschule Filmchen darüber, wie toll es hier ist“, schmunzelt die Pädagogin.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7610171?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F1808486%2F
Nachrichten-Ticker