Landwirte wollen vom DMK mehr Geld für ihre Milch
Bauern fordern „Schluss mit lustig“

Everswinkel -

Mehr Geld für ihre Milch fordern Landwirte in einem Papier, das sie am Mittwoch an Vertreter des DMK übergaben. mit knapp 20 Traktoren waren sie vor das Verwaltungsgebäude gefahren. Die derzeitigen Preise seien existenzbedrohend, sagen sie. Sie erwarten von ihrem Partner mehr Mitspracherechte.

Mittwoch, 11.11.2020, 20:31 Uhr aktualisiert: 11.11.2020, 20:40 Uhr
Mehr Geld für landwirtschaftliche Erzeugnisse forderten Landwirte gestern bei einer bundesweiten Aktion, die auch am DMK in Everswinkel stattfand. Tobias Schwakenberg und Ute Schilling (Foto unten l.) übergaben einem Vertreter des DMK hinter verschlossenen Türen eine Milchkanne mit einem Forderungspapier.
Mehr Geld für landwirtschaftliche Erzeugnisse forderten Landwirte gestern bei einer bundesweiten Aktion, die auch am DMK in Everswinkel stattfand. Tobias Schwakenberg und Ute Schilling (Foto unten l.) übergaben einem Vertreter des DMK hinter verschlossenen Türen eine Milchkanne mit einem Forderungspapier. Foto: Fotos: Marion Fenner

 

Karneval fällt in diesem Jahr aus. Für die Landwirte war das genau der richtige Zeitpunkt für ihre Aktion „Schluss mit lustig“. Pünktlich um 11.11 Uhr am 11.11. brachten Vertreter des Bundesverbandes der Deutschen Milchviehhalter (BDM) und der Initiative „Land schafft Verbindung“ (LSV), Kreis Soest, dem Deutschen Milchkontor (DMK) ein Forderungspapier. Mit knapp 20 Traktoren waren die Landwirte vor das Verwaltungsgebäude gefahren. Die Aktion fand bundesweit statt. Landwirte haben dieses Papier nicht nur an Molkereien, sondern auch an Vertreter von Schlachtbetrieben überreicht.

Tobias Schwakenberg (BDM) und Ute Schilling (LSV) überreichten das Papier mit einer Milchkanne hinter verschlossenen Türen an einen Mitarbeiter des DMK. „Als milchverarbeitende Genossenschaft sind wir Bindeglied zwischen Landwirten und Handel und vertreten klare Werte. Was das Verständnis für höhere Preise von Lebensmitteln betrifft, stehen wir grundsätzlich im Schulterschluss mit unseren Landwirten“, erklärte Oliver Bartelt von der Presseabteilung der DMK auf Anfrage unserer Zeitung.

Rückwärtskalkulation

„Wir brauchen 15 Cent mehr für den Liter Milch“, erklärte Martina Schäfermeister vom LSV. „Bei den derzeitigen Preisen zahlen wir drauf und können auf Dauer nicht überleben.“ Die Situation sei für Landwirte wirklich dramatisch, versicherte Schäfermeister. „Sie ist existenzbedrohend.“

„Wir fordern, dass die Preise anders kalkuliert werden“, erklärte Schwakenberg. „Die Landwirte sollten festlegen dürfen, was sie für ihre Produkte erhalten müssen, und die nachfolgenden verarbeitenden Betriebe und Händler ihre Margen hinzu rechnen.“ Derzeit gebe es eine Rückwärtskalkulation, bei der die Bauern das letze Glied in der Kette seien und für ihre Produkte nur das erhalten, was letztlich übrig bleibe. „Wir können nicht darauf warten, dass uns jemand ein paar Krümel freiwillig abgibt“, heißt es in der Forderungspapier.

Es dürfe nicht sein, dass immer wieder dem Druck der großen Einzelhandelskonzerne nachgegeben werde. Im Bereich der Milch bleibe durch die derzeitigen Preise rund ein Drittel der Kosten ungedeckt, heißt es in dem Papier weiter.

„Wir können nicht darauf warten, dass uns jemand ein paar Krümel freiwillig abgibt.

Forderungspapier

Die Landwirte sind überzeugt, dass höhere Preise für regional erzeugte Produkte nicht an dem Endverbraucher scheitern würden. „Der Kunde ist bereit, für regional erzeugte Produkte mehr zu bezahlen“, sagte Schwakenberg. „Ich habe dem Vertreter der DMK gesagt, dass wir, wenn die Preise, die uns jetzt gezahlt werden, nicht endlich angemessen steigen, wir bald den Schlüssel in unseren Betrieben umdrehen müssen“, berichtete Schilling. Auf die Frage, wer dann das DMK beliefern solle, sei nur mit den Schultern gezuckt worden. „Wir wollen den Dialog mit den Partnern, die unsere Produkte abnehmen“, betonte Schwakenberg. Sie bezeichneten sich als Partner der Landwirte und in diesem Punkt wollten die Bauern sie beim Wort nehmen.

„Die im Rahmen des bundesweit ausgerufenen Protesttages mit der Forderung nach sofortiger Anhebung des Rohmilch-Preises um 15 Cent würden für die Branche eine Steigerung um etwa 40 Prozent bedeuten. Da der Marktpreis – auch der der Milch – sich nach Angebot und Nachfrage richtet, ist das eine Forderung, die in der Richtung nachvollziehbar ist, in der Umsetzung aber nicht alleine von einzelnen Marktteilnehmern unmittelbar beeinflusst werden kann“, so Bartelt.

Schlüssel umdrehen

Die Landwirte werden wiederkommen. Schon am 19. November sollen erneut die Traktoren vorfahren.

 

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