Interview zur Corona-Lage
Impfzentrum startet am 1. Februar

Kreis Warendorf -

Wird im Kreis Warendorf weniger geimpft als in anderen Münsterlandkreisen? Nein – das macht Petra Schreier, Leiterin des Krisenstabs im Kreis, im Interview deutlich. Der Impfstoff wird nach der Quote der über 80-Jährigen im Kreis zugeteilt. Auf die Anzahl der gelieferten Impfstoffdosen gibt es folglich keinen Einfluss. Die umliegenden Kreise Borken und Steinfurt haben außerdem deutlich mehr Einwohner.

Dienstag, 12.01.2021, 13:56 Uhr aktualisiert: 12.01.2021, 19:28 Uhr
Petra Schreier:
Petra Schreier: Foto: Kreis Warendorf

Zur aktuellen Corona-Situation und zur Impfstrategie nimmt Petra Schreier , Leiterin des Krisenstabs des Kreises Warendorf, Stellung.

Die 7-Tage-Inzidenz im Kreis Warendorf geht zurück. Doch wie erklären Sie die weiterhin vergleichsweise hohen Fallzahlen?

Schreier: Zum Teil liegt das an unserer Teststrategie, bei der wir über die RKI-Empfehlung hinausgehen: Für Kontaktpersonen der ersten Kategorie (15 Minuten Kontakt und weniger als 1,50 Meter Abstand zu Infizierten), die keine Symptome haben, ordnen wir nicht nur Quarantäne, sondern PCR-Testungen an. Das führt zwar zu höheren Fallzahlen, aber auch zu einem besseren Schutz, weil wir so Infektionsketten unterbrechen. Sorge bereiten uns vor allem die größeren Ausbrüche in Pflegeheimen, die wir zurzeit leider wieder beobachten können. Deshalb ist die Impf-Strategie des Landes auch richtig, diese besonders gefährdete Gruppe zuerst zu impfen. Die Älteren müssen wir aber auch weiterhin vor allem dadurch schützen, indem wir Kontakte reduzieren und die Hygiene- und Abstandsregeln streng einhalten.

Wie laufen die Impfungen bislang?

Schreier: Sehr gut. Nach gut zwei Wochen mit Impfterminen haben wir etwa 3500 Menschen in den Heimen geimpft. Die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, ist gerade bei den Bewohnern sehr hoch und steigt mittlerweile auch bei den Mitarbeitern. Heimleitungen und Kassenärztliche Vereinigung stimmen die Impftermine ab und bereiten sie vor – dazu gehören Aufklärung und die Einholung von Einverständniserklärungen sowie die Vorbereitung einer kleinen Impfstraße.

Wie geht es mit den Impfungen weiter?

Schreier: Zunächst stehen die Pflegeeinrichtungen im Mittelpunkt. Nach den zugesagten Impfstofflieferungen können wir pro Woche vorerst etwa 1300 Personen impfen. So haben wir spätestens Ende Januar in allen Heimen die Erstimpfung durchgeführt und können mit der zweiten Impfung starten. Der Impfstoff, der uns nach der Quote der über 80-Jährigen im Kreis zugeteilt wird, wird von uns bei Anlieferung konsequent verimpft. Alles hängt also von der Anzahl der gelieferten Impfstoffdosen ab, auf die wir keinen Einfluss haben.

Wann kann das Impfzen­trum in Ennigerloh seinen Betrieb aufnehmen?

Schreier: Wir können jederzeit starten. Losgehen wird es nach heutigem Stand am 1. Februar. Erfreulicherweise können wir in Kürze auch mit Lieferungen des Impfstoffs von Moderna rechnen, so dass uns voraussichtlich bald größere Kapazitäten zur Verfügung stehen. Zunächst starten wir in Ennigerloh wahrscheinlich mit Öffnungszeiten montags bis sonntags von 14 bis 20 Uhr. Schrittweise werden wir dann den Betrieb ausweiten und bei Bedarf auch noch weitere Impfstraßen öffnen.

Wer kann sich in Ennigerloh impfen lassen?

Schreier: In der ersten Phase alle Menschen ab 80 Jahren, die in der nächsten Woche Post vom Gesundheitsminister mit weiteren Hinweisen erhalten werden. Dieser Altersgruppe gehören 6,9 Prozent der Menschen im Kreis an – das sind etwa 19 000 Personen. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass ein Teil der über 80-Jährigen bereits im Pflegeheim geimpft worden ist. Ab dem 25. Januar soll es möglich sein, über eine zentrale Rufnummer und online Impftermine über die Kassenärztliche Vereinigung zu vereinbaren.

Gibt es für die breite Bevölkerung auch Impfangebote vor Ort?

Schreier: Bis es soweit ist, dass in den Arztpraxen geimpft werden kann, wird es noch dauern. Denn dafür ist ein unkomplizierter Impfstoff erforderlich. Da der aktuell eingesetzte Impfstoff von Biontech/Pfizer bis wenige Stunden vor dem Einsatz sehr stark gekühlt werden muss und nach der Aufbereitung nicht mehr transportiert werden darf, hat sich das Land für seinen Einsatz in Impfzentren entschieden. Wir wollen ja nicht, dass Impfstoff verfällt! Eine akribische Planung ist also das A und O – für Heime mit in der Regel über 100 Impflingen ist das ein hoher Aufwand, der sich aber lohnt. Andere mobile und dezentrale Lösungen sind in der jetzigen Phase nicht sinnvoll. Ich gehe aber davon aus, dass ab Mitte des Jahres alle Bürger ein Impfangebot bekommen werden und sich bei ihrem Hausarzt impfen lassen können. In ein paar Jahren wird die Corona-Impfung ein fester Bestandteil neben der alljährlichen Grippeschutzimpfung sein und wir werden gelernt haben, mit dem Corona-Virus zu leben.

Der Weg zum Impfzentrum ist für ältere Menschen zum Teil eine Herausforderung. Wie kann sie gelöst werden?

Schreier: Mit dem Standort Ennigerloh haben wir einen zentralen Punkt im Kreis für unser Impfzentrum ausgewählt. Für Menschen, die keine Möglichkeit haben, zum Impfzentrum zu kommen, weil Angehörige sie nicht bringen können oder öffentliche Verkehrsangebote nicht in Frage kommen, arbeiten wir mit den Städten und Gemeinden daran, für diese Menschen Lösungen zu finden. Zudem gehen wir davon aus, dass Menschen, die nicht mehr selbst mit dem Auto nach Ennigerloh fahren können, sich von Angehörigen oder Nachbarn fahren lassen. Auch hier glaube ich fest an die Solidarität untereinander.

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