Jahresbilanz Arbeitsmarkt
Mit einem blauen Auge davongekommen

Kreis Warendorf -

Die Arbeitsmarkt-Experten hatten Schlimmeres befürchtet. Noch ist die Corona-Krise zwar nicht überstanden, aber der Arbeitsmarkt zeigt sich robust. Schwerer hatten es dagegen junge Leute, die einen Ausbildungsplatz suchten.

Dienstag, 12.01.2021, 17:26 Uhr aktualisiert: 12.01.2021, 17:32 Uhr
Joachim Fahnemann:
Joachim Fahnemann: Foto: Beate Kopmann

Kerngesund präsentierte sich die Wirtschaft im Kreis Warendorf – bis zum Frühjahr, als das Coronavirus alle in die Knie zwang. Aber eben weil die Unternehmen in der Region gut aufgestellt sind, habe man die Krise bislang weit besser überstanden als zunächst befürchtet. Zu dieser Einschätzung kommt Joachim Fahnemann , Leiter der Arbeitsagentur Ahlen-Münster, in seiner Jahresbilanz für den Arbeits- und Ausbildungsmarkt im Kreis Warendorf.

Arbeitgeber meldeten nur 24 Stellen weniger als 2019

Auch der Stellenmarkt zeigt sich robust. Im Vergleich zum Vorjahr meldeten die Arbeitgeber nur 24 Stellen weniger (ein Minus von 0,3 Prozent). Dass alles so glimpflich gelaufen ist, führt Fahnemann vor allem auf die Kurzarbeit zurück. Mehr als 3000 Unternehmen im Kreis hatten zwischen März und Dezember Kurzarbeit angemeldet. „Das ist ein Vielfaches dessen, was wir aus der Finanzkrise kannten“, unterstreicht Fahnemann. „Im Jahr 2009 hatten nur 710 Betriebe Kurzarbeit angemeldet.“ Hätten in der Corona-Krise alle Unternehmen in dem Umfang Kurzarbeit gemacht wie angemeldet, wären über 40 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte betroffen gewesen – fast 45 Prozent der Arbeitnehmer. Doch dazu kam es nicht. Den Höchststand bei Kurzarbeit gab es im April, als 1613 Unternehmen dieses Instrument nutzten, um Entlassungen zu vermeiden. Ab Mai sank diese Zahl – im Juni waren es 1043 Betriebe, in denen kurzgearbeitet wurde. Damit waren zu dem Zeitpunkt nur noch 16,1 Prozent aller Unternehmen im Kreis von Kurzarbeit betroffen – und 11,6 Prozent der Beschäftigten.

Mehr als jedes zweite von Kurzarbeit betroffene Unternehmen kommt aus der Gastronomie.

Joachim Fahnemann

Bereits im August war Kurzarbeit eigentlich kein Thema mehr. Allerdings wurde die Wirtschaft von der Coronakrise sehr unterschiedlich stark getroffen. „184 Gastronomie-Betriebe im Kreis haben im Juni Kurzarbeit gemacht. Damit kommt mehr als jedes zweite betroffene Unternehmen aus der Gastronomie“, beschreibt Fahnemann die Lage. Abgesehen von der Gastronomie sei auch der Einzelhandel stark geschädigt worden.

Zu einer Destabilisierung des Arbeitsmarktes habe dies aber nicht geführt. „Nur etwa 700 Beschäftigte im Kreis Warendorf arbeiten in der Gastronomie, das ist ein Anteil von 0,75 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Angestellten“, erläutert der Chef der Arbeitsagentur. Entschärft habe die Situation ferner, dass kaum ein Unternehmen die Möglichkeit zur Kurzarbeit voll ausschöpfte. „Bei mehr als der Hälfte der Kurzarbeiter wurde die Arbeitszeit nur bis 25 Prozent gekürzt.“

Trotzdem stiegt die Arbeitslosigkeit im vergangenen Jahr erstmals wieder leicht an: von 4,6 auf 5,1 Prozent. „Das ist zwar ein prozentualer Anstieg um 11,5 Prozent. Aber noch vor einigen Jahren hatten wir Arbeitslosenquoten, die bei sieben oder acht Prozent lagen“, relativiert Fahnemann die aktuellen Entwicklung.

Schwierigere Lage am Ausbildungsmarkt

Schwieriger als auf dem Arbeitsmarkt sei dagegen die Lage am Ausbildungsmarkt. Hier gebe es weniger Bewerber und weniger Ausbildungsstellen. Dennoch habe man zum Stichtag 30. September nur 77 unversorgte Bewerber und immerhin noch 185 unbesetzte Ausbildungsplätze gezählt.

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