AWG-Geschäftsführer sorgt sich um Deponiekapazitäten
Maximal noch neun Jahre

Kreis Warendorf -

Die Zahlen aus der Bedarfsanalyse klingen besorgniserregend. Demnach seien im Jahr 2030 die Deponiekapazitäten erschöpft. Ein Problem, das nicht nur den Kreis Warendorf betrifft.

Montag, 19.04.2021, 18:46 Uhr aktualisiert: 19.04.2021, 18:50 Uhr
Die Deponiekapazitäten für mineralische Abfälle der Kategorien 0 und I sind auch in Ennigerloh begrenzt.
Die Deponiekapazitäten für mineralische Abfälle der Kategorien 0 und I sind auch in Ennigerloh begrenzt. Foto: Archiv

Deponieraum wird knapp. Auch im Kreis Warendorf beim Abfallwirtschaftsbetrieb in Ennigerloh. Thomas Grundmann , Geschäftsführer der AWG (Abfallwirtschaftsgesellschaft) illustrierte am Freitag in der Sitzung des Umwelt- und Mobilitätsausschusses die Dringlichkeit, nach Lösungen zu suchen.

Weil regional verfügbare Deponiekapazitäten nicht zuletzt im Hinblick auf Transportkosten und CO²-Emissionen für die heimische Wirtschaft von Bedeutung sind, hat sich die AWG einer von mehreren Städten und Kreisen in Auftrag gegebenen Bedarfsanalyse angeschlossen, die ihr Untersuchungsgebiet auf einen Radius von 50 Kilometern ausdehnte. Dabei lag der Fokus aufgrund der besonders betrachteten Bau- und Abbruchabfälle auf Deponien der Klassifizierung 0 (für unbelasteten Bodenaushub) sowie Deponien der Klasse I mit mäßig belastetem Erdaushub, Bauschutt und vergleichbare nicht gefährliche mineralische Abfälle.

Druck ist regional unterschiedlich

Gefragt wurde, welche öffentlichen Deponien für mineralische Abfälle in der Untersuchungsregion, die Teile des nördlichen Nordrhein-Westfalen wie des südlichen Niedersachsens umfasste, zur Verfügung stehen und welches Restvolumen sie aufweisen.

Aufgrund der angestellten Hochrechnungen kamen die Gutachter der beauftragten Prognos AG und des Infa-Instituts zu dem Schluss, dass die Deponiekapazitäten für die Klasse 0 im Jahr 2030 und für Klasse I bereits 2025 erschöpft seien. Grundmann machte deutlich, dass der Druck aufgrund der ungleichen Verteilung der Standorte regional unterschiedlich sei. Selbst verstärkte Anstrengungen beim Recycling würden nur zu einer geringfügigen Verlängerung der Restlaufzeiten führen.

Der Handlungsdruck geht von der vom Bundesrat Ende des vergangenen Jahres verabschiedeten Mantelverordnung aus, die eine Neuregelung der Deponierung für mineralische Abfälle vorsieht. NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser kommentierte die Beschlussfassung im Bundesrat mit den Worten: „Mit dem heutigen Votum beginnt eine neue Zeitrechnung für das Recycling und die Verwertung mineralischer Abfälle“. Die Neuregelung sei dringend notwendig gewesen, damit die heutigen Abfälle nicht zu Altlasten morgen würden.

Fuhren zu weiter entfernten Deponien

Zusätzlich zu der Untersuchung wurden Interviews mit in der Region tätigen Unternehmen der Bau- und Abbruchbranche geführt, die ergaben, dass aufgrund des begrenzten Deponievolumens bereits heute etliche Fuhren zu weiter entfernten Deponien durchgeführt werden. Eines habe die Untersuchung ergeben, so Grundmann: „Der künftige Deponiebedarf ist kein Thema für den Kreis allein.“ Zielführend sei vielmehr der für die Untersuchung gewählte Ansatz, im Verbund mit anderen Städten und Kreisen nach wirtschaftlichen und ökologisch geeigneten Lösungen zu suchen, um gemeinsam den Bedarf an Deponieraum zu klären.

Im nächsten Schritt sollen gemeinsam Möglichkeiten für weitere Kapazitäten ausgelotet und dabei mögliche Kooperationen geprüft werden. Dabei sollten bestehende Standorte und zugleich mögliche Erweiterungen in den Blick genommen werden.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7924700?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F1808486%2F
Nachrichten-Ticker