Ostbevern
Leuchten entwickeln Eigenleben

Ostbevern - „Dark after sunrise“, so lautet der Titel der neuen Installation in der Keimzelle Kunst. Dabei handelt es sich um bunte Partyleuchten mit Tentakeln, die bei Sonnenschein einen bunten Farbklecks auf den Rathausvorplatz zaubern oder die bei...

Dienstag, 18.08.2009, 14:47 Uhr

Ostbevern - „Dark after sunrise “, so lautet der Titel der neuen Installation in der Keimzelle Kunst. Dabei handelt es sich um bunte Partyleuchten mit Tentakeln, die bei Sonnenschein einen bunten Farbklecks auf den Rathausvorplatz zaubern oder die bei Dunkelheit ein stimmungsvolles Licht garantieren.

Die junge Künstlerin Julia Arztmann aus Münster hat die sogenannten Partyleuchten bereits 2006 als stimmungsvolle und mitunter übertrieben kitschige Beleuchtung für eine in der Wiesbadener Innenstadt installierte Bar konzipiert. Dabei bediente sie sich einer umfangreichen Palette schriller Textilien, Schleifen, Rüschen und Knöpfen, um die Lampen mit einem überbordenden Dekor zu versehen.

In der Keimzelle Kunst werden die Partyleuchten von tentakelartigen Gebilden überlagert, umschlungen und in Besitz genommen. Sie sind damit gleichsam verselbstständigte dekorative Elemente, die sich ursprünglich der Funktion der Partyleuchten unterzuordnen hatten, jetzt aber ein Eigenleben entwickeln und alles überwuchern und drohen, diese Funktion vollends außer Kraft zu setzen, so die Künstlerin

Julia Arztmann, Jahrgang 1983 und Meisterschülerin an der Kunstakademie, hat erst vor vier Jahren damit begonnen, textile Plastiken zu gestalten. Zuvor war der Werkstoff Keramik ihr bevorzugtes Arbeitsmaterial.

„Auf textile Stoffe habe ich mich verlegt, weil ich es mir nicht mehr ausreichte, die von mir favorisierten Gegenstände - meist auf Postkarten vorgefundene Motive - lediglich nachzuarbeiten. Ich wollte eine eigene Form finden, die Dinge nach meinen eigenen Vorstellungen transformieren, sie ihrem ursprünglichen Zweck entheben und sie mir damit aneignen“, begründet sie den Materialwechsel.

Kennzeichnend für die Arbeiten von Julia Arztmann sind bunte, gemusterte Baumwollstoffe, die zum Teil auf fast groteske Weise miteinander kombiniert werden, um somit gängige ästhetische Grenzen auszutarieren und bewusst zu überschreiten.

Dieses Arbeiten empfindet die Künstlerin als eine spannende Gratwanderung, denn ihrer Aussage nach versucht sie das absurde Potenzial der Dinge - gerade auch des Alltagsgegenstands - freizusetzen, sie in eine bisweilen durchaus märchenhafte Welt zu überführen, die nicht sofort zugänglich ist. Die Konfrontation der bunten, eigentlich dekorativen Zwecken dienenden Muster, aber auch die Divergenz zwischen „dekorativem“ Stoff und dem Gegenstand, den er umkleidet, zielen auf eine Überspitzung.

Die Installation in der Keimzelle Kunst ist noch bis Oktober zu besichtigen.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/456970?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F129%2F702962%2F702979%2F
Nachrichten-Ticker