Ostbevern
Nieder mit dem Biber?

Freitag, 15.10.2010, 22:10 Uhr

Ostbevern - Der, um den es geht, steht auf dem Kreisverkehr an der B51 und lacht. Den Biber aus Cortenstahl kann so schnell nichts erschüttern. Anderen ist angesichts der fünf plakativen Unmutsäußerungen, die seit Kurzem das braune Fell des neuen Wahrzeichens der Bevergemeinde verunzieren, gar nicht zum Lachen zumute. „Nieder mit dem Biber“, „Ostbevern nicht Rostbevern“, „Weg damit“ steht auf den mit Klebeband fixierten Bögen. „Offenbar hat sich da jemand mit der Kunst auseinandergesetzt. Das ist grundsätzlich in Ordnung. „Die richtige Form, seine Meinung kundzutun, ist das aber nicht“, ärgert sich Ulrike Jasper von der Gemeindeverwaltung. Die Mitarbeiter des Bauhofs würden sich schleunigst darum kümmern, dass die Aufkleber, die nicht zum Werk passten, abgenommen würden.

„Das ist Kunst, die von den Bürgern mitgetragen wird“, hatte sich Robin Meiners , der vor rund drei Jahren beim Hausaufgabenmachen die Idee zu der Skulptur hatte, bei der Einweihung der Skulptur am 22. September noch gefreut. Gegenstimmen habe es nur vereinzelt gegeben, als der Entschluss in der Gemeinde gereift sei, das Holzmodell, das er zusammen mit einigen Freunden geschaffen hatte, zur dauerhaften Kreiselkunst zu erheben. Wenn es nun offenbar Menschen gebe, denen der stählerne Biber nicht gefalle, dann sei es nur „schade, dass diese ihre Meinung nicht anders äußern“. Immerhin seien aufgeklebte Zettel aber besser als aufgesprühte Parolen, nimmt Robin Meiners die Sache mit Humor.

Die freischaffende Künstlerin Beate Schmalstieg kann diesen Umgang mit dem Werk nicht verstehen. „Der Biber macht sich gut auf dem Kreisel“, sagt sie. Auch wenn die Telgter Telge, die ursprünglich zu dem Ensemble gehörte, nicht übernommen worden sei, werde doch die Bedeutung der Figur mit der Axt deutlich: „Zum einen fällen Biber Bäume, zum anderen findet sich das Tier im Wappen von Ostbevern wieder.“ Zwar sei es gut, wenn Menschen sich mit Kunst ausein­andersetzten. „Doch da muss man offen diskutieren. Aufgeklebte Sprüche sind der falsche Weg.

Dieser Meinung ist auch Monika Brors. Die in Brock lebende Künstlerin arbeitet selbst mit Cortenstahl und weiß, dass das Material zwar sehr widerstandsfähig ist und die Klebestreifen ihm nicht wirklich schaden können. „Trotzdem sollte man mit einem Kunstwerk, in dem viel Arbeit steckt und zu dem sich Menschen viele Gedanken gemacht haben, nicht so umgehen“, sagt sie.

Wenn Robin Meiners es nach eigenen Worten auch noch immer etwas schade findet, dass die Ostbeverner Politiker „nicht den Mumm“ hatten, die Telge beim Biber zu lassen, so ist er sich sicher, dass zumindest die Bedeutung der Axt, die das Tier trägt, künftig in anderer Form klar werden wird: „Auf dem Kreisel soll ein Baum gepflanzt werden. Da sieht dann jeder, dass Biber Bäume fällen.“

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