„Pinkelpoint“ in der Bauerschaft Schlichtenfelde
„Eine saubere Lösung“

Ostbevern -

Die einen nennen´s scherzend Freiluft-Pinkelballen, Barbara Roggenland von der Gemeindeverwaltung spricht von Uritonnoir. Für den Eventveranstalter Dirk Boll sind es „Pinkelpoints“. Gemeint ist damit eine Möglichkeit für Männer, sich auf der rund 2,5 Kilometer langen Boßel­strecke in Brock zu erleichtern. An den drei „Pinkel­points“ sind Urinale an Strohballen montiert, in die die „Herren der Schöpfung“ überschüssige Körperflüssigkeit entsorgen können.

Mittwoch, 15.10.2014, 15:10 Uhr

Entlang der 2,5 Kilometer langen Boßelstrecke in der Bauerschaft Schlichtenfelde wurde sogenannte Pinkelpoints aufgestellt. Nich alle Anwohner sind davon begeistert.
Entlang der 2,5 Kilometer langen Boßelstrecke in der Bauerschaft Schlichtenfelde wurde sogenannte Pinkelpoints aufgestellt. Nich alle Anwohner sind davon begeistert. Foto: Biniossek

Für Erika Lenzian und Paul Verspohl, die in der Bauerschaft Schlichtenfelde wohnen, ist es hingegen einfach ein großes Ärgernis. „Es sind hier Massen an Menschen unterwegs, die auf den engen Wirtschaftswegen boßeln und von Point zu Point laufen, um zu pinkeln“, sagt der 82-jährige Paul Verspohl. Er findet die Urinoirs störend. Und er ist verärgert, dass der Besitzer und Betreiber des Hotels Beverland „hier bei uns machen kann, was er will. Jeder aus unserer Nachbarschaft will sich gegen diese Pinkelpoints wehren. Aber es passiert ja doch nichts“, sagt der Ostbeverner.

Barbara Roggenland vom Ordnungsamt der Gemeinde, hat die Uritonnoirs (eine Zusammensetzung aus den französischen Wörtern für Urinal und Trichter) in Augenschein genommen. „Für diese sind keine Baugenehmigungen erforderlich“, sagt die Verwaltungsfachfrau. Und alle Points stünden auf privatem Gelände. „Wir haben festgestellt, dass an diesen Pinkelpoints keine Belästigung oder eine Erregung öffentlichen Ärgernisses vorkommt, sodass wir als Ordnungsbehörde nicht eingreifen müssen.“

Seitens des Bauamtes seien zudem mehrere Gespräche mit Dirk Boll und den betroffenen Anliegern geführt worden, sodass es letztlich zum einvernehmlichen Aufstellen der Pinkelpoints gekommen sei. „Für die Anwohner ist es so sicherlich besser, als dass überall an Hecken, Bäume und Sträucher oder gar die Vorgärten den Anwohner gepinkelt würde“, meint Barbara Roggenland. Und: „Solche Urinoirs sind in Frankreich sehr verbreitet.“

Von dort hat Dirk Boll auch die Idee mitgenommen. „Der Wunsch kam von den Gästen, die Umsetzung kam von uns“, sagt der Eventveranstalter. Und vor allem seien alle Anwohner sowie die Gemeinde mit ins Boot genommen worden. „Die Zustimmung der Betroffenen war groß, es passt“, sagt Boll.

Im Prinzip ist diese Möglichkeit der Steuerung bei Notfällen der Notdurft schlau, meinen Barbara Roggenland und Dirk Boll unisono, „weil es eine sehr saubere Lösung ist. Schließlich ist der Abbau des Urins komplett biologisch“, erläutert Dirk Boll. Der Stickstoff des Urins reagiere mit dem Kohlenstoff des Strohs. Es folgt ein Zersetzungsprozess, an dessen Ende wertvoller Kompost steht, berichtet er.

Allerdings würden alle Gäste beim Start ihrer Veranstaltung darauf hingewiesen, dass diese Pinkelpoints nur Notfalltoiletten seien. Schließlich seien Möglichkeiten, seine Notdurft zu erledigen, sowohl im Bahnhof Brock als auch in der Hotelanlage Hof Beverland gegeben, sagt der Eventveranstalter weiter.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2810066?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F129%2F2592714%2F4852468%2F
Nachrichten-Ticker