Fast 100 Flüchtlinge in Ostbevern
„Mitarbeiter an Leistungsgrenzen“

Ostbevern -

Aktuell leben 97 Flüchtlinge in Ostbevern, vier kamen erst am 18. August.  Elf weitere Menschen sind angekündigt. Wolfgang Annen: „Das Land lässt uns bei der Betreuung im Stich.“

Mittwoch, 19.08.2015, 12:08 Uhr

Der zweijährige Ali aus Syrien trägt am 4. August in einer Turnhalle auf dem Gelände der Bundespolizei in Rosenheim (Bayern) eine Kiste mit Spielsachen. Über Kuschetiere und Spielsachen freut sich jedes Kind – egal, wo es geboren wurde.
Der zweijährige Ali aus Syrien trägt am 4. August in einer Turnhalle auf dem Gelände der Bundespolizei in Rosenheim (Bayern) eine Kiste mit Spielsachen. Über Kuschetiere und Spielsachen freut sich jedes Kind – egal, wo es geboren wurde. Foto: Andreas Gerbert/dpa

Vier Flüchtlinge sind am gestrigen Dienstag neu in Ostbevern angekommen. 97 sind es damit zurzeit insgesamt. Elf weitere Menschen erwartet Bürgermeister Wolfgang Annen „in den nächsten Tagen“. 13 Wohnungen hatte die Gemeinde vor den Sommerferien für die Unterbringung der Hilfesuchenden angemietet, aktuell sind es 21. „Das ist bei 11 000 Einwohnern eine enorme Anzahl“, sagte Annen gestern Morgen gegenüber unserer Zeitung.

40 Flüchtlinge leben aktuell in der Unterkunft an der Wischausstraße. Das Haus, das gerade für Asylbewerber gebaut wird und 50 Plätze hat, soll im April 2016 bezugsfähig sein. Über Zelte oder Container – in anderen Kommunen inzwischen Realität – denke Ostbevern nicht nach. Annen: „Wir haben gut vorgearbeitet.“ Dennoch: Mit elf weiteren Flüchtlingen sei Ostbevern am Limit. Heißt: Bei dem anhaltend hohen Flüchtlingsstrom ist es wahrscheinlich, dass bis April 2016 weitere Wohnungen angemietet werden müssen. Und: Der Sozialausschuss wird in seiner Sitzung am 1. September über eine halbe oder sogar volle Sozialarbeiterstelle reden müssen. Ob Ostbevern selber einstelle oder beispielsweise die Caritas oder Awo mit ins Boot holen könne, darüber, so der Bürgermeister, müsse am 1. September auch gesprochen werden.

Zurzeit hat Ostbevern für die Betreuung der Flüchtlingen vier 450-Euro-Kräfte zusätzlich eingestellt: ehemalige Mitarbeiter (auch aus dem Gebäudemanagement) sowie eine ausgebildete Sozialarbeiterin. „Es ist uns wichtig, die Wohnungen, in denen wir Flüchtlinge untergebracht haben, fast täglich aufzusuchen“, sagte Annen gestern. Zum einen, um den Flüchtlingen Sicherheit zu geben, zum anderen, um den Vermietern zu zeigen, „wir kümmern uns, sorgen dafür, dass die Wohnungen nicht abgewohnt werden“. Wahrscheinlich gelingt es der Gemeindeverwaltung Ostbevern dadurch besser als anderen Kommunen, Wohnungen überhaupt anmieten zu können.

Seine Mitarbeiter, das verschwieg Annen am Dienstagmorgen nicht, seien „am Ende ihrer Leistungsmöglichkeiten“. Gebe es vom Bund und Land nicht Entlastungen für die Kommunen, müsse auch mit Ausfällen, sprich Krankheitsfällen, gerechnet werden. „Man lässt uns im Stich.“ Eine „großpolitische Lösung“ fordert Annen – auf Bundes- und auf EU-Ebene.

Das Problem sei, dass diejenigen, die die Entscheidungen träfen, „viel zu weit weg von der Realität sind“.

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