Appell des Dement-Netzes: Ausstellung ansehen
„Vergiss mich nicht!“

Ostbevern -

In der „Keimzelle“, dem Ausstellungsraum direkt vor dem Rathaus in Ostbevern, ist zurzeit eine Ausstellung zu sehen, die dazu beitragen soll, Alzheimer aus der Tabu-Zone zu holen. „Es kann jeden von uns treffen.“

Dienstag, 22.09.2015, 10:09 Uhr

Gemeinsam stärker sein, zusammen mehr bewirken: Das Demenz-Netz Ostbevern/Telgte lädt alle Bürger und Besucher Ostbeverns dazu ein, an der „Keimzelle“ eine Minuten zu verweilen und sich die Ausstellung zum Weltalzheimertag anzusehen.
Gemeinsam stärker sein, zusammen mehr bewirken: Das Demenz-Netz Ostbevern/Telgte lädt alle Bürger und Besucher Ostbeverns dazu ein, an der „Keimzelle“ eine Minuten zu verweilen und sich die Ausstellung zum Weltalzheimertag anzusehen. Foto: bl

Der alte Mann sitzt teilnahmslos mit acht anderen Männern und Frauen am Tisch. Er ist in einer anderen Welt. Einfach weg. Geht es ihm gut? Ist er verzweifelt? Fühlt er sich allein? Plötzlich ist er da. Jemand hat einen schwarzen Zylinder aus einem Erinnerungskoffer hervorgeholt. „So einen hatte ich auch einmal – bei meiner Hochzeit hatte ich genau so einen auf“, sagt er. Er lacht. Und er beginnt zu erzählen. „Ich sah gut aus. Und meine Frau erst mal.“ Der Mann ist an Alzheimer erkrankt. Jetzt strahlt er. Jetzt geht es ihm gut. Das ist sicher.

Solche und ähnliche Szenen kennen alle, die mit Alzheimerpatienten zu tun haben – zum Beispiel Irmgard Alfermann , Ansprechpartnerin der Betreuungsgruppe für Demenzkranke in Telgte und Ostbevern der Alzheimer Gesellschaft Münster. „Es ist wichtig, dass das Selbstwertgefühl erhalten bleibt. Wir haben viel Freude und Spaß in der Gruppe“, sagt sie.

Seit dem Wochenende ruft das Demenz-Netz Telgte/ Ostbevern, zu der auch die Alzheimer Gesellschaft Münster gehört, jeden dazu auf, sich einige Minuten Zeit vor der „ Keimzelle “ zu nehmen. In dieser Glaskonstruktion vor dem Rathaus an der Hauptstraße stellt das Demenz-Netz in den kommenden zwei Wochen aus. Anlass: der Weltalzheimertag, der am 21. September begangen wird.

„Alzheimer ist immer noch ein Tabu-Thema“, nennt Constantin von Schmiedeberg vom Pflegedienst „Mobile“, der ebenfalls zum Demenz-Netz gehört, den Grund für diese Ausstellung an einem zentralen Ort. „Es kann jeden von uns treffen.“

Zu sehen sind Bilder, die an Demenz erkrankte Männer und Frauen gemalt haben. Ausgestellt ist auch ein Erinnerungskoffer, dessen Inhalt aus längst vergangenen Zeiten Menschen wieder zurückholen können ins Hier und Jetzt – so wie den alten Mann, der den anderen im Raum auf einmal glücklich von seiner Hochzeit erzählte. Darüber hinaus informiert das Demenz-Netz in der „Keimzelle“ über sich und seine Arbeit. Ansprechpartner werden genannt, die weiterhelfen.

„Vergiss mich nicht!“ Diese drei Worte seien immens wichtig, betont bei der Eröffnung der Ausstellung in Ostbevern an diesem sonnigen Frühherbstmorgen Karla Papendorf vom Seniorenbüro der Stadt Telgte, das auch Mitglied im Demenz-Netz ist. „Demenzkranke wollen nicht vergessen werden, auch wenn sie selbst das Gedächtnis verlieren – sie haben aber noch ganz viele Fähigkeiten.“ Diese müsse die Außenwelt wahrnehmen, respektieren und fördern. „Vergiss mich nicht!“ – das gelte auch für die Angehörigen. Die Gesellschaft dürfe sie nicht alleinlassen.

Das Demenz-Netz besteht mittlerweile seit fünf Jahren. Der regelmäßige Austausch steht im Vordergrund. Gemeinsame Angebote wie etwa Kurse für pflegende Angehörige oder Filmvorführungen und Fachvorträge werden organisiert. Auch die Klinik Maria Frieden in Telgte, das St. Rochus-Hospital oder die Kirchengemeinde St. Marien sind unter anderen Mitglieder. In Ostbevern gehören „Die Mobile“ und die Gemeinde Ostbevern zum Netz; Ansprechpartnerin für die Gemeinde ist Ulrike Jasper. Sie ist unter ✆ 0 25 32/82 22 zu erreichen.

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