Loburger Schlosskonzert
Virtuos am Flügel und mit der Sprache

Ostbevern -

„Das wird“, versprach Dr. Michael Bähr, „ein ganz besonderes Konzert.“ Der Vorsitzende der Loburger Schlosskonzerte wies darauf hin, dass es in Musikerkreisen eine seltene Begabung sei, gleichzeitig virtuos zu spielen und zu den Musikstücken ebenso virtuos zu referieren. „Unser Gast ist eine solche Ausnahme“, sagte Michael Bähr – und sollte Recht behalten.

Dienstag, 15.03.2016, 07:03 Uhr

Heribert Koch war zu Gast im Rittersaal und präsentierte beim letzten Loburger Schlosskonzert dieser Saison Bach, Liszt und Reinecke.
Heribert Koch war zu Gast im Rittersaal und präsentierte beim letzten Loburger Schlosskonzert dieser Saison Bach, Liszt und Reinecke. Foto: Biniossek

Denn was Pianist Heribert Koch beim letzten Konzert dieser Saison im Rittersaal bot, ist tatsächlich die Ausnahme. Erläuterungen gab es vor jedem Stück, mal spaßig, mal ernst, immer informativ, oft überraschend. Aber vor allem kurzweilig berichtete Koch über Bach und Liszt , über den weitgehend unbekannten Komponisten Carl Reinecke (1824 - 1910), und natürlich über die Zeiten, in denen die begnadeten Musiker wirkten. Ein Schlenker hier zu Liebeleien, einer über Beziehungen der Komponisten zu Freunden und Konkurrenten: Koch spannte immer einen Bogen vom Kunstschaffenden zu dessen Kunstwerk.

Diese Werke präsentierte der Pianist und Pädagoge mit internationalem Ruf gefühlvoll, temporeich, fast malerisch in den Pianopassagen. Zum Einstieg gab es Johann Sebastians Bachs (1685 - 1750) Orgelfantasie und Fuge g-Moll nach einer Transkription für Klavier von Franz Liszt. Dunkel und schwer die erste Hälfte, fast introvertiert, um dann fröhlich-drängend zu enden. Fast hörte man das Wasser über die Kaskaden plätschern, dann sich stürzend an Steinen brechen, in einem Gebirgssee ruhen, um sofort wieder kaskadengleich in steilem Gefälle Fahrt aufzunehmen.

„Es ist selten, dass Liszts Liebestraum den Weg in das offizielle Programm findet. Eher ist es der Fall, dass es als Zugabe aus der Bonbon-Dose gezogen wird“, sagte Koch. Dabei habe Notturno Liebestraum Nr. 3 As-Dur solches nicht verdient. „Es ist ein Meisterwerk, ein ernsthaftes Stück, eben keine gefällige Schnulze.“ Romantisch-tänzerisch und mit großer Fingerfertigkeit präsentierte der Pianist Liszts (1811 - 1886) Liebestraum, um diesen dann wieder nachdenklich, ruhig, fast traurig enden zu lassen. Tatsächlich ein Stück, das mit einem Hauch ungarischer Zigeunermusik gewürzt das Herz berührte.

Träumerisch, nachdenklich und fein abgestimmt von Piano zu Forte in „Kindesträume“ und „Abendsonne“, dann im Ad Astra auch schwermütig, spielte Koch Carl Reineckes in den 1890er Jahren komponierten Zyklus „Von der Wiege bis zum Grabe“ op. 202. Und zum Ausklang nach der Pause gab es Liszts Sonate h-Moll und natürlich als Zugabe auch einen Griff in die Bonbon-Dose. Im Übrigen ein Kock’sches Schmankerl: Liszts Töchter wurden von Reinecke in Paris am Klavier unterrichtet. Die zweite Tochter Cosima heiratete schließlich in zweiter Ehe Richard Wagner und war bis 1906 Leiterin der Bayreuther Festspiele .

„Wir freuen uns auf die kommende Spielzeit“, sagte Vereinsvorsitzender Bähr und dankte allen, die zum Erfolg der Loburger Schlosskonzerte beitragen.

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