Caritassonntag: Besonderer Gottesdienst
„Wir hatten keine Wahl“

Ostbevern -

Die Erzählung von Marah Alasaad, die von ihrer Heimatstadt Damaskus und der Flucht sprach, war bedrückend und bewegte die Zuhörer beim Gottesdienst anlässlich des Caritassonntages. Über einhundert Besucher waren gekommen, um ihren Ausführungen zuzuhören.

Dienstag, 20.09.2016, 08:09 Uhr

Weit über 100 Besucher nahmen am Gottesdienst am Fair-Teiler teil.
Weit über 100 Besucher nahmen am Gottesdienst am Fair-Teiler teil. Foto: Anne Reinker

Dieser Gottesdienst bewegte: Am Fair-Teiler kamen am Sonntag weit über 100 Besucher zu einer außergewöhnlichen Messe zusammen. Der gesangliche Vortrag von Richard Adu und der Bericht über ihre Flucht von Marah Alasaad schafften ganz besondere Eindrücke. Im Anschluss sorgte ein Team aus den Reihen der Pfarrcaritas für einen Mittagsimbiss.

„Es ist schon eine gute Tradition geworden, am Caritassonntag hier zusammenzukommen“, begrüßte Pfarrer Michael Mombauer die Besucher. Hier, am Fair-Teiler und der Kleiderstube, sei ein Ort, an dem Sorgen geteilt werden und Bedürftige Zusprache erfahren würden. Der Caritassonntag erinnere daran, dass Menschen auch im Schatten stehen, sagte der Geistliche.

Begleitet von Matthias Hellmons am Klavier sang Richard Adu aus Ghana mit volltönender Stimme „Amazing Grace“, eines der beliebtesten Kirchenlieder weltweit. Die Erzählung von Marah Alasaad, die von ihrer Heimatstadt Damaskus und der Flucht sprach, war bedrückend und bewegte die Zuhörer. „Syrien vor dem Krieg war für viele Leute eine Geschichte von Glück, Verständnis und Liebe“, sagte die 20-Jährige. Damaskus sei eine Stadt voller Leben und wichtiger Tradition gewesen. „Wir hatten vor dem Krieg ein schönes Leben“, erinnerte sich Marah Alasaad, die in Damaskus Agrarwissenschaft studierte.

Merklich schwer fiel ihr die Beschreibung vom Tod ihrer besten Freundin, die durch die Explosion einer Autobombe ums Leben kam. Sehr ergriffen lauschten die Besucher dem Vortrag der jungen Frau, die vor rund einem Jahr nach Deutschland kam. Auch auf der Flucht über den Libanon, durch die Türkei und Ungarn machte Marah Alasaad schlimme Erfahrungen.

Mit Viehtransportern und Bussen flüchtete sie in einer großen Gruppe. Ein Schlauchboot, ausgelegt für 20 Personen, wurde von Schleppern mit über 40 Menschen belegt. „Wir hatten keine Wahl“, erklärte Alasaad. Bei sehr hohem Wellengang in der Ägäis habe man in der Nacht die Hilfeschreie anderer Flüchtlinge gehört, die mit ihrem Boot kenterten. „Wir konnten nicht helfen, eine furchtbare Situation“, sagte sie. Viele der Menschen seien dabei ums Leben gekommen. Die Flucht vor der Polizei in Ungarn mit einem mehrtägigen Gefängnisaufenthalt waren weitere erschreckende Erlebnisse. „Die Ankunft in Deutschland war wie ein Traum, der wahr wird“, beendete Marah Alasaad ihren Bericht. Sie sei sehr dankbar, bei Verena und Christoph Speicher ein neues Zuhause gefunden zu haben. „Sie sind meine Familie hier.“

Nach dem Gottesdienst blieb man noch eine Zeit lang beisammen, tauschte sich über das Gehörte aus und stärkte sich mit dem angebotenen Mittagessen.

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