In der Loburg gibt’s einen Schulzoo
Schabe grüßt Rennmaus

Ostbevern -

Die Loburg hat 2500 Euro für ihren (fast) neuen Schulzoo gewonnen. Der begeistert damit offensichtlich nicht nur Schüler und Lehrer, sondern eben auch die Adelheid-Windmöller-Stiftung.

Donnerstag, 29.12.2016, 09:12 Uhr

Cedrik Luppe hält eine Stabschrecke in der Hand.
Cedrik Luppe hält eine Stabschrecke in der Hand. Foto: Bettina Laerbusch

Cedric Luppe macht’s. Er nimmt das schwarze, gepanzerte Lebewesen aus der Hand von Dr. Thorsten Pickel entgegen, lässt es in seine eigene Hand gleiten. Und das kleine Tier macht das, was sein Name verspricht: Es faucht, deutlich hörbar und mehrmals. Eine waschechte – noch dazu für europäische Augen überdurchschnittlich große – Schabe berührt da gerade die Haut von Cedrik. Der Schüler der Klasse 7 a der Loburg hält eine Madagaskar-Fauchschabe in seiner rechten Hand. Ein Terrarium weiter scheinen gerade zwei Rennmäuse Verstecken zu spielen. In einem weiteren Glasbehältnis leben Stabschrecken. Nicht zu vergessen: die Zwergkrallenfrösche und die Fische. Auch das Aquarium der Flossentiere reinigen gerade einige Schüler.

Es ist Mittwoch, der vorletzte Schultag vor den Weihnachtsferien, kurz nach 13 Uhr. Die Schulzoo-AG ist zusammengekommen. 40 Schülerinnen und Schüler, 13 bis 15 Jahre alt, gehören ihr an. „Als wir diese Arbeitsgemeinschaft ins Leben gerufen haben, dachten wir, dass vielleicht 20 Schüler daran Interesse haben würden“, verrät Michael Bertels. Der Schulleiter lächelt – oder grinst er? Auf jeden Fall freut er sich riesig darüber, dass der Schulzoo in der Loburg so gut ankommt. Die neue AG wurde flugs geteilt, nicht nur Thorsten Pickel leitet sie, sondern auch seine Kollegin, die Biologielehrerin Beate Schöne . Wenn die 40 Schüler zusammenkommen, beschäftigt sich die eine Hälfte mit der erforderlichen Theorie, die andere geht ganz praktisch ans Werk, füttert die Lebewesen, macht deren Zuhause sauber.

Thorsten Pickel war es, der vor gut einem Jahr die Idee zu diesem Schulzoo hatte. Dabei ging es ihm zunächst gar nicht um eine Schulzoo-AG, sondern um den Differenzierungskurs Naturwissenschaften. Pickel ist nicht nur ausgebildeter Lehrer. Er ist auch Zoologe. Nur deshalb hat er überhaupt die Berechtigung, einen Schulzoo aufzubauen. Promoviert hat Thorsten Pickel im Bereich Verhaltensbiologie. Sein Grundgedanke in Sachen Schulzoo war zunächst, mit Schülern der achten und neunten Klassen, die den Differenzierungskurs Naturwissenschaften gewählt haben, das Verhalten von Tieren zu studieren. „Ich kann schon als Schüler selbst experimentieren, nicht erst in der Uni als Student“ – durch den Schulzoo sei es möglich, dieses Bewusstsein bei den Kindern und Jugendlichen zu verankern, erläutert Michael Bertels. Thorsten Pickel nennt ein Unterrichtsbeispiel: Zusammen mit Schülern des Differenzierungskurses baute er ein Labyrinth für die Mäuse auf. Durch das mussten sie ihren Weg zurück in ihre Zuhause finden. Die Schüler sahen mit eigenen Augen: Je öfter die Mäuse in demselben Labyrinth vor der selben Aufgabe standen, desto schneller fanden sie den Weg. Bedeutet: Mäuse haben ein Gedächtnis. Das kann einem theoretisch ein Lehrer vermitteln, es aber selbst zu sehen, bleibt hängen – und macht nebenbei viel mehr Spaß.

„Der Gedanke, eine Zoo-AG zu gründen“, berichtet Thorsten Pickel, „hat sich dann schleichend entwickelt“. Diese AG hat die Aufgabe, die Tiere zu versorgen. Das theoretische Hintergrundwissen gibt es natürlich von Beate Schöne und Thorsten Pickel dazu. Die Angst vor Tieren ab- und stattdessen Respekt vor ihnen aufzubauen und letztendlich Interesse für die Natur und die Umwelt zu entwickeln, das, so Thorsten Pickel, sei das Ziel. Wer die Schüler bei der Arbeit beobachtet, sieht sofort: Es funktioniert. Sie haben keine Angst vor den Krabbeltieren, gehen behutsam mit der Stabschrecke und der Fauchschabe um. Den Mäusen haben sie Namen gegeben. An diesem Mittwochmorgen, drei Tage vor Weihnachten, applaudieren sie, als Thorsten Pickel ihnen erzählt, dass die Loburg mit dem Schulzoo den mit 2500 Euro dotierten Preis der Adelheid-Windmöller-Stiftung gewonnen hat.

Die Zoo-Idee begeistert übrigens nicht nur den Schulleiter, die Schüler sowie Thorsten Pickel und Beate Schöne. Sie begeistert die gesamte Bio-Fachschaft an der Loburg, die aus zehn Lehrern besteht. Die kümmern sich jetzt auch in den Weihnachtsferien um die Tierchen. Die Schüler dürfen das – noch – nicht erledigen. Thorsten Pickel und Beate Schöne trauen ihnen zwar zu, diese Verantwortung zu übernehmen. Doch bisher befindet sich der Zoo in einem sensiblen Trakt der Schule, zu dem nur die Lehrer einen Schlüssel haben. „Mit den 2500 Euro“, so Thorsten Pickel, „werden wir jetzt räumliche Veränderungen vornehmen, so dass dann auch die Schüler in den Ferien für die Tiere sorgen können.“ Patenschaften zu vergeben, das ist das Ziel.

Apropos Fressen: Was nimmt eigentlich so eine Stabstrecke zu sich, was frisst eine Rennmaus? Erstere zum Beispiel Brombeerblätter, sie ist Vegetarierin. Und die Mäuse? „Unsere Rennmäuse bekommen Mehlwürmer, manchmal Katzenfutter, meistens eine Körnermischung“, verrät Thorsten Pickel.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4525363?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F129%2F4852433%2F4852434%2F
Maskierte Männer überfallen Supermarkt in Borghorst
Kassiererin mit Schusswaffe bedroht: Maskierte Männer überfallen Supermarkt in Borghorst
Nachrichten-Ticker