Mehr Freiraum für Schüler gewünscht
Schulleiter tendiert zur G9-Rückkehr

Ostbevern -

Rund eine Million Unterzeichner benötigt das Volksbegehren der Landeselternschaft NRW, damit sich der Landtag mit der Forderung nach einer Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren beschäftigt.

Montag, 30.01.2017, 05:01 Uhr

Schulleiter Michael Bertels befürwortet eine Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren (G9). Der Ganztag bliebe aber dennoch am Gymnasium Johanneum.
Schulleiter Michael Bertels befürwortet eine Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren (G9). Der Ganztag bliebe aber dennoch am Gymnasium Johanneum. Foto: Biniossek

Die Landeselternschaft NRW hat ein Volksbegehren auf den Weg gebracht. Sie will die Schraube von G8 an Gymnasien wieder zum G9, also dem Abschluss zum Abitur nach neun Jahren, zurückdrehen. Der Landeswahlleiter hat das Volksbegehren zugelassen, sodass die Initiative „G9 jetzt NRW“ mit dem Sammeln von Unterschriften beginnen kann. Rund eine Million Befürworter des Abiturs G9 benötigen die Initiatoren, damit sich der nordrhein-westfälische Landtag mit dem Volksbegehren auseinandersetzen muss. Unterschriftenlisten dazu liegen auch bei der Gemeinde Ostbevern vom 2. Februar bis zum 7. Juni während deren Geschäftszeiten aus.

„Das G8 kam plötzlich und für viele Schulen überraschen“, berichtet Schulleiter Michael Bertels im Gespräch mit den WN. Die Schülerinnen und Schüler der ersten Jahrgänge dieser verkürzten Schulzeit „waren sehr gebeutelt“, erinnert sich Bertels, und die Schule musste sich gänzlich neu aufstellen. „Niemand hatte sich Gedanken darüber gemacht, wie man das Curriculum entlasten kann. Die Schülerinnen und Schüler mussten also den gleichen Unterrichtsstoff statt in neun nun in acht Schuljahren meistern.“ Dies führte schließlich an der Loburg zum gebundenen Ganztag. „Und wir führten zur Entlastung der Schüler das Doppelstundenmodell ein“, sagte der Rektor. 2013 legten die ersten G8- zusammen mit den letzten G9-Schülern in einem Doppeljahrgang das Abitur ab.

Nach anfänglichen Problemen nicht nur bei den Schülern, sondern auch bei den Lehrern, „hat sich die Sache jetzt stabilisiert. Eltern und Schüler sind zufrieden“, weiß der Schulleiter aus vielen Gesprächen „Aber“, sagt Michael Bertels weiter, „ich wünsche mir für unsere Schule dennoch eine Entspannung, was mit G9 gegeben wäre. Wir sollten Freiräume schaffen für mehr Berufsfindung oder Projektarbeiten“, nennt Bertels zwei Beispiele von schulischem Leben, das es mit G8 in der gewünschten Form nicht gebe.

„Die Gedankentiefe unserer Schüler ist nicht mehr so, wie zu Zeiten von G9. Ein Jahr älter zu sein macht in diesem Alter enorm viel aus.“ Zudem, hebt der Schulleiter hervor, seien die Jungen, die eine spätere Pubertät durchlaufen als die gleichaltrigen Mädchen, durch G8 benachteiligt. „Wünschenswert wäre deshalb, dass alle Schüler in angemessener Zeit ihr Ziel erreichen dürfen.“ Das bedeute nach neun Jahren, oder wie das an der Loburg vor G8 praktiziert wurde, mit einem Gruppenspringen. „So könnten die einen nach neun, andere aber schon nach acht Jahren zum Abitur geführt werden, ohne dass der soziale Zusammenhalt darunter leidet.“

Doch egal, ob in Nordrhein-Westfalen wieder das Abitur nach neun Gymnasialjahren eingeführt wird, bleibt das Gymnasium Johanneum im Ganztag, betont Michael Bertels. „Er bringt Verlässlichkeit und Ruhe in den Alltag.“ Und ganz wichtig ist ihm in diesem Zusammenhang, dass die Hausaufgaben in der Schule erledigt werden. „Wenn unsere Schüler nach Hause kommen, haben sie verlässlich freie Zeit.“

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