Skulpturen aus Eis
Vergängliche Kunstwerke

Ostbevern -

Es sind vergängliche Kunstwerke, die Michael Mersbäumer mit seinem Sohn Hendrik schafft: Der Gastwirt schnitzt aus Eisblöcken Hingucker für Festlichkeiten.

Mittwoch, 26.04.2017, 11:04 Uhr

An einer Muschel  für den 60. Geburtstag eines Gastes arbeiteten Hendrik und Michael Mersbäumer.
An einer Muschel  für den 60. Geburtstag eines Gastes arbeiteten Hendrik und Michael Mersbäumer. Foto: Reinker

Es sind vergängliche Kunstwerke , die Michael Mersbäumer schafft. Skulpturen , die nur auf Fotos, Filmen und im Gedächtnis in Erinnerung bleiben. Denn seine Figuren sind aus schmelzendem Eis. Trotzdem sind die Werke gefragt, denn sie geben jedem Event eine besondere Note.

Seinen Ursprung hat das Ice-Carving in Japan , schon vor mehreren Jahrhunderten schmückte man dort so die festlichen Tafeln. In der Schweiz kam Michael Mersbäumer erstmals mit dieser Kunstform in Kontakt, seit etlichen Jahren betreibt er sie selber. Und er ist einer der wenigen, die diese Kunst in Deutschland ausüben.

„Man arbeitet sich warm“, sagt Michael Mersbäumer mit einem Schmunzeln. Lässt er die Kettensäge an, fliegen die Eisspäne. Den etwa 150 Kilogramm schweren Eisblock, für den Gastronom ein Rohdiamant, bezieht er von einem Spezialbetrieb in Limburg an der Lahn.

Bei Mersbäumer angekommen, wird er zu Beginn mit den Umrissen der geplanten Figur markiert. Schon da ist Vorsicht geboten, denn abgeplatzte Stücke können einen Eisblock unbrauchbar machen. „Pfusch ist kaum möglich“, betont Mersbäumer. „Was wegbricht, ist weg.“ Nach der motorisierten Säge geht es mit japanischem Spezialwerkzeug, verschiedenen Meißeln, Messern und der Handsägen weiter. Der letzte Schliff wird dem Objekt mit einer Gasflamme sowie einem speziellen Bügeleisen gegeben. Hilfe bekommt Michael Mersbäumer dabei von seinem Sohn Hendrik, der Spaß an dieser Kunst gefunden hat.

Über 100 verschiedene Skulpturen hat der Ostbeverner schon kreiert. „Der Adler ist sehr beliebt“, hat der Hobbykünstler in den vergangenen Jahren festgestellt. Aber auch tropische Vögel, Schwertfische oder Bauwerke sind so schon entstanden. „Ein Paar hat sich einmal zu seiner Hochzeitsfeier den Eiffelturm gewünscht“, erinnerte sich Michael Mersbäumer. „Weil sie sich in Paris kennengelernt haben.“ Für runde Geburtstage ist die Jubiläumszahl oft gefragt. Im Auftrag für Fernsehproduktionsfirmen oder Telekommunikationsanbieter hat er schon die Firmenlogos aus dem kalten Werkstoff geschnitzt. „Man kann fast alles aus Eis machen“, erklärte er. „Es müssen aber bestimmte Formen da sein, damit sie wirken können.“ Bis zu vier Stunden dauert die Arbeit, bis das Kunstwerk fertig ist. Danach kommt es direkt in die Kühlräume der Gaststätte.

Besonders in Erinnerung geblieben ist Mersbäumer ein Auftrag für die Loburg, für die er eine Figur schuf. „Im Unterricht sprach der Religionslehrer damals mit den Schülern über das Vergängliche“, sagt der Kreative. So erfuhr die Figur mit ihrem langsamen Schmelzvorgang eine außergewöhnliche Würdigung.

Der Schmelzvorgang dauert bei einer Raumtemperatur von 25 Grad etwa 15 Stunden. Bei Veranstaltungen wird das Werk mit Farbeffekten, Nebel und Musik bei der Präsentation besonders in Szene gesetzt. „Es existiert die ganze Feier lang über, und durch den Schmelzvorgang gibt es immer wieder neue Effekte“, begeisterte sich der Koch selber über diese Kunst. Er verglich sie mit den Speisen aus seiner Küche. „Es sind tolle Augenblicke, die leider vergänglich sind, aber in der Erinnerung weiterleben.“

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