Ausprobiert!
Von der Kunst der Lockerheit

Ostbevern/Telgte -

Bernhard Tenckhoff (Handicap 16) hat WN-Mitarbeiterin Anne Reinker mit auf den Platz genommen.

Mittwoch, 17.05.2017, 06:05 Uhr

So schwierig ist das doch eigentlich gar nicht: Bernhard Tenckhoff gibt Anne Reinker die ersten Tipps.
So schwierig ist das doch eigentlich gar nicht: Bernhard Tenckhoff gibt Anne Reinker die ersten Tipps. Foto: Privat

Golf ist elitär und teuer. Oder: Auf den Plätzen herrscht eine strenge Etikette. In diese Schubladen wird diese Sportart gerne gesteckt. WN-Mitarbeiterin Anne Reinker wollte es genau wissen – und hat sich mit Bernhard Tenckhoff getroffen. Seit sieben Jahren ist er Golfsportler, mittlerweile mit Handicap 16. Der Ostbeverner hat Anne Reinker eine kleine, feine Unterrichtseinheit auf den Platz des Telgter Golfclubs Gut Hahues spendiert. Sie hat’s also selbst mal ausprobiert.

Bekanntschaft gemacht mit diesem Sport habe ich bisher nur mittels Spielekonsole. Und Minigolf habe ich auch schon mal gespielt. Das Areal des Clubs hat dagegen ganz andere Dimensionen. Bei einer Rundfahrt mit dem Golfcart kann ich mir ein Bild von der Anlage machen, die zwei Plätze mit insgesamt zwölf Spielbahnen umfasst. Jetzt gibt es erst einmal ein wenig Theorie. „Golf ist die Kunst der Lockerheit“, erklärt Tenckhoff mir. Denn mit weniger Krafteinsatz erreiche der Schlag eine umso größere Weite. Ein guter Sport, um „den Kopf frei zu kriegen“, meint er. „Golf spielt sich in starkem Maße zwischen den Ohren ab“, fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu. Laut Sportwissenschaftlern sei es nach dem Stabhochsprung die am schwersten zu erlernende Sportart. Oh wei, das kann ja heiter werden.

Entspannend ist für mich die Tour mit dem Cart, in dem ich mich chauffieren lasse. Ein wenig Neid beschleicht mich mit Blick auf den perfekten Rasen ohne Moos und Maulwurfshügel. Verantwortlich dafür ist ein „Greenkeeper“ – zweifellos ein Fulltime-Job. Die Weite der Grünfläche, die von einigen Schafen zur Rasenpflege begrenzt wird, ist ebenso beeindruckend. Spielt man die Bahnen des Platzes komplett durch, ist man mehrere Stunden unterwegs und legt etwa zehn Kilometer zu Fuß zurück, erfahre ich.

Der Altersdurchschnitt liegt bei Golfclubs recht hoch, das ist auch in Telgte nicht anders. Trotzdem wird auch hier über die Generationen hinweg gespielt, die Altersspanne der über 550 Mitglieder reicht von vier bis 88 Jahren. „Wir erfahren hier eine sehr gute Resonanz“, sagt „Golf-Pro“ Pierre Jünemann, der als Lehrer auf dem Platz unterwegs ist. „Es steigen viele zwischen 20 und 40 Jahren ein.“

Genug der Worte, jetzt zählen Taten. Den Trolley mit dem Schlägersatz vor mich herschiebend, geht es auf eine Bahn. Ein Satz besteht aus einem Putter (zum Einlochen des Balles), Schlägern mit unterschiedlichen Längen und Neigungswinkeln entsprechend der Strecken sowie einem Driver (für weite Abschläge). Mit mir als blutige Anfängerin meint Bernhard Tenckhoff es gut: Wir gehen direkt zu einem Loch, für ein schnelles Erfolgserlebnis legt er mir den Ball rund einen Meter davor auf den Boden. „Die erste Kunst ist es, den Ball überhaupt zu treffen“, meint der Ostbeverner. Das gelingt mir überraschend gut, wenngleich die Kugel auch nicht auf Anhieb ins Loch rollen will.

Beim Abschlag gilt: die Beine in Schulterbreite auseinander, die Knie leicht gebeugt und die Arme – als Verlängerung der Schläger – durchgestreckt. Und dann mit Schwung den Ball auf die Bahn befördern. Mir wird sofort klar, dass das eine gewisse Technik und Erfahrung erfordert und leichter aussieht als es tatsächlich ist.

Das Schöne an diesem Sport ist, dass man nicht gegen einen Gegner spielen muss, sondern nur gegen das eigene Handicap antreten kann. Natürlich müssen, vor allem um einen ungestörten Ablauf und die Sicherheit der Spieler zu gewährleisten, Regeln eingehalten werden. Zudem sind etwa Telefonieren und das Tragen von Stöckelschuhen verpönt. Klar, das mit den Schuhen leuchtet ein. Und das mit dem Telefonieren ist klug.

Für mich ein Sport, den ich mir vielleicht in einigen Jahren vorstellen kann. Man muss aber zwei Sachen mitbringen: Zeit und auch das nötige Kleingeld, denn das Spiel erfordert Muße und ist – wohl auch aufgrund der hohen Kosten der Clubs – keine billige Angelegenheit. Elitär und abgehoben wirkt der örtliche Club, dem zu etwa 40 Prozent Telgter und Ostbeverner angehören, aber nicht.

Was hat Bernhard Tenckhoff da eben noch mal gesagt? Dieses: „Das Gemeinschaftsgefühl ist die Stärke des Clubs.“

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