Strom statt Sprit
Wenn der Weg das Ziel ist

Ostbevern -

Nicht nur die Gemeinde, auch Privatmenschen in der Bevergemeinde haben sich für ein Leben mit einem Elektroauto entschieden. Diskutieren die meisten Autofahrer derzeit vor allem darüber, ob ein Benziner oder Diesel „sauberer“ sei, stehen diese Menschen vor ganz anderen Herausforderungen in der täglichen Mobilität.

Mittwoch, 30.08.2017, 20:08 Uhr

Sehr zufrieden mit ihrem E-Auto sind Katja und Uwe Stöcker. Bezüglich der Infrastruktur sehen sie aber erheblichen Nachholbedarf, nicht nur im Kreis Warendorf
Sehr zufrieden mit ihrem E-Auto sind Katja und Uwe Stöcker. Bezüglich der Infrastruktur sehen sie aber erheblichen Nachholbedarf, nicht nur im Kreis Warendorf Foto: Rohling

Diesel oder Benziner? Das ist die Frage, die derzeit durch die Medien geistert. Eine Diskussion, die die Familie Katja Dürschlag, Uwe Stöcker und ihre Tochter nur bedingt verfolgen, stehen sie im mobilen Alltag doch vor ganz anderen Herausforderungen. „Wir haben uns unser Elektroauto im Februar 2015 gekauft“, erinnert sich Uwe Stöcker.

Soweit sie wissen, waren sie der zweite Haushalt in der Bevergemeinde, der das Abenteuer E-Mobiltät aktiv angegangen war. „Wir haben in einem Zeitungsartikel in den WN über den Haushalt in Ostbevern und seine Erfahrungen mit der neuen Technik gelesen. Das hatte uns in unserer Entscheidung noch mal bestätigt“, erinnert er sich.

Es ist vor allem Katja Dürschlag, die das Auto in der Familie bewegt. „Ich fahre mit dem Auto zur Arbeit nach Osnabrück. Egal welches Wetter, das klappt hervorragend“, berichtet sie zufrieden.

Das Fahren und Leben mit einem Elektroauto hat zwar die Mobilität der Familie nicht eingeschränkt, ihr Denken darüber aber schon. „Das Auto erzieht einen zu einem anderen fahren. Und damit meine ich noch nicht mal das digitale Feedback zu meinem Fahrstil, den ich mir anzeigen lassen kann“, sagt Dürschlag. So würde unter anderem vorausschauendes Fahren mit mehr Reichweite belohnt werden. Sehr hilfreich, vor allem im Winter, wenn das kalte Wetter den Bewegungsradius merklich reduziert. Und genau das ist einer der Punkte, die die Familie noch optimierungsbedürftig findet.

„Die Reichweite ist mit 120 Kilometern bei uns eher eingeschränkt. An sich kein Problem – auch wenn manchmal eine größere Reichweite ganz schön wäre“, ist sich das Ehepaar einig. Das Problem sei vielmehr die fragile und löchrige Infrastruktur der Betreiber von Ladesäulen. Die seien entweder defekt oder unverschämt teuer, so Uwe Stöcker. „Die aktuelle Situation mit den Ladesäulen erinnert leider mehr an das alte Raubrittertum, statt an moderne Mobilität.“ Das Ehepaar ist sich bewusst, dass sie durch die Photovoltaikanlage auf ihrem Haus beim Tanken daheim kräftig sparen. Aber die derzeitige Situation hat ihre Reiselust bisher eher ausgebremst. „Größere Strecken bedürfen einfach einer guten Planung“, erklärt Stöcker. „Selbst wenn die E-Tankstellen-App sagt, das da eine Ladesäule auf dem Parkplatz steht, heißt das nicht, dass sie frei ist. Sie kann auch defekt oder von einem Auto mit Verbrennungsmotor zugeparkt sein. Es gibt einfach zu wenige und kein einheitliches System.“

Derzeit ist der Zweitwagen der Familie ein klassischer Verbrenner. Doch Uwe Stöcker ist sich sicher: „Wenn ein neues Auto fällig wird, ist das auf jeden Fall ein Hybrid. Wenn das Reichweitenproblem besser gelöst ist, sogar noch lieber ein zweites E-Auto.“

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