Goldene Zeiten in Ostbevern
Kunst in anderem Licht

Ostbevern -

Am Freitag erstrahlt das La Folie in einem ganz eigenen goldenenden Glanz. Dann eröffnet die Künstlerin Nikola Dicke ihre Ausstellung. Mit Hilfe von Rettungsfolien wird der Kunstkubus von ihr in eine „goldene Kammer“ verwandelt. Dia- und Overheadprojektoren, Scheinwerfer und Spiegelungen verwandeln den Raum, lösen ihn praktisch auf.

Dienstag, 16.01.2018, 05:01 Uhr

Die Künstlerin Nikola Dicke stellt ab Freitag für einen Monat im La Folie aus.
Die Künstlerin Nikola Dicke stellt ab Freitag für einen Monat im La Folie aus. Foto: privat

Ab dem 19. Januar verändert sich das Erscheinungsbild von La Folie vollständig. Die Künstlerin Nikola Dicke wird mit Hilfe von Rettungsfolien den Kunstkubus am Ortseingang in eine „goldene Kammer“ verwandeln. Nikola Dicke hat als Zeichnerin eine einzigartige Technik entwickelt, für die sie ungewöhnliches Werkzeug benutzt: Ihr Zeichenmaterial ist nicht greifbar, sie zeichnet mit Licht. Dia- und Overheadprojektoren, Scheinwerfer und Spiegelungen verwandeln den vorhandenen Raum, lösen ihn praktisch auf.

Die Arbeiten der aus dem Ruhrgebiet stammenden, in Osnabrück und Amsterdam lebenden und arbeitenden Künstlerin hinterfragen alltägliche Sehgewohnheiten indem sie neue und faszinierende Seh-Erlebnisse bieten. Inzwischen sind Arbeiten der wissenschaftlichen Mitarbeiterin im Fachbereich Kulturwissenschaften der Universität Osnabrück weit über Deutschland hinaus zu sehen. Nikola Dickes Zeichnungen und Rauminstallationen entstehen meist ortsspezifisch und oft „in situ“, also direkt vor Ort. Auch die Installation „Goldene Kammer“ im La Folie wird so entstehen.

„Der Ausstellungsraum „La Folie“ liegt direkt am Pilgerweg von Osnabrück nach Telgte, wo die Schmerzhafte Muttergottes verehrt wird. Mit dem Titel ,Goldene Kammer` schaffe ich eine Analogie zu dem Beinhaus der St.-Ursula-Kirche in Köln, in dem kostbar verzierte Knochen, die der Legende nach von der Heiligen Ursula und ihren adeligen Gefährtinnen stammen, zu ornamentalen Mosaiken an den Wänden arrangiert wurden,“ erläutert Nikola Dicke ihre Arbeit.

Die Künstlerin hat 2015 für ihre Lichtinstallationen auf dem Pilgerweg Loccum – Volkenroda das Künstlerstipendium der evangelischen Landeskirche Hannovers erhalten. Auch im Kloster Volkenroda ist eine – vom Künstler Andreas Felger gestaltete – goldene Kammer im Kreuzgang der Kirche zu sehen. Anders als beim sakralen Vorbild wird allerdings im „La Folie“ das Gold durch profane metallisierte Rettungsfolien und die Kerzen, die das Gold im Beinhaus zum Leuchten bringen, durch Dia- und Overheadprojektoren ersetzt. „Diese Arbeit ist keinesfalls als eine ironisierende Auseinandersetzung mit Glaubensvorstellungen zu verstehen,“ führt die Künstlerin aus. „Ich sehe manche Analogien zwischen dem barocken Gesamtkunstwerk in der Kölner Kirche, das den Gläubigen die Möglichkeit bietet, sich vor der Reliquie als Stellvertreterin Hilfe und Heil zu erbitten und den modernen Rettungsfolien, die genauso ihre Wirkkraft nur durch die Rückkoppelung mit dem hilfesuchenden Menschen entfalten. Ist es hier die Körperwärme, ist es dort der Glaube.“ Die Künstlerin betont diese Verbindung, indem sie die handgeschriebenen Worte „Heil“ und „Rettung“ auf die Folie projiziert.

Kunst und Spiritualität werden auch die Themen des Künstlergesprächs mit Nikola Dicke und Martina Lückener anlässlich der Eröffnung der Installation sein. Zu der Eröffnung am Freitag, 19. Januar, um 18 Uhr im Kunstkubus an der Telgter Straße lädt der Verein Ostbevern Kultur alle Interessierten ein. Die Installation ist bis zum 18. Februar am Ortseingang zu sehen.

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