Angestellte melden sich zu Wort
„Wir werden aufs Übelste beschimpft“

Ostbevern -

Die Angestellten der Eurobahn leiden auch an den Verfehlungen des Managements, sind sie es doch, die den ganzen Frust der Pendler ungefiltert abbekommen.

Samstag, 27.01.2018, 07:01 Uhr

Die andere Seite der Medaille: Auch die Angestellten der Eurobahn leiden unter den Problem ihres Arbeitgebers.
Die andere Seite der Medaille: Auch die Angestellten der Eurobahn leiden unter den Problem ihres Arbeitgebers. Foto: Matthias Ahlke

Die Probleme mit der Eurobahn reißen nicht ab und die Beschwerden häufen sich. Es werden gefühlt immer mehr. Doch nicht nur Bahnpendler sind frustriert. Auch Angestellte des Unternehmens sind mit der aktuellen Situation mehr als unzufrieden. „Ja, wir habe Verständnis für den Frust und Unmut der Pendler und finden das ist absolut nachvollziehbar“, erklärten Mitarbeiter der Eurobahn gegenüber unserer Zeitung, die namentlich nicht in der Zeitung genannt werden wollen.

„Nur, und das ist auch ein Anliegen unsererseits: Wir, also alle, die im direkten Kontakt mit den Fahrgästen sind, egal in welcher Funktion, können da leider auch nichts für. Wir versuchen nur unseren Job zu machen, müssen doch auch wir am Monatsende Miete überweisen."

Jacken der Mitbewerber als Schutz

Die Beschimpfungen würden derweil soweit gehen, dass sich Kollegen Jacken der Mitbewerber überwerfen würden, wenn sie sich auf dem Bahnhofsgelände bewegen und gerade nicht im aktiven Dienst sind. „Auch hier werden wir immer häufiger von Fahrgästen aufs Übelste beschimpft“, so die Erfahrung der Angestellten.

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Längst nicht alle Entscheidungen ihres Arbeitgebers können die Angestellten nachvollziehen. So berichteten sie unter anderem von dem Modell der Flexi-Schichten. Das bedeutet, dass sie in Bereitschaft stehen und warten, dass sie eingesetzt werden können. „Nur wenn da ein ganzer Zug auf dem Nebengleis steht, und eine ganze Besatzung zur Verfügung steht und klar ist, dass der aktuelle Zug Probleme hat, dann verstehen wir nicht, warum wir nicht losfahren und für Ausgleich sorgen“, geben sie an.

Zum Nichtstun verdonnert

„Klar ist das Schienennetz eng durchgetaktet und geplant – aber zum Nichtstun verdonnert werden, während die Kollegen nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht, lässt einige von uns schon verzweifeln.“

Wie es weitergeht, wissen sie auch nicht. Allerdings sind sie sich einig, dass sie kein Interesse haben, den Pendlern den Tag zu versauen und wohlmöglich durch Verspätungen und Zugausfälle dafür zu sorgen, dass sie ihren Job verlieren. „So wie es jetzt ist, ist die Situation für niemanden befriedigend – egal auf welcher Seite des Systems man steht.“

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