Schwindelerregende Höhe
Baulandpreis lässt Atem stocken

Ostbevern -

245 Euro pro Quadratmeter werden die Interessenten im Baugebiet „Kohkamp III“ auf den Tisch blättern müssen. Denn, das machte Bürgermeister Wolfgang Annen deutlich, „die Erschließungskosten sind der preistreibende Faktor“.

Sonntag, 15.07.2018, 11:52 Uhr
Glücklich können sich Bauherren schätzen, die bereits ein Grundstück haben. Im zukünftigen Baugebiet „Kohkamp III“ müssen Interessenten 245 Euro pro Quadratmeter – einschließlich Erschließung – zahlen.
Glücklich können sich Bauherren schätzen, die bereits ein Grundstück haben. Im zukünftigen Baugebiet „Kohkamp III“ müssen Interessenten 245 Euro pro Quadratmeter – einschließlich Erschließung – zahlen. Foto: Große Hüttmann

Als Bürgermeister Wolfgang Annen den Preis für einen Quadratmeter Bauland im Gebiet „Kohkamp III“ nannte, stockte etlichen Ratsmitgliedern für einen Moment der Atem. 245 Euro pro Quadratmeter werden die Interessenten auf den Tisch blättern müssen. Denn, das machte Annen deutlich, „die Erschließungskosten sind der preistreibende Faktor“.

Nach den bislang vorliegenden Berechnungen müssen die potenziellen Bauherren 130 Euro pro Quadratmeter bezahlen, damit die notwendige Infrastruktur, beispielsweise Kanäle und Straßen, geschaffen werden können. „Die Preise in diesem Bereich sind in der letzten Zeit regelrecht explodiert“, führte Baubereichsleiter Hans-Heinrich Witt aus. Zum Vergleich: Im Baugebiet „Grevener Damm Süd“ mussten die Bauherren „nur“ 180 Euro bezahlen, einschließlich Erschließung.

Nach Angaben von Witt betragen die reinen Herstellungskosten für das Baugebiet rund 7,8 Millionen Euro. Der Abwasserbetrieb TEO wiederum kalkuliert für seinen Part noch einmal 10,5 Millionen Euro, sodass unterm Strich wahrscheinlich 18,3 Millionen Euro in die Erschließung fließen müssen. Bei rund 140 000 Quadratmetern Baulandfläche ergibt das besagte 130 Euro. Neben Preissteigerungen im Bausektor nannte Hans-Heinrich Witt als größere und damit kostenträchtige Posten etwa den rund 18 000 Quadratmeter umfassenden Lärmschutzwall, die großen Regenrückhaltebecken sowie den Kreisel, der alleine mit etwa 600 000 Euro zu Buche schlage.

„Wir sind geschockt“, sagte unter anderem Heinz-Josef Zumhasch ( SPD ) und war damit keineswegs alleine. Vertreter aller Fraktionen waren sich einig, dass es ein solches Preisniveau vor allem jungen Familien und einkommensschwachen Personen erschwere, möglicherweise sogar unmöglich mache, sich den Traum von den eigenen vier Wänden zu leisten.

Während die SPD anfangs eine Erhöhung des Kinderbonus von fünf auf zehn Euro pro Quadratmeter und Kind erwägte, regte Werner Stratmann (Grüne) letztlich wesentlich gezieltere Maßnahmen an. „Die Zeiten der Gießkanne sollten vorbei sein“, sagte er und forderte eine Förderung, die passgenau auf die Einkommen der Bauherren abhebe. Rückendeckung bekam er dabei unter anderem von Michael Füssel (CDU). Er regte an, zu prüfen, ob nicht die Kriterien der KfW-Bank als Maßstab herangezogen werden könnten. Die Verwaltung will mögliche Wege prüfen. Denn, das wurde bei der Abstimmung deutlich: Allen Fraktionen ist das ein großes Anliegen.

Einstimmig entschied sich der Ausschuss zudem für einen Antrag der CDU, den Hubertus Hermanns vorgetragen hatte. Demnach soll verpflichtend ein Drittel der Mehrparteien-Grundstücke mit einer „Mietpreisbremse“ versehen werden. Sechs Grundstücke wird das im ersten Bauabschnitt betreffen. Übrigens: Mehrparteienhaus-Grundstücke sind teurer als andere Flächen. Voraussichtlich 300 Euro pro Quadratmeter sind für Areale, die nicht der „Mietpreisbremse“ unterliegen, zu bezahlen.

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