Bahnhof Ostbevern-Brock
Ein Schildbürgerstreich?

Ostbevern -

Eine Projektnummer trennt die Gemeinde Ostbevern von einer barrierefreien Gestaltung am Bahnhof. Eine Nummer, die es nach derzeitigem Stand der Lage nicht geben wird. Die Deutsche Bahn wird hingegen nur „ihren Bereich“ machen, ohne die in den Startlöchern stehende Gemeinde einzubinden – mit weitreichenden Folgen.

Samstag, 08.09.2018, 15:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 08.09.2018, 15:00 Uhr
Ob, was und vor allem wann am Bahnhof Ostbevern-Brock Maßnahmen zu mehr Barrierefreiheit realisiert werden, ist derzeit noch ungewiss, da es seitens der Deutsche Bahn noch zu keiner gemeinsamen Lösung zwischen dem Unternehmen und der Gemeindeverwaltung gekommen ist.
Ob, was und vor allem wann am Bahnhof Ostbevern-Brock Maßnahmen zu mehr Barrierefreiheit realisiert werden, ist derzeit noch ungewiss, da es seitens der Deutsche Bahn noch zu keiner gemeinsamen Lösung zwischen dem Unternehmen und der Gemeindeverwaltung gekommen ist. Foto: Sebastian Rohling

Bereits im vergangenen Umwelt- und Planungsausschuss war die barrierefreie Gestaltung des Bahnhofs sowie des direkten Umfeld und der Unterführung Thema. „Seit 2015 haben wir die Zusage des Zweckverbands Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), dass siebenstellige Beträge bereitstehen, um die Bahnhofsunterführung barrierefrei auszubauen“, erklärte Bürgermeister Wolfgang Annen. Doch nach aktuellem Stand wird es in absehbarer Zeit nicht dazu kommen, da es bei der Kommunikation seitens der Deutschen Bahn erhebliche Probleme zu geben scheint. „Es gab schon unzählige Treffen mit der Bahn im Beisein des NWL. Die einzelnen Konzernsparten – ,Station & Service‘ sowie ,Netz‘ – schoben sich die Verantwortung für die Betreuung einer solchen Maßnahme gegenseitig zu.“ Was am Ende zu einer Einschaltung des Konzernbevollmächtigten führte – aber auch das ohne Erfolg.

Die Problematik ist die, dass wenn es bis Ende Oktober zu keiner Zusammenarbeit von Bahn und Gemeinde kommt, die Gemeinde ihre Bauvorhaben noch weiter nach hinten verlegen muss. „Die Bahn, hier ,Station & Service‘, hat die Möglichkeit durch ein Zukunftsinvestitionsprogramm, kurz ,ZIP 2‘ genannt, die Planungen für einen barrierefreien Bahnsteig bis zur Leistungsphase vier ausführen zu lassen. Bis zum 31. Oktober müssen die Planungen beim Eisenbahnbundesamt (EBA) eingereicht sein, damit die Mittel des Bundes für die Planung nicht verfallen – und es darf immer nur eine Baumaßnahme eingereicht werden, weshalb eine Zusammenlegung beider Projekte so ungemein wichtig ist.“ Allerdings ist es den Gemeindevertretern bis heute nicht gelungen, das eigene Projekt mit dem der DB AG zusammenzuführen.

Die Gemeinde äußert Unverständnis und ist wenig amüsiert, über das Vorgehen der Bahn. „Ohne eine barrierefreie Unterführung, bringt auch eine Anpassung der Bahnsteige nichts. Zudem werden Steuergelder verschwendet, wenn nicht beide Maßnahmen zugleich geplant und später auch zugleich ausgeführt werden“, sagt Annen, der das ganze als schlechten Schildbürgerstreich versteht. „Die DB sieht allerdings nur das Projekt Gleisanpassung und barrierefreie Gestaltung des Bahnhofs und lässt das Projekt der Gemeinde bewusst außen vor.“ Dabei seien die Kosten für die Unterführung längst gesichert und würden zu 90 Prozent vom NWL übernommen. „Da kann einem echt die Hutschnur platzen“, ist er erbost.

Auf eine schriftliche Nachfrage bei der Bahn seitens der WN wurde auf keine der gestellten Fragen direkt geantwortet. Stattdessen teilt ein Bahnsprecher mit: „Die städtische Planung bezüglich der Rampe zum Bahnsteig ist leider noch nicht so weit fortgeschritten, als dass beide Projekte gemeinsam umgesetzt werden könnten.“ Eine Aussage, der Wolfgang Annen vehement und empört widerspricht: „Das ist nicht richtig. Das ist eine Falschaussage. Wenn überhaupt, fehlen nur noch kleinere Gutachten, die wir aber erst dann in Auftrag geben können, wenn wir endlich eine Projektnummer von der Bahn bekommen.“ Denn vielmehr bedürfe es nicht, damit einer barrierefreien Gestaltung des gesamten Bahnhofs, und nicht nur des Steigs, nichts mehr im Wege steht. „Die Bahnsteige werden barrierefrei auf eine Höhe von 76 Zentimetern ausgebaut, die Bahnsteigkanten erneuert, ein Wegeleitsystem installiert und Windschutz gebaut“, teilt der Bahnsprecher mit. Nur wie man vom Gelände der Gemeinde auf den dann erhöhten Bahnsteig kommt, wird nicht mitgeteilt.

„Wenn die beiden Maßnahmen zusammengeführt werden würden, könnte das Ganze sicherlich in drei bis vier Jahren erfolgen. Ansonsten verschiebt sich der Umbau der Unterführung um ein vielfaches“, bemängelt Annen. Neben den Menschen, die auf Rollstühle, Rollatoren oder einen Kinderwagen angewiesen sind, bedeutet das auch für die Radfahrer, dass ihnen bis auf Weiteres keine adäquate Ausweichmöglichkeit zur sehr steilen Rampe in der Unterführung geboten wird und sie weiterhin den Radweg verlassen müssen und mit dem Auto und LKW-Verkehr über die Schmedehausener Straße (L830) die Gleise überqueren müssen. „Das Projekt ist immens wichtig, weil wir den ÖPNV dringend attraktiver machen müssen, damit der Individualverkehr abnimmt. Ohne einen ansehnlichen und gut zu erreichenden Bahnhof schaffen wir es nicht die Verkehrsströme umzulenken.“

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