Der Natur die Natürlichkeit zurückgeben
Die Bever wieder „richtig“ betten

Ostbevern -

Vor rund einem Jahr war der Spatenstich zur Renaturierung der Bever in Höhe Ostbevern. Im Rahmen der Baumaßnahmen gab es auch eine wissenschaftliche Untersuchung zum ökologischen Zustand des Gewässers. Die Ergebnisse zeigen: es ist nicht alles schlecht, auch wenn noch viel zu tun ist.

Samstag, 10.11.2018, 22:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 10.11.2018, 22:00 Uhr
Mittels Aufschüttungen und gezielter Baumaßnahmen soll die Bever mehr Mäandrieren und so wieder zu einem naturnahen Gewässer werden. Aktuell, das betonte Leonie Jaegers (kl. Bild), sei das ökologische Potenzial nur als unbefriedigend zu bewerten.
Mittels Aufschüttungen und gezielter Baumaßnahmen soll die Bever mehr Mäandrieren und so wieder zu einem naturnahen Gewässer werden. Aktuell, das betonte Leonie Jaegers (kl. Bild), sei das ökologische Potenzial nur als unbefriedigend zu bewerten. Foto: Sebastian Rohling

Die Renaturierung der Bever im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) schreitet mit großen Schritten voran. „Es gibt nur noch einen Abschnitt, an dem wir, sobald der Kampfmittelräumdienst uns grünes Licht gibt, noch baggern müssen“, sagt Hugo Langner vom Wasser und Bodenverband. „Aktuelle Zahlen, veröffentlicht vom WWF, zeigen, das nur acht Prozent der Bäche und Flüsse ,ökologisch intakt‘, ein Drittel der Grundwasservorkommen mit Nitrat und Quecksilber belastet, ,praktisch alle Flüsse‘ zu Wasserstraßen ausgebaut sind“, betonte er bei der Einführung in die Thematik. „Wir nehmen hier nur die erste von vielen Hürden. Es gibt noch viel an der Bever zu tun.“

Dass aber schon so einiges passiert ist (WN berichteten), auch wenn die WRRL derzeit nicht erfüllt wird, dass wird bei einem Termin im Rathaus deutlich. Schwerpunkt des Nachmittags ist ein Vortrag von Leonie Jaegers, eine von sechs Studentinnen des Masterstudiengangs Wasserwissenschaften and der Uni Münster sowie der Fachhochschule Münster. Neben ihr waren auch Laura Isabelle Rieke, Klara Streppel, Sina Ergezinger, Doreen Detzner und Vera Thiede an der Studie beteiligt. Die Frauen hatten im Rahmen eines Studienprojektes noch vor den Baumaßnahmen Untersuchungen an der Bever vorgenommen. Damit sollte der Ist-Zustand des Gewässers erörtert werden. „Aktuell gilt die Bever statt als ,naturnah‘ als ,erheblich verändert‘“, macht die Jaegers deutlich. „Dies soll jedoch bald durch Maßnahmen, die die Wasserrahmenrichtlinie vorschreibt, der Vergangenheit angehören.“ Zumal in dem Vortrag deutlich wird, dass nicht alles schlecht ist, was die Bever betrifft. So sei zwar die Struktur des Flusses stark bis sehr stark verändert worden, aber unter anderem die Wasserqualität sei gut. Auch zeigen drei von zehn Untersuchungsbereichen eine gute ökologische Zustandsklasse. „Die verbleibenden sieben sind dafür derzeit aber nur mäßig bis unbefriedigend“, führt Jaegers weiter aus. „Das ökologische Potenzial ist deswegen insgesamt als unbefriedigend zu bezeichnen.“

Die zuletzt durchgeführten Maßnahmen an der Bever konzentrierten sich auf eine verbesserte Durchgängigkeit des Flusses. „Bauwerke innerhalb der Bever hindern Fische und kleinste Lebewesen, die auf der Sohle des Gewässers leben, an ihrer Wanderung. Deswegen war es richtig und wichtig, die acht Bauwerke, die sich über die gesamte Breite erstreckten, zu entfernen“, sagt die Wissenschaftlerin. Stattdessen wurde die Struktur des Flusses stellenweise verändert, ein Altarm wieder eingebunden und neue Nebenarme geschaffen. An Totholz und kleinen Aufschüttungen vorbei soll die Bever schlängelnd durch das Bett fließen bei Niedrigwasser allen Lebewesen eine barrierefreie Wanderung flussauf- und -abwärts ermöglicht. „Die Bever wird aufgrund unserer Maßnahmen ja nicht leerlaufen. Zudem sorgt die Mäandrierung langfristig dafür, dass in den dynamischen Flussabschnitten Stoffe abgetragen werden und das Bett am Ende tiefer wird. Das kommt dann den Lebewesen in und an dem Gewässer zu gute“, sagte Hugo Langner.

Durch die Dynamik im Flussbett sowie durch die neu geschaffenen Ausweichflächen erhoffen sich alle Beteiligten, dass sich die Biodiversität deutlich verbessert. „Nach Abschluss der Bauarbeiten muss man der Bever jedoch bestimmt noch drei bis fünf Jahre Zeit geben, um das Entwicklungspotenzial erleben zu können, das sich aus der Gesamtmaßnahme ergeben wird“, bremst Leonie Jaegers die eventuell ungeduldige Erwartungshaltung der Beteiligten. Betont aber zugleich, dass hier der Grundstein für eine gute wissenschaftliche Begleitung der Entwicklung der Bever sowie der Kontrolle der Auswirkungen der Maßnahmen geschaffen worden sei.

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