Ausgleichsflächen für Ostbevern
Gemeinde benötigt Ökopunkte

Ostbevern -

Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Und wo gebaut wird, da verschwinden Flächen. Deswegen muss die Bevergemeinde auch für ihre Bauvorhaben im Kohkamp III und an der Wischhausstraße Ausgleichsflächen bereithalten, die dann unter anderem vom Nabu bewirtschaftet werden sollen.

Montag, 10.12.2018, 22:00 Uhr
Das Naturschutzgebiet Schirlheide beherbergt eine ganze Reihe von seltenen Pflanzen und Tieren, die sich auf die karge Landschaft spezialisiert haben, so wie dieser Sonnentau (rötliche Pflanze).
Das Naturschutzgebiet Schirlheide beherbergt eine ganze Reihe von seltenen Pflanzen und Tieren, die sich auf die karge Landschaft spezialisiert haben, so wie dieser Sonnentau (rötliche Pflanze). Foto: Sebastian Rohling

Es wird viel gebaut in der Gemeinde – und es wird mit Hochdruck daran gearbeitet, das weitere Siedlungs- und Gewerbegebiete möglichst zeitnah erschlossen werden. Doch der Gesetzgeber verlangt, dass für die Flächen, auf denen gebaut und versiegelt wird, am anderer Stelle Ausgleichsflächen geschaffen werden, die dann wiederum – mehr oder weniger – der Natur überlassen werden.

In der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses war Andreas Beulting von der NABU-Naturschutzstation Münsterland eingeladen, um etwas über die bestehenden Naturschutzgebiete und die Optionen weiterer Naturschutzgebiete, beziehungsweise eine Ausweitung bestehender und im Gemeindegebiet liegenden Flächen zu berichten. Besonders erfreut war der Referent, dass die Maßnahme im Brock, wo eine Ausgleichsfläche mit Obstbäumen und einem Gewässer angelegt wurden, gut angelaufen sei.

„Naturschutzgebiete machen unterm Strich Sinn. Wir müssen uns nur im Vorfeld darüber klar sein, was auf solche neuen Flächen kommen soll. Dabei spielt es natürlich auch eine Rolle, welchen Stellenwert ein neues Biotop hat und wie viele Punkte wir dafür angerechnet bekommen“, ergänzte Hans-Heinrich Witt von der Gemeinde den Mann vom NABU .

Besonderes Augenmerk legte Andreas Beulting allerdings auf das Naturschutzgebiet Schirlheide, wo in naher Zukunft Maßnahmen zur Aufwertung des Areal stattfinden sollen. „Es gibt ein EU-Projekt, das dort die Lebensbedingungen für Kreuzkröte und Zauneidechse verbessern will“, warb er für die Unterstützung seitens der Gemeinde.

Während die Aufwertung der Schirlheide aber nur minimal Ökopunkte im Sinne der Eingriffsregelung erbringt, schlug der Naturschutzexperte vor, dass doch der Fokus der Suche nach Ausgleichsflächen für die anstehenden Bauprojekte, auf eine Ausdehnung des Naturschutzgebietes Brüskenheide gelegt werden könnte. Denn alleine für das Baugebiet Kohkamp III muss die Gemeinde 53 000 Wertpunkte im Sinne der Biotopwertverfahrens (Ökopunkte) generieren.

Eine Möglichkeit Punkte zu erhalten, bietet sich dabei für die Gemeinde an, wenn sie Wirtschaftswege zurückbaue und ökologisch aufwerte. „Das könnten nach Auswertung der ,Ge-Komm‘ (Haben das Wirtschaftswegekonzept erarbeitet, Anmerk. der Red.) bis zu acht Kilometer auf Gemeindefläche sein“, so Klaus Hüttmann von der Gemeindeverwaltung. Auch ein Vorschlag von Philipp von Beverfoerde (CDU) kam bei den Anwesenden gut an. Regte er doch an, Waldflächen, die ohnehin nach Sturm, Dürre und Borkenkäferbefall neu geplant und bepflanzt werden müssten, naturnaher zu gestalten. „Es muss ja nicht immer Acker sein, der ökologisch aufgewertet wird“, schloss er seinen Vorschlag ab.

Die Gemeinde wird sich nun intensiv mit der Suche nach potenziellen Ausgleichsflächen beschäftigen. Dabei will sie vorrangig prüfen, ob es möglich ist, bestehende Naturschutzgebiete auszuweiten, um die jeweiligen Lebensräume zusammen zu halten und mögliche Wanderbewegungen von Tieren zu unterbinden. Dabei, das hat die Diskussion im Ausschuss gezeigt, muss bei dem einen oder anderen noch Überzeugungsarbeit geleistet werden, da noch nicht bei jedem Bürger angekommen zu sein scheint, warum es dieser Flächen bedarf – nicht nur aus politischer Sicht.

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