Zusätzliches Sprachangebot in Ostbevern
Zweisprachig aufwachsen

Ostbevern -

Im Kreis Warendorf gibt es an mehreren Standorten das Angebot des herkunftssprachlichen Unterrichts. Auch in Ostbevern. Hier wird jeden Russisch gelehrt. Die Schüler kommen dabei nicht nur aus der Bevergemeinde, sondern auch aus den benachbarten Ortschaften.

Dienstag, 19.02.2019, 20:00 Uhr
Evgeny Vinokurov (hinten l.) hat zwei Klassen in Ostbevern, die er im Rahmen des herkunftssprachlichen Unterrichts in Russisch unterrichtet.
Evgeny Vinokurov (hinten l.) hat zwei Klassen in Ostbevern, die er im Rahmen des herkunftssprachlichen Unterrichts in Russisch unterrichtet. Foto: Rohling

„Dobriy den!“, werde ich begrüßt und habe damit auch schon 50 Prozent meiner Russischkenntnisse aufgebraucht. Ganz anders als die Schüler von Evgeny Vinokurov , die mich mit diesem fröhlichen „Guten Tag“ begrüßen. Sie sind, je nach Alter, der Sprache ihrer Eltern und Großeltern schon sehr viel mächtiger – und werden mit jeder Unterrichtsstunde besser.

Vinokurov unterrichtet Russisch im Rahmen des herkunftssprachlichen Unterrichts (HSU), der vom Kreis Warendorf angeboten wird. Zwei Klassen sind es, die jeden Donnerstagnachmittag in den Räumen der Franz-von-Assisi-Grundschule die Muttersprache ihrer Eltern oder Großeltern erlernen. „Es muss mindestens eine Person zu Hause leben, mit der die Schüler in ihrer Herkunftssprache kommunizieren können“, berichtet Evgeny Vinokurov während seiner Pause zwischen den beiden Unterrichtseinheiten an diesem Donnerstag. Das habe den Grund, dass es nicht nur bei einer reinen Sprachvermittlung bleiben würde.

Der HSU ist ein Angebot für Schüler mit internationaler Familiengeschichte, die mehrsprachig in Deutsch und mindestens einer weiteren Sprache aufwachsen. „Aufgabe des Unterrichts ist es, auf der Grundlage des Lehrplans für den HSU die Fähigkeiten in Wort und Schrift aufzubauen, zu erhalten und wichtige interkulturelle Kompetenzen zu vermitteln. In Abgrenzung zum Fremdsprachenunterricht geht es nicht darum, dass eine neue Sprache erlernt werden soll. Es werden daher als Voraussetzung zur Teilnahme am HSU Kenntnisse in der entsprechenden Sprache vorausgesetzt.“

Neben einer Schulnote, die die Schüler auf ihrem Zeugnis unter dem Bereich „Bemerkungen“ bekommen, gibt es am Ende der Schulzeit auch eine Bescheinigung. Doch das eigentliche Ziel geht sehr viel tiefer, weiß der 34-jähirge Lehrer. „Der HSU soll die eigene Identität stärken und die Schüler bekommen eine Sensibilität für Sprachen im Allgemeinen.“ Evgeny Vinokurov selbst ist 2009 nach Deutschland, genauer gesagt nach Münster gezogen. Zuvor hatte er in Barnaul, der Hauptstadt der russischen Region Altai im Süden Westsibiriens, Russisch, Deutsch und Englisch studiert. „Ich unterrichte seit 2015 russisch im herkunftssprachlichen Unterricht“, sagt er. Dabei ist er derzeit an sechs verschiedenen Schulstandorten im ganzen Kreis tätig. Insgesamt sind es momentan zwei Lehrkräfte, die sich die insgesamt neun Russischstandorte aufteilen. „Die anderen Kollegen unterrichten Türkisch, Italienisch oder auch Arabisch. Insgesamt wird im Kreis HSU in neun verschiedenen Sprachen angeboten.“

Die große Herausforderung ist weniger die reine Sprachvermittlung, vor dieser Aufgabe stehen andere Lehrer ja auch. „Ich habe vereinzelt sehr heterogene Gruppen und muss Schüler zwischen der ersten und neunten Klasse mit unterschiedlichen Sprachniveaus in einer Klasse ansprechen. Diese Binnendifferenzierung ist es, die die Vorbereitung des Unterrichts schon mal verkomplizieren kann“, erklärt er die Herausforderung der Unterrichtsplanung.

Um möglichst alle gut und umfassend ansprechen zu können, nutzt der junge Lehrer auch alternative Lehrmethoden und Ansätze. „Ich habe großes Vergnügen an den Themen Radio und Podcast. Da können die Schüler auf ihrem jeweiligen Niveau aktiv und spielerisch die Sprache erlernen“, sagt Evgeny Vinokurov.

Zum Abschluss kann ich dann auch mit meinem weiteren Russisch-Kenntnissen punkten, weiß ich doch, dass „Do svidaniya!“ auf Wiedersehen heißt. Ich freu mich auf jeden Fall schon drauf.

 

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