Ein barrierefreies oder ein echtes Behinderten-WC für das neue Rathaus?
Viel Lärm um ein stilles Örtchen

Ostbevern -

Noch immer ist keine finale Entscheidung gefallen, ob die von außen zugängliche Toilette, die es am neuen Rathaus in Ostbevern geben wird, nun nur eine barrierefreie Kombitoilette oder ein vollwertiges, und auch das erste überhaupt in der Gemeinde, öffentliches Behinderten-WC wird.

Dienstag, 26.02.2019, 18:00 Uhr
Nicht nur Rollstuhlfahrer, auch viele andere Menschen haben Anspruch auf die Nutzung einer Behindertentoilette.
Nicht nur Rollstuhlfahrer, auch viele andere Menschen haben Anspruch auf die Nutzung einer Behindertentoilette. Foto: dpa

Das gerade im Bau befindliche Rathaus wird auch einige Toiletten beherbergen. Sowohl für die Mitarbeiter als auch die vielen Gäste der Verwaltung. Allerdings gibt es um einen stillen Ort im neuen Gebäude gerade richtig viel Lärm. Zuletzt in den Sitzungen des Haupt- und Finanzausschusses.

Erneut stand die Toilette im Erdgeschoss im Fokus und mit ihr die Frage: Wird es nun eine barrierefreie Kombitoilette oder ein Behinderten-WC? Und wie viele Eingänge soll der Raum am Ende haben, beziehungsweise von wo sollen Notdurftleidende den Raum betreten können.

Auf Antrag der Grünen konnte sich auch ein Vertreter des Sozialverbandes VdK zu der Situation äußern, was Manfred Kraft , stellvertretender Vorsitzender des VdK Kreisverbandes Warendorf, auch tat: „Hier werden die Begrifflichkeiten vermengt. Sie sprechen über eine barrierefreie Kombitoilette. Wir setzen uns allerdings für eine reine Behindertentoilette ein.“ Der Unterschied liegt unter anderem in der Nutzung. Während eine Kombitoilette theoretisch von jedem genutzt werden kann, wäre ein öffentlich zugängliches Behinderten-WC nur mit einem Euroschlüssel zu nutzen. Auch müsste eine solche Sanitäreinrichtung die Möglichkeit bereitstellen, einen Notruf abzusetzen.

Während darüber Einigkeit bestand, dass es eine solche Behindertentoilette im Rathaus geben muss und innerhalb des Rathauses auch geben wird, sorgten sich die Anwesenden, dass das Konzept mit einem von außen zu betretenden WC so nicht einfach zu vereinbaren wäre. „Die Frage ist ja, wo läuft der Notruf auf, wenn das Rathaus nicht besetzt ist“, wandte unter anderem Bürgermeister Wolfgang Annen ein. Zudem, so die Bedenken einiger Ausschussmitglieder, wäre damit der Option einer öffentlichen Toilette für alle vorerst ein Riegel vorgeschoben worden.

Im Gespräch mit den WN konnte aber Heike Adam­czyk vom Hausnotruf-Team des Malteser-Hilfsdienstes in Ochtrup den Politikern eine Sorge nehmen. „Der Notruf könnte bei uns eingehen. Einen entsprechenden Vertrag haben wir unter anderem auch mit der benachbarten Stadt Telgte für deren öffentliches Behinderten-WC.“ Die Kosten für einen solchen Service belaufen sich demnach auf rund 25 Euro pro Monat. Mittels einer Gegensprechanlage wird im Notfall die Lage sondiert und gegebenenfalls die Rettungsleitstelle informiert. „Oder aber unsere Kontaktperson im Rathaus, dann natürlich während der Geschäftszeiten. Halt so, wie auch bei einem privaten Hausnotrufsystem“, ergänzt Adamczyk.

Die Information lag den Politikern zum Zeitpunkt der Diskussion allerdings nicht vor. So lässt es sich auch erklären, dass bis zur nächsten Ratssitzung am 7. März der Mehraufwand für eine reine Behindertentoiletten geprüft werden sollte, ebenso eine mögliche Standortverlagerung. Etwas, das unter anderem Theo den Bieman, Vorsitzender des VdK-Ortsverbandes nicht versteht. „In Ostbevern gibt es keine einzige Behindertentoilette. An einem Standort wie dem Rathaus, wäre das aber nicht nur ein Zeichen in Richtung zu mehr Inklusion, sondern auch ein Mehrwert, der unter anderem dem Tourismus in Karten spielen würde“, ist er sich sicher.

Die Diskussion um eine zweite Tür, die direkt in das Innere des Rathauses führen würde, ist demnach auch nicht mehr nötig. „Wir hätten ja eine Behindertentoilette im Rathaus, und eben direkt am Gebäude neben dem Haupteingang. Diese Wege kann jeder schaffen, der es auch ins Rathaus schafft. Behindert ist ja nicht gleich auch mit einer entsprechenden Immobilität gepaart. Sonst wären die Menschen ja nicht im beziehungsweise am Rathaus.“

Ob und wo Ostbeverns erstes öffentlich zugängliches Behinderten-WC gebaut wird, ist damit noch immer nicht geklärt.

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